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Jana Rogmann aus Kevelaer hat ihre neue Heimat Bolivien erkundet

Vom Niederrhein in die Welt : Ein Meer aus Salz

In den Ferien hat Jana Rogmann aus Kevelaer, die als Freiwillige in Bolivien arbeitet, bei einer Rundreise ihre neue Heimat erkundet. Sie war in der größten Salzpfanne der Welt, am Titicacasee und in der Hexengasse in der Stadt des Himmels.

Weiß, Weiß und wieder Weiß. Das Meer aus Salz erstreckt sich bis zum Horizont, und es ist weit und breit nichts anderes zu sehen. Als meine Augen zum Boden schweifen, entdecke ich, dass das Salz dort mal mehr, mal weniger perfekte Sechsecke bildet. Sie ziehen sich bis ins Unendliche, und ich kann fast nicht aufhören, über die Wunder der Natur zu staunen. Ein weißer Boden aus Bienenwaben, irgendwo im Nirgendwo.

Das gibt es nur in dem „Salar de Uyuni“, dem ersten Stopp auf meiner zweiwöchigen Rundreise durch Bolivien. Bei uns waren nämlich Sommerferien und so hatte ich endlich genug Zeit, gemeinsam mit meinen Mitfreiwilligen unsere neue Heimat noch ein bisschen besser kennenzulernen. Nach der Salzwüste ging unsere „Wüstentour“ weiter zu verschiedenen Lagunen und in die Steinwüste. Dort haben wir Flamingos, mystische Steinformationen und – darüber habe ich mich besonders gefreut – ganz viele Lamas und Alpakas gesehen.

Der „Salar de Uyuni“ ist die größte Salzwüste der Welt, und die meisten Menschen haben schon mal von ihr gehört. Trotzdem wissen viele nicht, dass sich die Salzwüste in Bolivien befindet, habe ich festgestellt. Ähnlich ist es mit unserem nächsten Ziel: dem Titicacasee. Erst neulich meinte eine Freundin zu mir, als ich von meinem geplanten Besuch beim größten See Südamerikas erzählte: „Wie, du fährst dahin? Ich dachte, der liegt in Afrika.“

Es gab Gelegenheit zu ungewöhnlichen Fotomotiven. Foto: Jana Rogmann

Dabei bildet der riesige See die Grenze zwischen Bolivien und Peru. Als ich vor dem glitzernden endlosen Gewässer stand, konnte ich nur noch an das Meer denken. Das darf ich aber keinem Bolivianer erzählen, habe ich im Laufe der Monate gelernt. Bolivien hat seinen Meerzugang vor 140 Jahren an Chile verloren, und das schmerzt noch heute. Bereits die Kinder zeigen mir auf den Südamerika-Karten, wo „ihr“ Meer liegt, und erklären mir, dass sie es gerne wieder hätten. So hat eine Mitfreiwillige schon erlebt, dass ihre ganze Klasse auf einmal angefangen hat zu singen: „Ich möchte Meer. Ein blaues Meer für Bolivien.“ Es werden auch Marineübungen auf dem Titicacasee abgehalten – für den Moment, wenn Bolivien sein Meer zurückbekommt.

Aber auch ohne Meer gibt es in Bolivien unheimlich viel zu sehen, zum Beispiel die inoffizielle Hauptstadt des Landes, La Paz. Dort liegt der höchste Regierungssitz der Welt, und auch der aktuelle Präsident wohnt in der „Stadt des Himmels“. Auf ungefähr 4000 Höhenmetern in einem Kessel zwischen den Anden gelegen, hat man in La Paz tatsächlich das Gefühl, dem Himmel ein Stück näher zu sein.

Die Stimmung in der Reisegruppe war ausgezeichnet. Foto: Jana Rogmann

Begonnen, die Stadt zu erkunden, haben wir mit einer Stadtführung für einen generellen Überblick. Besonders beeindruckt hat mich dabei die sogenannte „Hexengasse“. In den Läden dort findet man von romantischen Liebestränken über mystische Karten, die die Zukunft voraussagen, bis zu toten Lamaföten oder -babys alles. „Die toten Lamaföten oder -babys werden zusammen mit Lamawolle und Süßigkeiten in Form des Erwünschten wie Geld, Liebe oder Glück in einem Korb vergraben und somit der Mutter Erde geopfert. Dies wird vorwiegend praktiziert, wenn ein neues Haus gebaut wird, da man mit dem Bau die Mutter Erde sehr verärgert“, erzählte uns unser Guide. Dazu erfuhren wir, dass keins der Tiere extra getötet wurde, um verkauft zu werden, sondern alle tot geboren oder durch die Kälte in den Anden früh gestorben sind.

Was ich einzigartig fand in La Paz: das gut ausgebaute Seilbahnsystem mit über acht Linien, die als öffentliche Verkehrsmittel überall verwendet werden. Von La Paz aus sind wir dann mit dem Flugzeug nach Rurrenabaque geflogen. Dort startete unsere dreitägige Tour in die Pampas. Obwohl es kein Regenwald ist, habe ich mich auf der Tour gefühlt wie im Dschungel. Wir begegneten nicht nur Affen, Schildkröten und Alligatoren, sondern auch ganz vielen Mücken. Zerstochen, aber glücklich kehrten wir nach Hause zurück.

Dort konnte ich beim Durchsehen der Fotos nicht glauben, wie viel wir erlebt haben. In so kurzer Zeit hatte ich Wüste, Anden und Pampas gesehen. Und das alles in einem Land. Ein Land, das so unglaublich vielfältig ist und mehr Seiten hat, als ich dachte. Ein Land, das so wenige kennen, und von dem ich vorher zugegebenermaßen nicht mal wusste, wo es liegt. Dabei ist es dreimal so groß wie Deutschland. Ein Land, das mehr unberührte endlose Landschaften hat, als ich mir je vorstellen konnte. Ein Land, das jeder kennenlernen sollte. Und ich konnte in den zwei Wochen nicht anders, als mich erneut zu verlieben in Bolivien.