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In Nierswalde und Reichswalde sollen Windkrafträder am Waldrand gebaut werden.

Windkraft : Der nächste Sturm auf die Windkraft

Das Thema Windkraftanlagen in den Kommunen Goch, Kleve und Kranenburg stand lange nicht mehr auf der Tagesordnung. Jetzt ist es wieder aktuell. Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins startet den nächsten Versuch, die Türme in den Forst zu bauen.

Der Kampf, den die Bürgerinitiative „Gegenwind im Reichswald“ einst gewonnen hatte, beginnt wieder von vorne. Zusammen mit dem Bündnis „Pro Reichswald“ will man jetzt verhindern, dass Flächen am Waldrand von Nierswalde und Reichswalde ohne Windkraftanlagen bleiben. Die Nachbargemeinde Kranenburg wollte vor acht Jahren mit der Firma Abo Wind zwölf Türme mitten in den Forst bauen und dafür reichlich Bäume umhauen. 2017 musste Kranenburg das Projekt beerdigen. Die Initiative „Gegenwind im Reichswald“ war erfolgreich. Das Vorhaben Windkraft im Wald wurde nicht umgesetzt.

Dabei waren es nicht allein die Gegner des Bauvorhabens, die für das Aus sorgten. Denn im aktuellen Regionalplan ist die Fläche in Kranenburg nicht als Windkraftvorrangzone ausgewiesen. Anders verhält es sich mit den Gebieten in Reichswalde und Nierswalde. Hier gibt es zwei Orte, an denen es einfacher ist, die Genehmigung zu erhalten.

Die Flächen befinden sich zwar nicht im Forst, aber direkt daneben. Nach ersten Planungen sollten in Nierswalde sechs Turbinen mit einer Höhe von knapp 250 Meter errichtet werden. Aktuell sind es noch fünf. Vorverträge mit Besitzern der Grundstücke hat der Projektentwickler bereits geschlossen.

Einige Jahre war Ruhe in Kranenburg und der Nachbarschaft, bevor der Sturm auf die Windkraft-Planungen jetzt wieder Fahrt aufnimmt. Der Widerstand formierte sich. Die Heimatvereine aus Kessel, Asperden, Nierswalde und der aus Reichswalde gehören der Bürgerinitiative „Pro Reichswald“ an. Auf einer Bürgerversammlung wurde über die näher rückende Umsetzung diskutiert. Neben ersten Verhandlungen mit den Eigentümern der Flächen, laufen auch bereits Untersuchungen wie die Umweltverträglichkeitsprüfung.

Hans-Hugo Papen (76) ist CDU-Kreistagsmitglied und Fraktionsvorsitzender im Regionalrat. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit derartigen Projekten. Aus seiner Sicht gibt es eine recht einfache Lösung, wie man das Vorhaben beenden kann. „Die Grundstückseigentümer müssen den Unternehmen ihre Flächen nicht verkaufen. Ein Enteignungsrecht gibt es nämlich nicht.“

Das Thema Windkraft im Wald ist nicht allein wegen der fortschreitenden Planung in Nierswalde wieder aktuell. Auch Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins hat nach dem Aus einen neuen Anlauf gestartet, seine Pläne doch noch zu realisieren. Steins hat dem Regionalrat und den Fraktionen im Kreis geschrieben. Er wolle im Forst einen Bürgerwindpark errichten und habe auch die Niederländer an dem Vorhaben beteiligt. Der Verwaltungsleiter hofft, drei Jahre nach dem Aus, auf eine andere Einstellung der Genehmigungsbehörden. Rückenwind verspricht er sich offenbar durch die allgegenwärtige Klima-Diskussion. Hans-Hugo Papen erklärt dazu: „Am liebsten wäre es Herrn Steins wohl, wenn der Regionalplan geändert würde. Das geht, auch wenn der für 15 Jahre halten soll, es ist aber unwahrscheinlich.“ Als das Thema Rotoren im Reichswald für die Kranenburger noch aktuell war, wurde auch über Erträge gesprochen. Steins und Vertreter des Landesbetriebs Wald und Holz hatten damals nachdrücklich beim Regionalrat darauf hingewiesen, wie viel Geld ihnen allein durch die Pachtzahlungen verloren gehe, so Papen: „Es ging da jährlich insgesamt um etwa 800.000 Euro.“

Immer in der Lage, derartige Projekte zu stoppen, sind Greifvögel. Leben diese Vögel in der Nähe der geplanten Windkraftanlagen, so ist es häufig ein K.o.-Kriterium für den den Bau eines Windparks. Zwei Wespenbussard-Pärchen seien in dem Raum bereits gesichtet worden, erklärte eine Sprecherin der Bürgerinitiative.

Was den Gegnern helfen dürfte, ist die Politik. So hatte Gochs Bürgermeister Ulrich Knickrehm vor zwei Jahren klar Stellung zu dem Thema bezogen. Er lehnt die Planungen in Nierswalde strikt ab. Notfalls würde man juristisch dagegen vorgehen. CDU-Bundestagsmitglied Stefan Rouenhoff sagte damals, er sei ein Befürworter erneuerbarer Energien. Jedoch halte er die Errichtung von Windkraftanlagen in Wäldern für falsch. Ob sich angesichts der aktuellen Debatte der Wind gedreht hat, wird sich zeigen.