Kleve: Im Lkw auf Klassenfahrt

Kleve : Im Lkw auf Klassenfahrt

Jakob Boot aus Wissel besuchte ab Herbst 1945 die Rektoratsschule in Kalkar. Da ein Klassenraum fehlte, unterrichtete Französischlehrer Studienrat Knipper die Schüler in seiner Wohnung.

Es ist unglaublich, aber wahr: Den Schülern der Rektoratsschule (Zubringschule) in Kalkar, die Jakob Boot aus Wissel, Amselweg 4, von Herbst 1945 bis Ostern 1949 besuchte, war es in der armen Zeit unter Strafe verboten, das Fahrrad in der Freizeit zu benutzen. Das war nur für den Schulweg erlaubt.

"Ja, unser Rektor Opgenorth fuhr tatsächlich in unsere Dörfer, um zu kontrollieren, ob wir seinen Anweisungen Folge leisteten. Schlimm wäre es gewesen, wenn er einen von uns erwischt hätte, dann hätte es Schläge gegeben, die es damals wegen jeder Kleinigkeit gab", blickt der heute 77-Jährige zurück. Boot wurde 1940 in die Volksschule Wissel eingeschult und besuchte diese bis 1944. Danach gab es kriegsbedingt keinen Unterricht, bis er im Herbst 1945 zur Rektoratsschule nach Kalkar kam, die sich auf der Grabenstraße befand.

Sechs Kilometer zu Fuß

"Mit dem Fahrrad, das Vollgummireifen hatte, ging es zur Schule. Im Winter, wenn der Schnee sehr hoch lag, musste ich sechs Kilometer von Wissel nach Kalkar laufen", erinnert sich der Geschäftsführer des Modehauses in Wissel. In der Schulpause gab es Erbsensuppe oder eine Süßspeisensuppe. Ein Erlebnis war sein erster und letzter Ausflug. Auf einem Lkw mit Anhänger und Holzbänken ging es 1948 in das total zerstörte Köln. Heute unvorstellbar!

Da ein Klassenraum fehlte, unterrichtete der Französischlehrer, Studienrat Knipper, die Schüler in seiner eigenen Wohnung. Acht ehemalige Mitschüler der Rektoratsschule sind inzwischen verstorben.

Von 1949 bis 1951 besuchte Jakob Boot die Handelsschule in Kleve, die sich nach dem Krieg in der ehemaligen Kaserne an der Brabanter Straße befand. Die einzige Klassenfahrt ging nach Bad Neuenahr. "Der Unterricht war mit viel Disziplin verbunden. Wenn jemand gähnte, kam sogleich vom Klassenlehrer die Frage: Hast du Hunger oder Schlaf? Und dann flog der Schlüsselbund von Herrn Angenendt dem Betreffenden an den Kopf", erinnert sich Boot.

Oder wenn einer seine Hausaufgaben nicht gemacht oder sein Lehrbuch vergessen hatte, musste er abends nach 19 Uhr zum Nachsitzen erscheinen, während der Kursus für die Berufsschüler lief. Boot: "Es wurden hohe Leistungen von uns gefordert, aber im Nachhinein hat es niemandem geschadet, im Gegenteil, es war zu unserem Besten."

Später wurden immer wieder Klassentreffen organisiert, zuletzt zur Entlassung vor 55 Jahren in Kalkar. Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland. Jetzt steht das Klassentreffen zum 60. Jubiläum bevor. 13 seiner Mitschüler sind verstorben. Die Lieblingsfächer von Jakob Boot waren in der Rektoratsschule Latein und in der Handelsschule Buchführung, ein Fach, das dem späteren Kaufmann sehr zugute kam.

(stw)
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