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Illegale Zigarettenfabrik in Kranenburg: Bürgermeister Steins war ahnungslos

Kranenburg : Steins war über illegale Zigarettenfabrik ahnungslos

Der Kranenburger Bürgermeister dachte, in der Halle seien Wohnwagen untergebracht gewesen. der Vermieter war der ehemalige Karnevalsprinz Theo Stoffelen.

In direkter Nähe des Ortszentrums von Kranenburg haben Kriminelle fast vier Jahre lang illegal Zigaretten produziert (wir berichteten). Der entscheidende Hinweise zur Ergreifung der Täter kam von der polnischen Polizei. Wie konnten das verbrecherische Treiben am Ort des Geschehens so lange unentdeckt bleiben? Warum wurde niemand misstrauisch? Das haben wir Bürgermeister Günter Steins gefragt.

Steins erkundigte sich auf die Anfrage unserer Redaktion hin am Mittwoch bei Mitarbeitern seiner Verwaltung, was man über die Liegenschaft in dem kleinen, zentrumsnahen Gewerbegebiet weiß. „2017 wurde durch den Eigentümer der Halle ein Gewerbe abgemeldet“, sagt Steins. Er und die Verwaltungsmitarbeiter seien davon ausgegangen, dass die Halle anschließend auch nicht mehr gewerblich genutzt wurde. „Wir dachten, dass in der Halle lediglich Stellplätze zur Unterbringung von Wohnmobilen oder Wohnwagen vermietet wurden“, sagt Steins. Hinweise auf kriminelle Machenschaften in der Halle habe die Verwaltung zu keinem Zeitpunkt erhalten. „Dem wären wir natürlich sofort nachgegangen“, betont Steins.

In der Zigarettenfabrik wurden laut der Zollfahndung in Essen beim Zugriff sechs Tonnen Tabak, Filter- und Zigarettenpapier, Umverpackungen und elf Millionen Zigaretten entdeckt. Zudem verließen 10 Millionen Zigaretten Woche für Woche die Fabrikhalle. So etwas verlangt eine umfangreiche Logistik. Dennoch sei der Verwaltung nie aufgefallen, dass in der Halle jahrelang umfängliches kriminelles geschäftliches Treiben vor sich gegangen ist, so Steins. „In dem kleinen Gewerbegebiet fahren auch regelmäßig Lkw zu anderen Betrieben. Zudem haben die Betreiber der illegalen Zigarettenfabrik die Halle offenbar so gut isoliert, dass nach außen nicht wahrnehmbar war, dass dort etwas produziert wurde“, sagt Steins. Für die kommunale Wirtschaftsförderung – Stichwort Steuereinnahmen – sei die Halle kein Thema gewesen. „Sie ist ja nicht so groß“, findet Steins. Auch der Vermieter der Halle, der ehemalige Kranenburger Karnevalsprinz Theo Stoffelen, war völlig überrascht, als er plötzlich Zollfahnder auf seinem Grundstück erblickte. Das sagte er dem WDR in einem TV-Interview. Er habe erst vom Zoll erfahren, dass dort jahrelang in großem Umfang illegal Zigaretten produziert wurden.