Kleve.: In der Stiftskirche mit Dante durch die Hölle

Kleve.: In der Stiftskirche mit Dante durch die Hölle

Das Orgelkonzert mit Lesung "Göttliche Komödie" in der Klever Kirche war für die Zuhörer ein besonders emotionales Erlebnis.

Am Anfang war der Text, geschrieben vom Italiener Dante Alighieri in den Jahren 1307 bis 1321. Es folgte die Musik, die den Text in Emotionen umsetzt, komponiert von dem Franzosen Valéry Aubertin fast 700 Jahre später. Die Lesung mit Orgelkonzert "Göttliche Komödie" in der Klever Stiftskirche nahm die Zuhörer mit auf eine faszinierende Reise in ein Zeitalter voll großer Gefühle.

Die Rieger-Orgel, gespielt von Thomas Tesche, stieß die Konzertbesucher in den Höllenschlund, den Dante beschreibt, und führte sie schließlich sicher in paradiesische Höhen. Das Konzert aus der "Besonderen Reihe" der Klever Konzerte war dem Kulturverein Comitato Dante Alighieri gewidmet, der in diesem Jahr 50jähriges Bestehen feiert.

Für die Lesung der Textstellen konnte Sigrun Hintzen, Leiterin der "Besonderen Reihe", und Thomas Tesche, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Kleve, zwei professionelle Sprecher gewinnen. Elisabeth Verhoeven ist Schauspielerin, Sprechkünstlerin, Hörfunk- und Fernsehsprecherin beim WDR und SWR. Ernst Hanßen ist Schauspieler am Klever XOX-Theater und mit musikalischen Lesungen und Leseinszenierungen literarischer Werke vertraut.

Dantes monumentales Werk ist in die drei Jenseitsbereiche Hölle (Inferno), Läuterungsberg (Purgatorium) und Paradies (Paradiso) gegliedert. Der Ich-Erzähler Dante beschreibt seinen Weg durch die Hölle bis zum Paradies und begegnet einer Vielzahl großer Persönlichkeiten aus Philosophie, Kunst und Wissenschaft. Endlich findet er im Paradies seine Jugendliebe Beatrice, die er nie vergessen konnte und nun in seiner Vorstellung ein vollkommenes Sinnbild der Liebe ist. Ausgewählte Textstellen aus der "Commedia", vom Italienischen ins Deutsche übersetzt von Hartmut Köhler, wechselten mit dem Vortrag des Orgelwerks von Valéry Aubertin durch Thomas Tesche.

Dem gewaltigen Klang der Orgel, die zunächst vier verschiedene Szenen der "Hölle" umsetzte, konnte sich kein Zuhörer entziehen, er war rational nicht mehr zu erfassen. Besonders bewegend die Szene, in der das Liebespaar Francesca di Rimini und Paolo in der Hölle immer wieder zueinander kommen wollen, die Begegnung aber nie zustande kommt. Die Zuhörer erlebten den Schmerz der beiden in Text und Klang mit.

Dann der tiefste Punkt der Hölle, der erstarrte Eis-See "Kozytus". Wie Thomas Tesche eine halbe Stunde vor Konzertbeginn in seiner sehr hilfreichen Einführung erläuterte, wird der Eis-See durch Akkorde in extrem langsamer Veränderung dargestellt, die schneidende Kälte durch sehr hohe Klanglagen.

In den 80 Minuten, die das Konzert dauerte, erlebten die Besucher im gut besetzten Mittelschiff der Stiftskirche einen Stimmungsraum, der durch Textvortrag, Orgelspiel und mit dem für die Kirche charakteristischen Nachhall genau die Atmosphäre von Dantes Text traf. Obwohl hochmodern führte die Orgelkomposition zielgenau in das Mittelalter, in dem die Menschen ganz konkrete Vorstellungen von Hölle und Paradies hatten. "Wir wollten mit der Auswahl der Textstellen auf keinen Fall eine Draufsicht schaffen, sondern Dantes Worte mit Fleisch füllen", sagte Elisabeth Verhoeven.

Der eindrückliche Vortrag der beiden Sprecher in Kombination mit dem überwältigenden Klang der Orgel füllte den Text, der zu allen Zeiten Leser und Literaturwissenschaftler in hohem Maße herausforderte und -fordert, mit greifbarem Leben. Langanhaltender stehender Applaus für die Akteure.

(RP)