Kleve: Jeder fünfte Klever ist jünger als 21 Jahre

Kleve: Jeder fünfte Klever ist jünger als 21 Jahre

Knapp 2,2 Millionen Euro gibt die Stadt Kleve in die Jugendarbeit. Große Anteile des Etats fließen in die zwölf Kinder- und Jugendzentren sowie in die Schulsozialarbeit. Dazu werden auch Events wie das Südstadtfest veranstaltet.

Der Alltag ist das Event: Wenn am Kicker oder am Billard-Tisch Freundschaften, Cliquen entstehen, die oft ein Leben lang halten, wenn man sich austauschen, erwachsen werden kann. "Sich treffen, für sich sein - das steht für die meisten Jugendlichen ganz oben auf der Liste, warum sie ins Jugendheim kommen", sagt Frank Rensing, Sozialpädagoge im Kalle, dem Kinder- und Jugendzentrum der Stiftspfarre. Das Kalle hat seine Heimstatt neben der Christus-König-Kirche. Es ist eines von zwölf offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen im Stadtgebiet - vom freien Heim über das Radhaus bis hin zu den kirchlichen.

Mehr als jeder fünfte Klever ist unter 21 Jahre alt: 10.255 Menschen der 50.000-Einwohner-Stadt sind das, davon 6.363 Kinder bis 13 Jahre, knapp 1911 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahre und schließlich werden 1981 als Heranwachsense gezählt, die zwischen 18 und 20 Jahre alt sind. Knapp 2,2 Millionen Euro im Jahr bringt die Stadt für ihre jungen Bürger auf. "Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen", macht Jan Traeder, Fachbereichsleiter Jugend und Familie der Stadt schnell klar, dass das nicht nur eine freiwillige Aufgabe für die Stadt Kleve ist.

Von den knapp 2,2 Millionen Euro, die die Stadt 2018 für die Jugend aufbringt, fließt ein großer Anteil in die Schulsozialarbeit, die in Kleve in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt wurde. 2005 waren fünf Schulsozialarbeiter tätig, jetzt sind es 14. "Wir haben als Jugendhilfe damit so eine Art ,Außenstelle' in den Schulen", sagt Traeder. Möglich wurde die Aufstockung zunächst durch das Bildungs- und Teilhabepaket NRW. Als das auslief, führte die Stadt es fort, inzwischen gibt es wieder Mittel. "Das wird ja auch von Bürgermeisterin Sonja Northing unterstützt", sagt der Fachbereichsleiter. 545.000 Euro gehen jährlich an die Kinder- und Jugendzentren - für die Betriebskosten und vor allem für die Mitarbeiter, die zu 80 Prozent von der Stadt gefördert werden. Und die die offene Jugendarbeit machen - abgesprochen im städtischen Arbeitskreis, in der Regel zwischen den einzelnen Jugendheimen koordiniert.

Die offene Arbeit beginnt im Kalle schon bei den Kleinen: "Wir haben offene Spielangebote und nachmittags Hausaufgabenbetreuung - da kann kommen, wer möchte. Es ist ja offen", sagt Rensing. Und wenn die OGS der Schule an den Linden um 16 Uhr schließt, kommt noch einmal ein ganzer Schwung Kinder rüber auf die andere Straßenseite ins Kalle. Flankiert wird dies mit weiteren Angebote wie Kochkurse für Kinder. Der nächste startet am kommenden Mittwoch, 11. April.

Die Jugendförderung soll an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sagt Traeder. "Sie sollen sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen", erklärt er weiter. Das bedeutet Teilhabe der jungen Erwachsenen an dem, was sich offene Jugendarbeit nennt.

"Bei uns hatten sich Jugendliche ein Parcours-Training gewünscht - daraus ist inzwischen eine feste Gruppe entstanden, die in der Turnhalle der VHS das Laufen über alle Hindernisse quer durch die Stadt trainiert", sagt Rensing. Hoch im Kurs stehen auch Tanzgruppen, wie Hip-Hop-Dance, die auch an Turnieren teilnehmen, erklärt der Sozialpädagoge. Dazu hätte er gerne die Keller des Kalles. Doch da stößt Jugendarbeit an Behörde: Es fehlt der zweite Fluchtweg. Noch.

Jugendarbeit bedeutet auch, Events zu organisieren, sagt Traeder. Da hilft die Stadt unter anderem mit Man-Power - wie beim Südstadtfest, beim Kinderfest oder dem Graffiti-Jam. Wobei letztlich die wahren Events der Alltag schreibt: Wenn junge Menschen zu den Sozialarbeitern in den Jugendheimen kommen, um mit ihnen ihre Zukunft zu bereden, nach Schule oder Beruf zu fragen. Wenn sie zeigen, dass die Arbeit fruchtet und die Nähe zu den Jugendlichen und Heranwachsenden da ist.

(mgr)