In Hamburg hat Gochs Firma Derbystar den Bundesligaball vorgestellt

Goch : Gute Ballarbeit

Derbystar präsentierte Freitag den Bundesliga-Ball für die Saison 2019/20 in Hamburg.

Das Sportartikelunternehmen Derbystar liefert seit dieser Saison wieder den Ball für die 1. und 2. Fußball-Bundesliga. Zuvor kam er aus dem Hause des Dax-Konzerns Adidas und trug den Namen „Torfabrik“. Heute wurde das neue Modell namens Brillant APS, für nächste Spielzeit in Hamburg vorgestellt. Alle 612 Spiele der beiden Top-Ligen werden mit dem Produkt aus Goch ausgetragen.

Es war 2010 als die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Einheitsball ein. Grund dafür war, dass nahezu jeder Verein mit einer anderen Marke spielte. So hatten sich gestandene Torhüter wie auch Oliver Kahn über die Flugeigenschaften der verschiedenen Modelle beschwert. Auch die Qualität bestimmter Fabrikate wurde immer wieder kritisiert. Brasiliens Julio Cesar über den Ball aus Herzogenaurach für die WM 2010: „Wie einer, der aus dem Supermarkt kommt.“ Spaniens Torhüter-Legende Iker Casillas warf ihm gar einen „abgründigen Charakter“ vor. Der Einführung des Einheitsballs konnte Jürgen Klopp wenig Positives abgewinnen: „Die neue Pille ist wie eine Regeländerung. Als wären die Tore größer gemacht worden.“ Thomas Tuchel packte noch einen drauf: „Er schlägt Haken, als säße da ein Kaninchen drin.“ Ein Stürmer berichtete, er springe neuerdings an Flanken vorbei, weil sie kurz vor seinem Kopf plötzlich abbiegen.

Vor der aktuellen Saison hatte sich die DFL für die Bälle aus dem Hause des mittelständischen Unternehmens entschieden. In den 70er und 80er Jahren versorgte Derbystar für etliche Bundesligisten. 1979/80 für alle 18 Vereine. Der ehemalige Werder-Profi und Mann fürs Grobe, Thomas Schaaf, lobte das Produkt einst: „Der geht ab wie Schmitz‘ Katze.“

Heute wurde das neue Modell namens Brillant APS, für die Saison 2019/20 in Hamburg vorgestellt. Die Geschäftsleiter Joachim Böhmer (57, Produktion und Marketing) sowie Andreas Filipovic (46, Verkauf und Sponsoring) beurteilen die erste Spielzeit als Ball-Lieferant.

Die Entscheidung der DFL im vergangenen Jahr war überraschend. Hat sie sich für Derbystar ausgezahlt?

Joachim Böhmer Zweifellos. Der Umsatz stieg um 35 Prozent und liegt jetzt bei etwa 17,8 Millionen Euro. Der Ertrag wuchs um 39 Prozent. Wir haben mehrere Mitarbeiter eingestellt und mussten unsere Lagerkapazitäten erweitern. Durch die große Präsenz ist er ein Verkaufsschlager. Zu dem guten Geschäftsergebnis hat unser Engagement in den Niederlanden beigetragen, wo wir seit 2006 den offiziellen Ball in der Eredivisie stellen. Die höchsten Klassen anderer Länder wie etwa Finnland, Schweden, Island, Dänemark oder Belgien spielen auch mit Derbystar.

Das Spitzenprodukt kostete in dieser Saison 140 Euro, wie teuer ist der neue Bundesliga-Ball?

Andreas Filipovic Der Preis bleibt unverändert. Ab dem 1. Juni wird er im Handel angeboten.

Wie viele Bälle verlassen jährlich Ihr Haus?

Filipovic Wir haben 1,5 Millionen Bälle verkauft, mittelfristig sollen es zwei Millionen sein. Dazu zählen auch die Produkte aus den anderen Sportarten wie Handball oder Freizeitbälle, die wir im Angebot haben.

Wie lange wird noch mit Derbystar in den Bundesligen gespielt?

Böhmer Der Vertrag läuft über vier Jahre. Das heißt, nach der Saison 2021/2022 wird die DFL die Rechte neu vergeben. In der Zeit wollen wir die Ligen davon überzeugen, dass unser Produkt von hoher Qualität ist. Denn dadurch kann Derbystar erneut den Zuschlag erhalten. Unsere Chance ist minimal, wenn alleine Geld für die Entscheidung ausschlaggebend ist. Beim Angebot mussten wir uns trotzdem enorm strecken.

Wie sind die Reaktionen nach der ersten Saison ausgefallen?

Böhmer Die Resonanz war ausgezeichnet, und die DFL zufrieden. Ebenso was uns gesagt wurde oder wir gelesen haben. Hoffenheims Julian Nagelsmann hat den Ball als sehr gut bewertet. Gladbachs Yann Sommer sagte, für ihn sei es ein guter, ehrlicher Ball vor allem einer guten Flugbahn. Auch von Torwarttrainern gab es ein positives Feedback. Was die Qualität betrifft, so hat das niederländische Fußball-Fachblatt „Voetball Magazine“ einst die Bälle von Adidas, Umbro, Nike und Derbystar von Profis testen lassen. Für die Spieler war unser Model das Beste. Ebenso entschied sich Thomas Helmer für unseren Ball.

Die Flugeigenschaften von Bällen anderer Firmen werden häufig als unberechenbar charakterisiert. In Fachkreisen heißt es, der Torwart könne sich bei guten Schüssen in eine Ecke stellen und hoffen, dass der Ball dort ankommt.

Filipovic So haben es uns einige Torhüter berichtet. Aus unserer Sicht dürfen die schlechten Eigenschaften eines Balles das Spiel nicht entscheiden. Auch Feldspieler müssen den Ball gut kontrollieren können. Unser ist schnell und flattert kaum. Der Brillant APS setzt sich weiterhin aus 32 Kunststoff-Teilen zusammen und besitzt eine gerippte Oberfläche wie ein Golfball. So wird die Luftströmung besser geleitet. Ziel ist es, unser Produkt weiter zu entwickeln, etwa durch Tests im Windkanal.

Vereine und Fans hatten Sorgen, dass weniger Tore fallen und es weniger Spektakel gibt, wenn Derbystar den Ball liefert.

Böhmer Die Beunruhigung war unberechtigt, wie sich gezeigt hat. Die aktuelle Spielzeit war eine der torreichsten überhaupt.

Seit Jahren lässt Derbystar seine Bälle in Pakistan von Hand fertigen. Unter welchen Bedingungen für die Beschäftigten?

Derbystar Ball 2019/20. Foto: Derbystar

Böhmer 90 Prozent der weltweit hergestellten Bälle kommen aus Pakistan. Alle nennenswerten Sportartikelunternehmen lassen dort herstellen. Wir arbeiten seit mehr als 40 Jahren mit demselben Produzenten zusammen. Mittlerweile ist er mit 49 Prozent an Derbystar beteiligt. 3500 Näher arbeiten in dem Fairtrade-zertifizierten Betrieb. Wir engagieren uns außerdem an einem Gesundheits- und Ausbildungsprogramm für die Mitarbeiter.

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