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In den Sommerferien wird es wegen Corona kaum Ferienlager geben

Sommerferien Kleve : Ferienlager im Kreis werden abgesagt

Der eine oder andere Veranstalter hat noch nicht endgültig entschieden, die meisten Ferienlager von Kirchen oder Vereinen werden in diesem Sommer aber wohl ausfallen. Die Hygienebestimmungen sind kaum zu erfüllen.

Die Uhr läuft rückwärts und würde die Spannung ordentlich steigern, wenn nicht schon die Enttäuschung um sich gegriffen hätte: „Zeit bis zum Lager“ heißt es auf der Internetseite von St. Franziskus Uedem, aber gleich daneben ist die aktuelle Lage abzulesen: Wegen der Corona-Pandemie wird es für die Kinder aus Uedem in diesem Sommer kein Ferienlager geben. Für sie nicht und für Schüler aus anderen Orten, die zwei bis drei Wochen Freiheit fest im Jahresplan verankert haben, ebenso wenig. Nicht einmal Stadtranderholungen (etwa des Kreises) finden statt.

„Mit ganz viel Bauchschmerzen haben die Betreuer des Ferienlagers von Heilig Geist entschieden, auf das beliebte Lager zu verzichten“, erklärt Kalkars Pastor Alois van Doornick. In zwei langen Telefonkonferenzen sei man die Liste mit Hygienebestimmungen durchgegangen, die das Bistum den Gemeinden zugeschickt habe, und zu dem Schluss gekommen, dass die Bedingungen nicht umzusetzen seien. Fünf Quadratmeter Platz im Schlafraum, Essen in drei Schichten, berührungsfreie Spiele – das passt alles nicht. „Es tut uns sehr leid, zumal die entspannten Begegnungen für die Kinder nach der langen Zeit der Kontakbeschränkung so wichtig gewesen wären“, bedauert van Doornick.

Viele Gruppen aus dem Kreis zieht es Jahr für Jahr auf die niederländische Watteninsel Ameland. Nicht jedoch während der Corona-Zeit, da ist den meisten Verantwortlichen das Wagnis zu groß. Karsten Müller als Vorsitzender des Ferienwerks St. Johannes der Täufer in Bedburg-Hau sagt: „Unser Vorstand wird in den kommenden Tagen entscheiden.“ Ohne der Sache vorausgreifen zu wollen, könne auch er sich nicht vorstellen, dass die Reise durchgeführt wird. Aus Goch kommt ein klares Signal. Udo Wennekers als Sprecher mehrerer Organisationen teilt mit: „Das Ferienwerk Arnold Janssen, das Jugendrotkreuz Goch und die KJG Arnold Janssen haben sich entschlossen, die Ferienfreizeiten in den diesjährigen Sommerferien nicht stattfinden zu lassen.“ Die Verantwortlichen hätten lange Zeit gehofft, die Freizeiten trotz Corona durchführen zu können. Aber die Auflagen seien zu groß.

Hermann-Josef Kleinen, Vorsitzender des DRK Goch, dessen Jugendabteilung den Sommer üblicherweise in einer sauerländischen Schützenhalle verbringt, bedauert die Entwicklung sehr. Ebenso wie der langjährige Lagerleiter Marco Lübeck.  Aber die Busfahrt, das beengte Schlafen  und Essen, auf Abstand spielen  – wie sollte das alles funktionieren? „Wir hatten sehr darauf gehofft, den Kindern eine  gewisse Ferien-Normalität bieten zu könne. Es ist in 50 Jahren das erste Mal, dass unser Lager ausfallen muss“, stellt Kleinen fest.

Michael Jansen von der DJK Rhenania Kleve war schon 28 mal Lagerleiter auf Ameland, in diesem Jahr wird er vom Virus ausgebremst. „Unabhängig von staatlichen Regelungen haben wir uns im Team gefragt, ob wir die Tour verantworten können. Was, wenn ein Kind schwer erkrankt oder es später zu Hause jemanden ansteckt, dem es dann schlecht geht?“ Jansen hofft, dass der Vermieter vor Ort nicht den gesamten Betrag in Rechnung stellen wird. Er weiß: „Die ehemaligen Landwirte leben ja vom Vermieten an Jugendgruppen, sie können auf ihr Einkommen auch nicht einfach verzichten.“