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Niederrhein: "Ich verstehe die Angst vor dem Thema"

Niederrhein : "Ich verstehe die Angst vor dem Thema"

Unterstützt wird das Aktionsbündnis Organspende im Rheinland von drei Bundesligaclubs. Mit dem Sportdirektor von Bayer Leverkusen, Rudi Völler, sprach RP-Redakteur Christian Breuer.

Was bringt ausgerechnet Leverkusen, Köln und Mönchengladbach dazu, an einem Strang zu ziehen?

Rudi Völler Für uns ist das in diesem Fall eine Selbstverständlichkeit. Organspende ist ein sehr wichtiges, aber auch sehr privates Thema. In den Stadien erreichen wir an jedem Wochenende mehr als 100 000 Menschen, die wir mit Bandenwerbung und Flyern auf den Plätzen darauf aufmerksam machen wollen, ohne sie unter Druck zu setzen. Bei so vielen Leuten wird sicher auch welche dabei sein, die den Organspendeausweis dann ausfüllen.

Haben Sie keine Sorge, dass der Ausweis einfach weggeworfen wird?

Völler Man bekommt ja immer mal wieder Werbung, die man dann nicht wirklich beachtet. Ich glaube, bei einem Organspendeausweis ist das etwas anderes. Den hat man in der Hand, und schmeißt ihn dann nicht direkt weg. Vielleicht wird der Ausweis nicht an Ort und Stelle ausgefüllt, aber dann wird er mit nach Hause genommen.

Haben Sie selbst einen Organspendeausweis ausgefüllt?

Völler Ja, ich habe meinen Ausweis heute morgen, zum Start des Aktionsbündnisses ausgefüllt. Ich hatte das eigentlich schon länger vor, aber es dann immer wieder aufgeschoben. Und ehrlich gesagt wusste ich auch nicht, wie einfach das ist. Das habe ich erst bei den Vorbereitungen auf das Aktionsbündnis erfahren. Ich dachte, man muss sich irgendwo registrieren, aber es reicht eine Unterschrift. Einfacher und schneller geht es eigentlich nicht.

Sind Sie mit dem Thema Organspende schon in Berührung gekommen?

Völler Ich habe einen Freund in Rom, der hat in den vergangenen zehn Jahren ein neues Herz, eine neue Leber und eine neue Niere bekommen. Wenn man ihn sieht, dann merkt man das nicht. Er geht nach wie vor zu den Spielen in Rom. (lacht) Und da ist er mit voller Leidenschaft dabei und regt sich gerne auf.

Können Sie die Ängste verstehen, die einige Menschen beim Thema Organspende haben?

Völler Natürlich kann ich das. Im Gegensatz zu den Politikern und Ärzten, die heute zu dieser Veranstaltung gekommen sind, bin ich wie jeder andere Bürger auch ein medizinischer Laie. Ich kenne und verstehe die Nöte und Ängste im Zusammenhang mit der Organspende. Viele Menschen stellens ich die Frage "Was bedeutet das für mich?" und haben vielleicht auch Gewissensbisse. Deshalb ist es so wichtig, dass eine gute Aufklärungsarbeit gemacht wird.

(RP/jul)