Kalkar-Grieth: In Grieth soll Zeit des Handels beginnen

Kalkar-Grieth : In Grieth soll Zeit des Handels beginnen

Mehr als zwei Jahre hat sich ein Coesfelder Planungsbüro mit den Stärken und Schwächen der ehemaligen Hansestadt befasst und Maßnahmen zur Besserung der Lage erdacht. Am 6. November stellt es den Abschlussbericht öffentlich vor.

Im September 2011 hatte das Architektur- und Stadtplanungsbüro Wolters Partner aus Coesfeld im Auftrag der Stadt Kalkar damit begonnen, ein Dorfentwicklungskonzept für Grieth zu erarbeiten. Die Stadt zahlte dafür 13 000 Euro (der Fördersatz der Bezirksregierung lag bei 40 Prozent der Nettoplanungskosten). Nun — gut zwei Jahre später — wird das Konzept am 6. November ab 19 Uhr in der Griether Bürgerhalle vorgestellt. Der Abschlussbericht ist auf der Internetseite der Stadt einsehbar.

Der Rat der Stadt soll — so wünschte es sich Kalkars Bürgermeister Gerhard Fonck — das Konzept, dessen Existenz laut Stadtoberbaurat Frank Sundermann Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln zur Umsetzung leerstehender Immobilien ist, als Leitlinie für eine positive Entwicklung von Grieth beschließen.

Laut der Analyse des Coesfelder Planungsbüros weist Grieth durchaus Stärken auf: landschaftlich reizvolle Lage, kulturhistorisch interessanter Ortskern, Möglichkeit zu "ruhigem Wohnen" in kleinen Einheiten und ein starkes Gemeinschaftsbewusstsein. Demgegenüber stehen viele Schwächen: zunehmend überalterte Bevölkerung, zahlreiche Immobilien-Leerstände, schlechte Bausubstanz historischer Gebäude im Ortskern, fehlende Grundversorgung der Einwohner (keine Lebensmittelgeschäfte, keine Bank, kein Arzt, keine Post, schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr) und minimales gastronomische Angebot (auch für Touristen).

Entsprechend umfangreich ist der "Maßnahmenkatalog". Viele haben den Prioritätsgrad "hoch": Gestaltungssatzung für den Ortskern, Bauberatung vor Ort, Außendarstellung, Grundversorgung (Dorfladen), Kommunikationsstrukturen (Gründung eines Arbeitskreises Dorfgemeinschaft), Generationsübergreifende Wohnprojekte.

Wie die Maßnahmen umgesetzt werden können, beantworten die Coesfelder Stadtplaner eher vage. Als idealer Standort für einen Dorfladen wird die "Alte Molkerei" genannt und auf das DORV-5-Säulenmodell verwiesen, nach dem in anderen Orten die Grundversorgung bereits erfolgreich sicher gestellt wird. Für die Details wird der Leser auf das Internet verwiesen.

In der Schlussbemerkung des Berichtes heißt es: Die analysierten Defizite sind Zeichen eines bereits begonnenen Funktionsverlustes. "Hier gilt es frühzeitig nach Maßnahmen und Wegen zu suchen, mit denen die Probleme effektiv und nachhaltig gelöst werden können."

Wird (muss) die Abschlussveranstaltung zur Konzept-Erarbeitung am 6. November also ein (Neu)Beginn der Rettung von Grieth sein? Das erhofft sich Birgit Mosler, die seit 15 Jahren dort wohnt und aktiv an Bürger-Arbeitskreisen der Coesfelder Stadtplaner mitgearbeitet hat. Denn die Grietherin gesteht ein: "In der letzten Zeit hat sich hier nicht mehr viel getan. Es gab keine Treffen mehr", bedauert sie. Dennoch meint Mosler optimistisch: "Wir haben es schleifen lassen. Aber jetzt müssen wir wieder loslegen." Dass dauerhaftes Engagement der Einwohner in Grieth eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, den Ort zukunftsfähig zu machen, hatte auch Raumplanerin Anke Figgen von Wolters Partner betont — schon zum Beginn der Arbeiten zum Dorferneuerungskonzept Mitte 2012.

(RP)
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