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IHK-Konjunkturumfrage: Industrie am NIederrhein bangt um Lieferketten

Konjunkturumfrage der IHK : Die Industrie boomt, bangt aber um die Lieferketten

In der Industrie laufen die Geschäfte so gut wie zuletzt vor drei Jahren. Ein großes Problem stellen jedoch die Energie- und Rohstoffkosten dar. Auch beim Ausbildungsmarkt sieht es düster aus.

Die Wirtschaft am Niederrhein beweist im Lockdown einen langen Atem. Dabei erlebt die Industrie einen überraschenden Frühjahrsaufschwung. Gleichzeitig treten viele Händler und Dienstleister weiter auf der Stelle. Impffortschritt und sinkende Inzidenzen machen Hoffnung, dass die neuen Öffnungspläne für NRW bald greifen. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Niederrheinischen IHK. 337 Betriebe mit rund 47.000 Beschäftigten haben sich an der Umfrage beteiligt.

 „Die zwei Gesichter unserer Wirtschaft könnten kaum gegensätzlicher sein: Die Industrie boomt und blickt erwartungsvoll in die Zukunft. Daneben fiebern Tourismusbetriebe, Eventbranche und Einzelhändler schnell sinkenden Infektionszahlen entgegen, um wieder durchstarten zu können“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger. Der IHK-Konjunkturklimaindex steigt um 11 Punkte auf 106 Punkte. Der Index fasst Lage und Erwartungen der Unternehmen zusammen. Vor einem Jahr hatte die beginnende Pandemie den Index von 112 auf 71 Punkte einbrechen lassen.

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In der Industrie laufen die Geschäfte so gut wie zuletzt vor drei Jahren. Befeuert wird die Lage vor allem aus dem Ausland: Die Aufträge nehmen deutlich zu, der Absatz steigt. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Rohstoffe, Materialien und Vorprodukte wie Spezialkunststoffe, Holz oder Mikrochips werden knapp. Das gefährdet den Aufschwung. Durch die Engpässe steigen die Preise deutlich, zum Teil steht die Produktion bereits still. Noch nie haben so viele Industriebetriebe die Energie- und Rohstoffkosten als Risiko für ihre Geschäftsentwicklung benannt.

Große Teile des stationären Handels und viele Dienstleister, insbesondere im Freizeit- und Gastronomiebereich, befinden sich nach wie vor in einer schwierigen Lage. Hier hatte sich die Situation nach zähen Monaten und ohne Perspektive immer weiter verschlechtert. Die nun ab dem 15. Mai möglichen Öffnungsphasen geben endlich die Aussicht auf einen Neustart. In der Logistik zeigt sich ebenfalls die Mehrheit unzufrieden. Hier wirkt etwa die Sperrung des Suezkanals von Ende März nach.

Das Kurzarbeitergeld und der hohe Bedarf an Fachkräften haben den Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr stabilisiert. Die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen bleiben insgesamt zurückhaltend. Der Fachkräftemangel ist für 39 Prozent der Betriebe ein wieder steigendes Geschäftsrisiko. Besorgniserregend ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt: Noch nie waren im Mai so viele Lehrstellen für das Ausbildungsjahr frei. „Bewährte Formate wie Schulbesuche und Ausbildungsmessen sind nicht möglich. Die Jugendlichen sind daher deutlich schlechter informiert als in der Vergangenheit“, so Dietzfelbinger. Ein Einstieg in die Ausbildung sei auch kurzfristig möglich. Offene Stellen gibt es in der IHK-Lehrstellebörse.

(RP)