Immer Schafe im Kreis Kleve

Ostern 2019 : Schafe – immer mehr Schafe

Sie sind wieder da: die Wolltiere auf den Weiden im Kleverland. Doch warum ist das so? Schäfer geben Antworten und berichten über ihre Sorgen. Über den Wolf.

Sie stehen auf Deichen, unter Apfelbäumen und manchmal sogar auf großen Feldern: Schafe. Wer in diesen Tagen mit offenen Augen durch die Gegend fährt, sieht jede Menge Wolltiere auf den Weiden. Gefühlt werden es von Jahr zu Jahr mehr. Doch ist das wirklich so?

Hans-Josef Geurtz (57, Foto: Latzel), der seit fast fünf Jahren Vorsitzender der Schafzüchter und -halter im Kreis Kleve ist, kann das bestätigen. „Wo früher Kühe auf den Wiesen standen, sind es heute Schafe“, sagt Geurtz aus Weeze. Das habe mit der intensiven Landwirtschaft und der Industrialisierung zu tun. „Milchkühe sind mittlerweile Hochleistungstiere und benötigen ausgewogenes Futter. Auf der anderen Seite gibt es mehr und mehr kleine Ausgleichsflächen und Streuobstwiesen, die beweidet werden müssen, und natürlich der Hochwasserschutz. Hier kommen unsere Schafe ins Spiel“, sagt Geurtz, der selbst seit 1997 Schafe hält.

Nach Angaben der Kreiszüchterzentrale in Kleve gibt es etwa 460 Schafhalter im Kreis. Sie haben ein bis 969 Tiere, 9080 sind es insgesamt. Die meisten Schafe sind Fleischschafe – zum Beispiel Texelschafe. Als sogenanntes Allround-Schaf bezeichnet man das Schwarzköpige Fleischschaf, da es sich sowohl für die Hüte- als auch für die Koppelhaltung eignet. Die kleinste Gruppe bilden die Milchschafe. Die Anzahl der Schafzüchter im Kreis ist seit einigen Jahren konstant. Anders sieht das auf Landesebene auf. „Hier gibt es massive Einbrüche“, sagt Geurtz.

Hans-Josef Geurtz ist Vorsitzender der Schafzüchter im Kreis Kleve. Foto: Latzel/Latzel, Sebastian

Heiner de Lange (54) ist einer der 400 Schafhalter im Kreis Kleve. Der Landwirt aus Till-Moyland hält knapp 1000 Tiere, davon 500 Mutterschafe. „Ich habe mich 1987 mit dem Virus, den fast alle Schafhalter und -züchter haben, infiziert. Damals hatte ich vier Schafe“, sagt de Lange. Er steht auf einer Wiese in Schenkenschanz, hat gerade mit seiner Frau Nicole (49) fast 50 Schafe zur Koppel gebracht. „Sie stehen nun eine Woche hier und werden dann auf die nächste Weide gebracht“, sagt de Lange. Auch er kann bestätigen, dass es immer mehr Schafe auf den Wiesen im Kreis Kleve gibt. Zum einen gebe es heute mehr Hobbyschäfer als früher, zum anderen setzen die Deichverbände verstärkt auf die Beweidung mit Schafen. De Lange selbst ist sowohl für den Deichverband Xanten-Kleve (DVXK) als auch für den Deichverband Kleve-Landesgrenze tätig. Für die großen Abschnitte muss er mindestens 500 Tiere vorhalten. „400 Schafe stehen gerade im Vossegatt, sie brauchen zwei Tage für den Abschnitt und wandern dann weiter“, sagt de Lange. Deichgräf Hans-Heinrich Beenen erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion: „Die Schafe halten nicht nur das Gras kurz, ihre speziellen Hufe verdichten auch die Oberfläche. Das ist ganz wichtig für den Hochwasserschutz.“ Wie viele Schafe insgesamt für den DVXK im Einsatz sind, kann er nicht sagen.

Das alles hört sich positiv an, wäre da nicht die Wölfin, die seit April 2018 im Umkreis von Schermbeck (Kreis Wesel) ihr Unwesen treibt. Das ist auch die größte Sorge von Heiner de Lange. „Dann können wir einpacken“, sagt der Landwirt, der nach eigenen Angaben von den Lämmern lebt. Diese vermarktet er an Privatkunden, an eine Metzgerei und zu großen Teilen an einen Viehhändler. In guten Zeiten bekommt er 100 Euro für ein Lamm, in schlechten 50 bis 60 Euro. Hans-Josef Geurtz kann ihn beruhigen, die Schermbecker Wölfin hätte sich festgesetzt. „Das heißt aber nicht, dass sich nicht auch andere jünge Wölfe hier ansiedeln können“, so Geurtz.

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