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Issum: Brauerei Diebels produziert bald das erste Alt-Radler

Neue Marke : Diebels mischt in Issum bald ein Alt-Radler

Die neue Marke ist jetzt auf den Markt gekommen. Anheuser-Busch InBev will mehr Gewicht auf den deutschen Markt legen.

Claudia Hauschild wollte die Neuerung durchaus als Bekenntnis zum Standort Issum gewertet wissen. „Das ist ein Signal für den Vorwärtsgang bei Diebels, für mehr Gewicht auf Diebels“, sagte die Unternehmenssprecherin von Anheuser-Busch InBev (AB InBev) Deutschland über das, was ab 1. Juli vom Altbierdorf aus ganz frisch auf den Markt kommt: das erste Alt-Radler. Damit setzt der Konzern, für den Diebels nur eines unter mehreren Produkten in der Palette ist, auf Spritzigkeit und Leichtigkeit.

Laut Claudia Hauschild entwickelt sich das Thema Radler und insbesondere Naturradler sehr gut, denn „die Produkte bedienen viele Verbraucherbedürfnisse wie die Themen gesunde Ernährung, Natürlichkeit und Sehnsucht nach Einfachheit“. Für die Regionalmarken Haake-Beck und Löwenbräu sowie Hasseröder werde AB InBev das klassische Alster beziehungsweise Radler auch ab 1. Juli durch ein Natur-Alster beziehungsweise Radler ersetzen. Für Diebels habe man das erste Alt-Radler entwickelt. „Ich denke, auch ein deutliches Zeichen, dass wir wieder in die Marke Diebels investieren“, betonte die Sprecherin.

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Es ist noch gar nicht lange her, da wollte der Konzern Diebels loswerden. Es gab Verhandlungen mit dem Finanzinvestor CKCF aus dem hessischen Kronberg über den Verkauf nicht nur der Issumer Brauerei, sondern auch von Hasseröder aus Wernigerode. Ende 2017 sah es nach einer Einigung aus, im Sommer 2018 waren die Verhandlungen geplatzt. Im März 2019 beendete AB InBev die Gespräche auch mit anderen Interessenten. Der Konzern wolle sich darauf konzentrieren, „wie wir wachsen können, anstatt einen großen Teil unseres Portfolios zu veräußern“, hieß es in einem Schreiben damals.

 Das neue Alt-Radler von Diebels kommt am 1. Juli.
Das neue Alt-Radler von Diebels kommt am 1. Juli. Foto: Inbev Deutschlan/Inbev Deutschland

Die Sicht auf das deutsche Geschäft habe sich geändert, teilte Claudia Hauschild am Dienstag mit. Man traue dem Biermarkt hierzulande wieder mehr zu. „Und dabei spielt Diebels eine spezielle Rolle“, sagte die Sprecherin zu dem Ziel, Marktführer bleiben zu wollen.

Mit den neuen Marken folgt AB InBev einem Trend. Biermixe seien das am stärksten wachsende Segment auf dem deutschen Biermarkt. Alleine in den vergangenen drei Jahren 2016 bis 2018 stieg der Umsatz um 13,4 Prozent und zog damit an Pils (2,1 Prozent), Weizen (2,5 Prozent) und Hellem (11,2 Prozent) vorbei, wie Nielsen Market Track ermittelte. In dem boomenden Segment konnten vor allem Naturradler in den vergangenen zwei Jahren überproportional an Absatz zulegen (plus 59 Prozent).

Während die neuen Naturradler die vorhandenen Radler der Marken Hasseröder, Haake-Beck und Löwenbräu ersetzen, zieht für Diebels mit dem Alt-Radler ein komplett neues Produkt dieser Art ins Sortiment ein. Das Alt-Radler hat einen reduzierten Alkoholgehalt von 2,4 Prozent. Der rheinische Geschmack des traditionellen Diebels Alt paart sich mit 50 Prozent natürlicher Zitronenlimonade. „Die malzige Note des Altbiers und die Zitrone harmonieren gut“, versichert Claudia Hauschild.

Das neue Alt-Radler wird ihren Angaben nach in Issum gebraut. „Der Standort hat noch Kapazitäten, da müssen wir nichts extra freischaufeln.“ Es würden ja auch Bremer Produkte in Issum gebraut. Die Sprecherin machte keine Angaben darüber, welchen Jahresausstoß an Alt-Radler AB InBev plant.

Diebels braut derzeit das klassische Alt, das alkoholfreie Alt, Diebels light, Diebels Pils und Dimix, einen Mix aus Altbier und Cola. Zu früheren Produkten aus dem Hause Diebels zählt Plato 13, ein Altbier mit 13 Prozent Stammwürze und einer dunkleren Farbe sowie einem Alkoholgehalt von sechs Prozent.

Das Alt-Radler ist das erste neue Diebels-Produkt seit langer Zeit. Im Jahr 1987 brachte Diebels laut Firmenchronik das erste alkoholfreie Alt auf den Markt. 2000 war die Markteinführung von Dimix. 2005 wurde nach knapp 30 Jahren Unterbrechung in Issum wieder Pils gebraut.

Rund 220 Menschen arbeiten in Issum bei der 1878 gegründeten Diebels-Brauerei. Das lange Hin und Her mit CKCF hatte bei der Belegschaft für Unruhe gesorgt. Es gab sogar eine Demonstration für den Standort. Die Entscheidung von AB InBev, die Issumer in der Konzernfamilie behalten zu wollen, stieß im Altbierdorf allgemein auf positive Resonanz. Bürgermeister Clemens Brüx sah das Umsteuern als Zeichen, dass es am Standort Issum weitergehe. Für den Betriebsratsvorsitzenden Thomas Engelsiepen kam die Rolle rückwärts zwar überraschend, doch begrüßte auch er die Entscheidung aus der Bremer Zentrale.

Mit dem Beschluss vom März verband der Betriebsratsvorsitzende auch die Hoffnung, dass AB InBev für Diebels wieder mehr Marketingaktivitäten entwickeln werde. Denn zuvor habe Diebels lange Zeit im Vergleich zu Franziskaner und Beck’s in dem breiten Sortiment eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Am Dienstag äußerte er sich „sehr zufrieden. Ich fühle mich in meiner Hoffnung bestätigt“, sagte Engelsiepen. Zumal der Konzern der Issumer Brauerei auch anderweitig Hilfe zugesichert habe.