Kleve: In der Ruhe liegt die Kuh

Kleve: In der Ruhe liegt die Kuh

56 Skulpturen aus einer Privatsammlung stehen im Mittelpunkt der neuen Mataré-Ausstellung, die das Museum Kurhaus am Sonntag, 11.30 Uhr, eröffnet. Valentina Vlasic, die die Präsentation ein halbes Jahr akribisch vorbereitet hat, führt in die Ausstellung ein.

Es ist die Ruhe, die immer wieder fasziniert. Die Ruhe der Wiederkäuer, die aus den formvollendeten Skulpturen spricht, ihre Stille und Erhabenheit, ihre Langsamkeit. Der Bildhauer Ewald Mataré sah Anfang der 20er Jahre die Kühe in den Wiesen des Wattenmeers geordnet liegen. War begeistert von der geometrischen Anordnung, wie sich die Schwarzbunten in der Weite der Felder verteilten, von der Gelassenheit, mit der sie sich dort hingelegt hatten.

Kleine Bronzen

Er schnitt später seine ersten Kuh-Skulpturen aus dort gefundenen Hölzern, bearbeitete ihre Oberflächen so, dass der Griff unweigerlich gen Kuhrücken zielt, um darüber zu streichen.

Immer mehr reduzierte Mataré die Figuren. Bald verloren sie ihr Podest, wurden glatter. Sie wurden im Weglassen der Details immer mehr zum Zeichen von Kuh: so reduziert sie auch ist, so gekauert der Körper oft nur noch glatt geformte Wölbung ist, immer ist die Skulptur das Bild von Kuh. Die Kuh schlechthin.
Später goss er die Skulpturen in Bronze ­ bearbeitete sie genauso perfekt wie die Holzskulpturen. Allerdings nie in hohen Auflagen. "Meist waren es zwei oder drei Bronzen von einer Figur, das macht sie ja so wertvoll”, sagt Kleves Museumsdirektor Drs. Guido de Werd.

  • Mataré-Ausstellung im Kurhaus

Kühe stehen im Mittelpunkt der neuen Mataré-Ausstellung, die das Museum Kurhaus am Sonntag eröffnet. In den vier Räumen für Wechselausstellungen auf der Mataré-Etage des Hauses ist eine wertvolle Privatsammlung eingezogen, die Matarés Werk von den ersten Kuh-Skulpturen Anfang der 20 Jahre bis in die 60 Jahre hinein aufzeigt. De Werd präsentiert die Sammlung als Schatzkammer, die von der Mataré-Bestand des Kurhauses glänzend ergänzt wird. Schon als Abiturientin Mitte der 50er Jahre schrieb die Sammlerin den Büdericher Bildhauer an, dessen Nachlass ja eine ganz wichtige Wurzel für das Museum Kurhaus ist, und sammelt seine Werke bis heute.

56 Skulpturen ­ vornehmlich Bronzen ­ hat das Klever Museum jetzt versammelt. Neben den Kühen ein wunderbarer Frauentorso, den das Museum schon einmal als Holzarbeit zeigen konnte, Pferde und Hähne. Es sind große Arbeiten wie die große liegende Kuh, aber auch winzige, wie ein silbernes Pferdchen, das keine drei Zentimeter groß in seiner Vitrine bestaune werden kann und ebenso perfekt bearbeitet ist, wie die große Kuh aus dem Jahr 1930.
In der Zeit seiner Ächtung ­ die Nazis bezeichneten sein Werk als entartet, in Kleve wurde sein monumentaler Krieger von den Faschisten zerstört und aus dem Kriegerdenkmal entfernt ­ schuf Mataré kleine Werke, Handschmeichler. Kühe, die sich gerade einmal in den Handteller schmiegen, kleine, geometrisch-grafisch aufgebaute Wiederkäuer.

Fundhölzer

Die Sammlung präsentiert die erste Kuh, die schmal auf Beinen noch auf einer Platte steht. Schmal ist dieser Guss, fast stromlinienförmig. Mataré arbeitete aus Fundhözernen. Das Brett aus dem die Holzskulptur geschnitten war, nach der der Bronzeguss der ersten Kuh entstand, war ein flaches, schmalesStück. Es gab die Form vor, aus der der Bildhauer die flache, stehende Kuh herausarbeitete. Auch sie mit jener samtig anmutenden Oberfläche, die zum streicheln reizt.
Das Gros der schön in den Räumen präsentierten Arbeiten steht deshalb auch unter Glas: "Man soll sie im Museum ja nicht anfassen”, sagt Kurhaus-Mitarbeiterin Valentina Vlasic, die die Ausstellung seit Sommer akribisch vorbereitet und einen sehr schönen, von Ingo Offermanns designten, Katalog erarbeitet hat: Der Katalog beschreibt jede der gezeigten Skulpturen ausführlich und ein prima Führer durch die Ausstellung.

(RP)