1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Illegale Pilzsammler plündern Reichswald

Kleve : Illegale Pilzsammler plündern Reichswald

Förster Joachim Böhmer schlägt Alarm. Systematisch durchkämmen derzeit Personengruppen sein Revier. Ihre Beute verkaufen sie auf Märkten oder an Lokale. Den Dieben drohen bis zu 10.000 Euro Strafe. Täter zu fassen, ist schwierig.

Der Herbst ist die Zeit der Pilzsammler — auch im Reichswald. Joachim Böhmer, Materborner Revierförster beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW, kennt die Klever, die Jahr für Jahr in seinem Wald auf die Suche nach den schmackhaften Waldfrüchten gehen. "Das sind immer die Gleichen, die Pilze für den Eigenbedarf sammeln. Die wissen genau, dass man Pilze sorgsam abschneiden muss, damit es im nächsten Herbst wieder Pilze gibt", sagt Joachim Böhmer. Dagegen hat der Revierförster nichts einzuwenden — das Sammeln von Pilzen für den Eigenbedarf ist erlaubt.

Doch es gibt auch andere, illegale Pilzsammler, die ihre "Beute" auf Wochenmärkten, an Großhändler und Restaurantbesitzer verkaufen. Bei Preisen von zehn bis 15 Euro für frische Pfifferlinge oder 60 bis 70 Euro für frische Steinpilze lohnt sich die Suche im Wald.

Und so durchkämmen in diesen Tagen nach den Erfahrungen von Joachim Böhmer immer wieder Gruppen von sechs oder acht illegalen Pilzsuchern sein Revier. "Systematisch" gingen sie vor. "Die stellen sich in einer Linie nebeneinander auf, dann geht's los", berichtet der Materborner Revierförster.

Die Kennzeichen der Fahrzeuge, mit denen die Pilzdiebe anreisen, verraten ihre Herkunft. "Sie kommen meist aus dem Ruhrgebiet oder haben osteuropäische Wurzeln", vermutet der Mitarbeiter des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Zudem sind die Kennzeichen für den Förster ein Ansatzpunkt, gemeinsam mit der Polizei die illegalen Sammler und ihre Hintermänner zu ermitteln. Ihnen vor Ort nachzuweisen, dass sie über den Eigenbedarf hinaus Waldfrüchte sammeln, ist meist schwierig. "Entweder machen die sich sofort aus dem Staub oder die sagen 'Nix verstehen' oder behaupten, nur die paar Pilze zu sammeln, die sie gerade in der Plastiktüte haben", berichtet Joachim Böhmer.

Der Schaden, den die Diebe im Wald anrichten, geht weit über die Pilze an sich hinaus. Sammeln im großen Stil kann nach Einschätzung des Materborner Revierförsters für das Ökosystem einen massiven Eingriff bedeuten. "Der Lebensraum zahlreicher Mikroorganismen wird zerstört", sagt Joachim Böhmer. Die Sammeltrupps störten zudem unnötigerweise das Wild. Manchmal mit dramatischen Folgen. So berichtet der Leiter des Regionalforstamtes Niederrhein in Wesel, Otto Pöll, dass am 3. Oktober im Bereich Hünxe vier Hirsche innerhalb von nur 25 Minuten auf Straßen überfahren wurden. "Die sind von Pilzsuchern aufgeschreckt worden — garantiert", meint Otto Pöll.

Den illegalen Pilzsammlern, denen Geldstrafen von bis zu 10 000 Euro drohen, das Handwerk zu legen, ist laut Otto Pöll kaum zu schaffen. "Das ist ein großes Problem", meint der Regionalforstamtsleiter. Zum einen mangele es dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW an Personal, zum anderen seien die Waldgebiete, die man überwachen müsste auch sehr groß.

Dabei hat das illegale Sammeln von Pilzen — nachdem es zuvor kein so großes Problem gewesen sei — in den beiden vergangenen Jahre laut Revierförster Joachim Böhmer wieder zugenommen. Deshalb appelliert der Materborner an Waldbesucher, die Augen aufzuhalten. Wer verdächtige Personen beim Pilzsammeln beobachte, solle per Handy das nächste Revier oder die Polizei alarmieren.

Doch dabei ist Vorsicht geboten. Wie ein Beispiel aus Bad Münstereifel zeigt, kann ein Zusammentreffen mit illegalen Pilzsammlern Risiken bergen. Dort hatten Zeugen einen Revierförster auf vier Männer aufmerksam gemacht, die große Mengen von Steinpilzen gesammelt hatten. Als der Förster die Männer zur Rede stellte, reagierten diese äußerst aggressiv. Einer des Quartetts fuhr mit einem Fahrzeug auf den Förster zu, katapultierte ihn auf die Motorhaube, von wo der Angefahrene zu Boden fiel. Noch während er sich aufrappelte, fuhr der Pilzsammler mit einem Reifen auf die Hand des Försters. Bevor die Situation weiter eskalierte, konnten Polizisten eingreifen.

(RP)