Im Stadtrat waren die Bebauungspläne für die Tiergarten- und Stadionstraße in Kleve Thema

Klever Stadtrat : Politik fordert „sensible“ Bebauung

Im Stadtrat waren die Bebauungspläne für die Tiergarten- und Stadionstraße in Kleve Thema. Die beiden Bauvorhaben dort werden von vielen Bürgern kritisch gesehen. Jetzt ist klar: Es gibt strikte Auflagen.

An der Tiergartenstraße liegen Glanz und Elend ganz dicht beieinander. Da gibt es die schmucken klassizistischen und Gründerzeit-Villen aus der Ära des Kurbades Cleve, aber auch Mehrfamilienhäuser, die so gar keinen Charme versprühen. Mittendrin liegt ein Grundstück, das viele Begehrlichkeiten weckt. Es befindet sich zwischen der „Villa Nova“ und der folgenden „Villa Fortuna“. Dort soll ein Neubau errichtet werden, der im Vorfeld allerdings schon für viele Diskussionen gesorgt hat. Auch in der jüngsten Ratssitzung wurde wieder debattiert.

Die Stadtverwaltung hatte eine Veränderungssperre eingerichtet und einen neuen Bebauungsplan aufgestellt, nach dem ein Sechsfamilienhaus möglich wäre. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gebing mahnte: „Es handelt sich hier um einen sensiblen Bereich. Wir brauchen eine unbedingte Orientierung an den denkmalgeschützten Gebäuden.“ An der Stelle dürfe kein „Fremdkörper“ entstehen, so Gebing. Grundsätzlich könne sich seine CDU-Fraktion aber eine Bebauung des Grundstücks vorstellen. „Es muss eine deutliche Anpassung erfolgen“, betonte er.

Fabian Merges von der Wählergemeinschaft Offene Klever sieht das anders. „Wir haben ein Problem mit der Möglichkeit, dass hier sechs Wohneinheiten entstehen“, sagte er im Rat. Die Offenen Klever lehnten ab, dass der Bebauungsplan so in die Offenlage geht. Die fraktionslose Anne Fuchs ist der Meinung, dass die Stadt das Grundstück hätte erwerben sollen. „Es wäre schön gewesen, wenn die Stadt das Grundstück für 80.000 Euro gekauft hätte. Ich bin gegen jede Form von Bebauung“, sagte sie. Mehrheitlich beschloss der Rat im Anschluss an die Diskussion, dass der Bebauungsplan nun in die Offenlage geht. Nun haben neben den Nachbarn, auch Träger öffentlicher Belange, wie andere Ämter oder Interessensgruppen sowie interessierte Bürger Gelegenheit, Anregungen, Einwände und weitere Stellungnahmen abzugeben.

Einen Schritt weiter ist man schon beim Bereich Stadionstraße-Lindenallee in der Klever Oberstadt. Hier beschloss der Rat einstimmig den Bebauungsplan. Auch hier gibt es einen Investor, der ein Mehrfamilienhaus errichten möchte. Der derzeitige Bebauungsplan sieht für diesen Bereich zwar Einfamilien-, Reihen- oder Doppelhäuser mit je einer Wohneinheit vor, jedoch grenzt das Baufenster an die Lindenallee, die entsprechend größere Häuser mit mehr Wohneinheiten aufweist. Die Verwaltung hält dies für „städtebaulich verträglich“ und lässt ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen zu. Der technische Beigeordnete Jürgen Rauer erläuterte im Rat, dass die überbaubare Fläche in dem Entwurf des Bauherrn nicht ausgenutzt werde. Außerdem liege das Haus im Vergleich zum derzeitigem Haus (die Asylbewerber-Unterkunft, d. Red) weiter von der Straße zurück. Wolfgang Gebing (CDU) betonte, dass sich seine Fraktion im Vorfeld „schwer getan“ habe. Jetzt gebe es aber einen „deutlichen Einschnitt in der bebaubaren Fläche und eine durchaus verträgliche Sicht auf das Gebäude von der Lindenallee aus“.

Er forderte allerdings, genau wie anschließend Hedwig Meyer-Wilmes, einen so genannten städtebaulichen Vertrag, „damit die Zusagen des Bauherrn auch rechtsverbindlich sind“.