Investor fürs Pannier-Gelände in Kleve sagt: "Die Miete kann gleich bleiben"

Kleve : Investor: „Die Miete kann gleich bleiben“

Ein möglicher Verkauf des Pannier-Geländes in der Klever Oberstadt bereitet einigen Nutzern Sorgen. Clemens Wilmsen, der mögliche Investor, gibt Entwarnung: Alle Mieter können bleiben, zusätzliche Künstler sind willkommen.

Wo einst die Schuhfabrik Pannier stand, haben sich vor 20 Jahren die ersten Kulturschaffenden angesiedelt, nach und nach kamen Sportvereine und Bands als Nutzer hinzu, inzwischen ist dort auch eine Kfz-Werkstatt untergebracht. Jetzt steht das Gelände zum Verkauf. Das bereitet einigen Mietern Sorgen. Sie fürchten, dass ein Investor nach dem Kauf die Mieten erhöhen und so die Pächter verdrängen könnte.

Vorkaufsrecht hat, nach Auskunft der „Jugendinitiative Kleve“, Clemens Wilmsen. Der Entwickler hatte bereits das benachbarte Gelände rund um die Mozartstraße gekauft und die Häuser dort behutsam saniert. Jetzt will er gerne das Pannier-Gelände, das noch im Familienbesitz ist, erwerben. „Es stimmt, dass ich ein Interesse am Kauf des Pannier-Geländes habe. Das passt, schließlich bin ich Haus-Sanierer und seit Jahren in der Nachbarschaft tätig“, sagt Wilmsen auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Kulturschaffenden fürchten das wie der Teufel das Weihwasser. „Die Mietkosten sind für die einzelnen Vereine aufgrund der gemeinnützigen und nicht wirtschaftlich orientierten Arbeit bereits jetzt schwierig zu stemmen. Aktuelle Verkaufsgespräche machen uns Sorgen“, schreiben einige Jugendliche, die beim „Theater im Fluss“ auf dem Pannier-Gelände mitwirken und sich zur „Jugendinitiaive Kleve“ zusammengeschlossen haben. Sie fürchten, dass sie „die Mieten, die durch Herrn Wilmsen erhoben werden könnten, nicht mehr zahlen zu können oder auf anderem Wege die Räumlichkeiten verlieren“, schreiben sie weiter. Sie fordern, dass Wilmsen sein Vorkaufsrecht zugunsten einer Stiftung fallen lässt. „Ein Kulturzentrum soll entstehen, welches sich Klever schon lange wünschen und welches mit Sicherheit nicht in Herr Wilmsens Interesse steht“, sagen sie.

Wilmsen selbst kann die Aufregung nicht verstehen. „Ich habe vo Gespräche mit Harald Kleinecke (Leiter des Theaters im Fluss, d. Red.) und dem Künstler Max Knippert geführt und ihnen versichert, das alles erhalten bleiben kann. Der Status Quo kann bleiben wie er ist, das gilt auch für die Mieten“, sagt Wilmsen. Das heißt im Klartext: Alle Mieter können auf dem Pannier-Gelände bleiben, alle Mietverträge werden voll umfänglich übernommen. „Mein Motto ist: Lieber noch mehr Kultur als weniger. Zusätzliche Künstler wären hier willkommen. Auch einem Kulturzentrum wäre wünschenswert, ich würde das dort sogar gerne ausbauen“, sagt Wilmsen. Hier seien noch Abstimmungsprozzesse mit der Stadt Kleve, der Hochschule Rhein-Waal, die das Quartier in einem Forschungsprogramm gerade untersuche, dem Land NRW und den möglichen Nutzern sinnvoll, so Wilmsen. Er betont allerdings auch: „Wenn man Kultur haben will, kostet das etwas.“ Es handele sich um eine alte Liegenschaft, der Zustand einiger Räume sei „suboptimal“, man müsse bei einer Neuvermietung auch Brandschutz- und andere Auflagen beachten.

Das würde auch für den „Kulturraum Kleverland“, der auch unter dem Namen freie Kulturszene auftritt, gelten. Der hat nämlich auch ein Kaufinteresse am Pannier-Gelände, wie Veranstalter Bruno Schmitz vom Kleinkunstverein „cinque“ bestätigt. „Wir wollen das Pannier-Gelände kaufen und zum Kulturzentrum ausbauen“, sagt Schmitz. Die „Klever Jazzfreunde“ sollen dort unterkommen, auch die „Klangfabrik“. Und eben auch Cinque mit einer Bühne und Veranstaltungsaal plus Gastronomie für 350 Gäste sitzend und 750 im Stehen, so die Vorstellung von Schmitz. Um das zu finanzieren, habe er Kontakt mit verschiedenen Stiftungen aufgenommen. Aber Schmitz wünscht sich auch Unterstützung von der Stadt Kleve. „Bürgermeisterin Sonja Northing sollte auf Clemens Wilmsen zugehen und ihn dazu bringen, sein Vorhaben aufzugeben“, sagt Schmitz.

Nun gibt es also zwei Bieter fürs Pannier-Gelände. Schmitz: „Jetzt muss man sehen, wer gewinnt.“

Mehr von RP ONLINE