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Unternehmer am Niederrhein: In der Weseler Altana AG stimmt die Chemie

Unternehmer am Niederrhein : In der Weseler Altana AG stimmt die Chemie

Vorstandsvorsitzender Dr. Matthias L. Wolfgruber peilt fürs kommende Jahr zwei Milliarden Euro Umsatz an.

Viermal in die USA, viermal nach China, einmal nach Indien und immer wieder kreuz und quer durch Europa: Dr. Matthias L. Wolfgruber legt im Jahr mehrere Hunderttausend Kilometer zu internationalen Tochtergesellschaften zurück. Was ein Zuhause ist, weiß er trotzdem. Eins steht in Mühldorf am Inn, wo seine Frau und vier Töchter — je zwei aus vorangegangen Ehen der beiden — auf ihn warten.

"Ich versuche, jedes Wochenende da zu sein", sagt Wolfgruber, dessen anderes Zuhause in Wesel steht: die Konzernzentrale der Altana AG. Die sieht er zwar auch nur zweimal pro Woche von innen, aber sie hat für den Vorstandsvorsitzenden besondere Bedeutung. Der elegant klare Würfel-Bau ist der Identifikationspunkt für weltweit 5500 Mitarbeiter des Spezialchemie-Unternehmens.

"Der Kubus ist das Dach und die Heimat der Altana, aber zentrale Steuerung wäre nicht zielführend", erläutert der 59-Jährige die besondere Kultur der AG, die zu 100 Prozent in Besitz der Quandt-Erbin Susanne Klatten ist. "Wir sind kein Dampfer, sondern lassen allen viele Freiheiten." Die Spezialisierung auf Zusatzstoffe für Lacke und Kunststoffe sei ein wissensgetriebenes Geschäft, das viel mit der Qualität der Leute zu tun habe. Da müsse schnell reagiert und entschieden werden können. Forschung wird bei Altana großgeschrieben. Und die braucht Freiheiten. Regeln natürlich auch. An der Entwicklung des Leitbildes haben alle 5500 Mitarbeiter aus 50 Gesellschaften mitgewirkt und es am Ende per Daumenabdruck unterschrieben.

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Die Werte lauten: Wertschätzung, Offenheit, Handlungsspielraum und Vertrauen. Wolfgruber: "Vor diesem Gesetz sind alle gleich." Das Konzept der besonderen Kultur geht auf. "Gute Leute kommen zu uns, weil es ihnen hier gefällt", sagt der Chef. "Meine Tür ist immer offen. Ich treffe viele Leute, nicht nur Topmanager. Es motiviert mich, wenn ich sehe, wie sie zusammenarbeiten." Auf "sehr guter Basis von Dr. Oehmichen, dem Baumeister der Byk Chemie," habe er 2002 bei der Altana begonnen, die sich 2006 von der Pharmasparte trennte. Bis 2014 will er den Umsatz von einst 700 Millionen auf gut zwei Milliarden Euro steigern und auch den Gewinn verdreifachen. Auch das liege an der gemeinsamen Altana-Kultur, die nichts mit kurzfristigen Aktionen zu tun habe. Hier werde langfristig gedacht und deutlich mehr investiert als in der Branche üblich ist. "Ich glaube daran, dass das wertschaffend ist", sagt der Konzernchef, der seine Wurzeln nie vergessen und Bodenhaftung bewahrt hat.

Wolfgruber stammt aus Anger im Berchtesgadener Land. Er wuchs mit drei Brüdern und vier Schwestern auf. Platz hatten alle genug, sagt er, denn die Familie betrieb erfolgreich eine Bäckerei (mit Lebensmittelgeschäft), die noch heute existiert. Abitur machte Wolfgruber in Bad Reichenhall. Dem Chemiestudium in München folgte ein Forschungsstipendium an der University of California, Berkeley. Dr. Wolfgruber dachte an eine akademische Laufbahn, begann aber 1985 bei der weltweit tätigen Wacker Chemie (Burghausen) und durchlief in 17 Jahren viele Stationen im In- und Ausland. Heute führt er ein Aushängeschild des Niederrheins.

(RP)