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Niederrhein: Im Stift die Grablege der Residenzstadt

Niederrhein : Im Stift die Grablege der Residenzstadt

Das "Nordrheinische Klosterbuch Teil zwei" ist erschienen. Der Band beschreibt die meisten Klöster im Kreis Kleve. Der dicke Band stellt 118 Klöster vor, die bis 1815 gegründet wurden, alphabetisch geordnet von "Düsseldorf bis Kleve".

Es ist die Verlegung des Stiftes Monterberg nach Kleve 1341, die den Punkt markiert, an dem sich aus dem kleinen Flecken die klevische Residenz entwickelte. Das war Kleve immerhin fast 200 Jahre. Nach der Vereinigung der Herzogtümer Kleve mit Jülich und Berg sank Kleve zur Nebenresidenz. Und auch das Residenzstift verlor endgültig seine Bedeutung, als der reformierte Kurfürst von Brandenburg die Geschäfte als klevischer Landesherr übernahm. Dennoch prägt das alte Stift bis heute mit der mächtigen Klever Hauptkirche das Gesicht der Stadt. 1341 bis 1426 wurde die gotische Kirche erbaut, war ab 1347 Grablege der Grafen von Kleve. Bis heute zeugen die Grabtumben in der Michaelskapelle von der einstigen Bedeutung der Stadt zwischen Burg und Stiftskirche. Auch wenn beispielsweise die "künstlerisch bedeutende" (so Drs. Guido de Werd im lesenswerten Kirchenführer) Grabtumba mit dem Doppelgrabmal für Graf Arnold (1117 bis 1142) von Kleve und dessen Frau Ida von Brabant, das Anfang des 14. Jahrhunderts in den Stein geschlagen wurde, erst im 19. Jahrhundert in die Kirche kam. Ursprünglich stand es im Stift Bedburg, kurz in der Burg.

Kleves Stadtarchivar Bert Thissen hat jetzt das Kapitel zum Klever Stift für das Lexikon der Stifte und Klöster geschrieben, dessen zweiter Band jetzt unter der Redaktion von Wolfgang Rosen, Uni Bonn, erschienen ist. Das "Nordrheinische Klosterbuch, Lexikon der Stifte und Klöster bis 1815. Teil 2: Düsseldorf bis Kleve" stellt auf 742 Seiten 118 Klöster vor, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gegründet wurden. "Der Band thematisiert ebenso die Geschichte der großen Damenstifte wie Hochelten", sagt Rosen. So gelang den Äbtissinnen auf der anderen Rheinseite der Aufbau einer kleinen Territorialherrschaft und der Aufstieg in den Reichsfürstenstand, erläutert der Historiker von der Universität Bonn. Und vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass gerade in Kleve die Stiftsherren "vielfach als Hofbeamte tätig" waren.

Überhaupt ist Emmerich mit zwölf Klöstern stark vertreten, aus Geldern sind es fünf, Goch ist mit drei Klöstern dabei, Kalkar mit seinen sechs, Kerken mit drei, Kevelaer mit den Oratorianern und schließlich Kleve mit sieben Klöstern, die einst im Schutz der Stadt blühten oder auch untergingen. Der Band klar lexikalisch gegliedert, hilfreich die Legende, die die Zahlenkürzel der lexikalischen Einteilung erklärt und herausgeklappt neben dem Text liegt. Denn die Texte zur Klostergeschichte gehen in Tiefe, beschreiben nicht nur Geschichte und Bauten, sondern auch Einkommen, Reliquienverzeichnisse oder Handschriften. So wie im Klever Stift das Psalterium aus dem 15. Jahrhundert oder das Lectionarium mit silberbeschlagenem Buchdeckel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Beide sind als Dauerleihgaben im Museum Kurhaus Kleve.

(RP)