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Kleve: Internats-Alltag: Schlafsaal für 27 Jungen

Kleve : Internats-Alltag: Schlafsaal für 27 Jungen

RP-Serie "Meine Schulzeit" (35): Franz Bremers aus Uedem hatte 1947 in der Katholischen Volksschule Uedem sage und schreibe 55 Klassenkameraden. Alles Jungs – denn Koedukation gab es damals in Uedem noch nicht.

Heute wäre das unvorstellbar: Franz Bremers wurde 1947 mit 55 Klassenkameraden, nur Jungen, in die Katholische Volksschule Uedem an der Kervenheimer Straße, heute "Geschwister-Devries-Schule" eingeschult. Die Mädchen waren etwa in gleicher Stärke in einer separaten Klasse untergebracht. Die Schule, auch Standort der Polizei, war größtenteils von den Zerstörungen des 2. Weltkrieges verschont geblieben. Die Schüler mussten sich zehn Minuten vor acht vor der Schule aufstellen. Eine Lehrperson stand drohend auf dem linken der beiden Podeste, die die große Schultreppe einrahmten, und ließ die acht Klassen der Reihe nach in das Schulgebäude einmarschieren. Weil Franz Bremers einmal einem gehbehinderten Klassenkameraden half und dadurch zu spät zum Unterricht kam, bekamen beide eine saftige Rüge vom diensthabenden Lehrer Rütz.

Seine Klasse kannte alle Jahre nur einen Lehrer, Adolf Büchel. Er hatte eine kugelrunde Glatze und konnte das Lied "Guter Mond, du gehst so stille" auf den Tod nicht leiden. Wer es sang, hatte auf ewig bei ihm verspielt. Es wurden Gedichte und ganze Bibelpassagen auswendig gelernt und das Einmaleins täglich "gebimst", wie Lehrer Büchel zu sagen pflegte. Als Franz auf einem Ausflug zum Rhein Mitschüler überredete, in einen Kahn zu steigen und abzulegen, ohne den Lehrer zu verständigen, brachte ihm dies "ein vorwitziges Verhalten" in der Zeugnis-Führungsnote ein. Nach sechs Volksschuljahren besuchte der heute 71-Jährige das so genannte Progymnasium in Uedem. Die Lehrer waren Fräulein Ryland und Studienrat Heinrich Tillmann, "Studes" genannt, dessen Lieblingsfach Biologie war. "Ihm verdanke ich, dass ich noch heute die meisten Vogelstimmen am Niederrhein erkennen und sie meinen Enkelkindern erklären kann", sagt Bremers. Da das Progymnasium kein Griechisch unterrichtete, kam Schüler Franz zur Gaesdonck. Er wurde in die Untertertia aufgenommen, bekam die Wäschenummer 163 und schlief als Internatsschüler mit 27 Jungen im Tertianersaal. Viele Erinnerungen an diese Zeit kann Franz Bremers erzählen.

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Obwohl er beim Physikunterricht überhaupt nicht gestört hatte, warf ihn Studienassessor Kusemann aus der Klasse. "Einmal draußen, ging ich auf den Geflügelhof, fing eine Ente, ging mit ihr unbeobachtet in den Vorführraum hinter dem Physiksaal und ließ die Ente durch die Luke in die Klasse fliegen", erinnert sich Bremers. Es gab Getöse im Saal, Recherche der Schulleitung und ein Strafwochenende allein auf Gaesdonck!

Als Dietmar aus seiner Stube mit einem Küchenmädchen im Dunkeln auf dem Gelände des Bischöflichen Internates in Goch spazieren ging, wovon seine Freunde Olaf, Toni und er wussten, mussten die beiden Spaziergänger sofort Gaesdonck verlassen. Aber auch den Dreien wurde vom Präses eröffnet, dass sie mit dem Abgang von der Gaesdonck zu rechnen hätten, weil sie die beiden nicht denunziert hatten.

(stal)