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Im Museum Kurhaus Kleve darf jeder das Long-Archiv nutzen.

Museum Kurhaus Kleve : Über das Ausstellen von Ausstellungen

Ein Archiv zum Anfassen für jedermann: 49 Aktenordner dokumentieren im Kurhaus alle Ausstellungen des Künstlers Richard Long von 1970 bis 2018.

Ein Raum wie ein Büro, das zur Kunsteinrichtung wurde: Zwei graue stylishe Schreibtische stehen versetzt gegenüber. Auf dem Boden an der Wand entlang – sauber in Reih und Glied gestellt – eine ganze Ansammlung von Aktenordnern. 49 Stück. In ihnen wartet Archivmaterial darauf, gesichtet, gescannt, digitalisiert und bearbeitet zu werden. Auf dem einen der Schreibtische steht ein Computer, daneben ein Scanner. An diesen Schreibtisch darf sich jeder Besucher setzen und sein eigenes Archivmaterial anlegen (wie’s geht ist einfach beschrieben). An den Wänden wiederum in Museumsrahmen passepatouriert werden Einladungskarten von Ausstellungen gezeigt, Fotos, Briefe. Auch sie sind eigentlich Archivmaterial. Dazu Regale, die wieder mit Aktenordnern gefüllt sind, und Vitrinen für andere Einladungskarten.

 Das Ganze ist eine Einrichtung eines Archivs, das von „Richard Long und das Ausstellen von Austellungen“ erzählt. Diese Einrichtung ist einerseits Teil der großen Jubiläumsausstellung „Schatzhaus und Labor“ im Museum Kurhaus Kleve. Andererseits ist sie Teil eines Projektes zur wissenschaftlichen Erforschung des Nachlasses von Gerard Vermeulen, der an das Klever Museums Kurhaus Kleve gekommen ist. Und für die Sichtung und Aufarbeitung dieses speziellen Archivs machte das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen auch gerne ein wissenschaftliches Forschungsvolontariat möglich.

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Am anderen Schreibtisch sitzt Julia Moebus-Puck. Sie trägt ein T-Shirt aus der Londoner Tate-Modern-Galery von Richard Long, auf ihrem Schreibtisch steht eine Long-Tasse und an der Rückenlehne ihres Drehstuhls hängt eine Tasche. Klar - auch sie eines der vielen Dinge, die man zu Ausstellungen von Richard Long in einem der vielen Museen bekommt, die Ausstellungen mit Werken von Long machten oder gerade machen oder Werke von ihm ihr eigen nennen. Julia Moebus-Puck ist die Forschungsvolontärin, die hier ihre Arbeit als Kunst zum Anfassen eingerichtet hat und jedem Besucher die Möglichkeit gibt, sein eigener Long-Archivar zu sein.

Long ist lange mit Kleve verbunden, es gab hier zwei großartige Ausstellung des Engländers, der inzwischen als Sir geadelt ist. Es gibt zwei schöne Auflagen des Freundeskreises zu Long, dazu in der Sammlung das Labyrinth aus Rhein-Schlamm und vor allem die „Midsummer Flintline“ zu Füßen der Minerva, die eigens für Klever gemacht wurde. Und jetzt gibt es dazu das Archiv des Niederländers Gerard Vermeulen, der den Land-Art-Künstler begleitete. Der zwar nicht die Kunst sammeln konnte, der aber fast lückenlos die Ausstellungen und die Entwicklung Longs nachzeichnete und in Akten und Briefen und Einladungskarten und Fotos akribisch festhielt. Das sind die Dokumente, die die jetzt in den 49 Aktenordnern liegen. Schön zeigt Moebus-Puck auch, wie die Archivalien nach Kleve gekommen sind, wie sie gesichtet, sortiert, beschrieben und nicht zuletzt vor allem digitalisiert werden mussten.

Wie wichtig ein solches Archiv gerade im Fall Longs ist, zeigt eine britische Zeitungsmeldung von 1990: „Die meisten seiner Arbeiten existieren nicht wirklich – wir haben sie uns vorzustellen“, heißt es da. Und die Zeitung stellt das Ganze zugleich in Frage: „Aber ist das Kunst?“. Die Antwort: Ist es – und wie. Auch wenn vieles dieser Kunst nicht mehr oder nur als Abbildung existiert. Wie die beiden Klever Long-Editionen: 1999 schuf Long während einer Wanderung an der Flanke des Parnass in Griechenland einen Steinkreis, der auf einer der Editionen gezeigt wird. Drei Jahre später, 2002, suchte er diesen Ort erneut auf und verstreute die Steine wieder. Der Kreis, ein mit einfachsten Mitteln der Natur abgetrotztes Sinnbild für die ordnende Kraft der menschlichen Ratio, existierte also nur 1114 Tage. Die andere Edition spricht für sich: Das Schelf-Eis der Antarktis ließ keinen Fußabdruck zu.

Vermeulen hielt das alles nach. „Einst angelegt zur privaten Dokumentation, sind die Bestandteile des Archivs nun Allgemeingut, die allen Interessierten eine Begegnung mit dem Werk Richard Longs ermöglichen“, sagt Moebus-Puck. Dabei sei eine individuelle, sehr spezielle Sammlung entstanden: „Vermeulen war kein professioneller Kunstsammler, sondern vielmehr Kunstliebhaber oder noch besser gesagt: Richard Long Fan. Als solcher dokumentierte der 1946 in Leeuwarden geborene und 2019 in Nimwegen gestorbene Vermeulen jede einzelne Ausstellung des Künstlers ab 1969, so die Volontärin. Jetzt kann man anhand der gesammelten Dinge nachvollziehen, wie sich das Ausstellen solcher Kunst geändert hat, wie diese Kunst auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagiert, wie sich die Einladungskarten änderten. Und nicht zuletzt hat Vermeulen gar Tütchen mit Schlammproben, aus denen Long seine Wandgemälde machte, mitgebracht. Vermeulen besuchte sonntags regelmäßig den ehemaligen Klever Museumsdirektor Guido de Werd in Nimwegen zum Frühstück, sagt Moebus-Puck. Und dann kam der Nachlass auf persönlichen Wunsch des Sammlers nach Kleve, die Übergabe wurde zusammen mit Vermeulens Schwester organisiert.

Julia Moebus-Puck ist immer dienstags im Kurhaus in ihrer Einrichtung und zum Dialog bereit. Oder man schaut ihr einfach bei ihrer Arbeit zu. Beim Archivieren, Beschreiben, Inventarisieren...

Zu sehen bis 20. November, di bis so 11 bis 17 Uhr.