HSRW: Ingenieurinnen helfen sich im Studium

Hochschule Rhein-Waal : Der Club der großen Schwestern

Die MINT-Summer School an der Fakultät Technik und Bionik führt Schülerinnen, die MINT-Girls, an technische und naturwissenschaftliche Studiengänge und Berufe heran. Die studentischen Tutorinnen erzählen vom Studium.

Als Phyllis Ndugire in Kleve an der Hochschule Rhein-Waal mit ihrem Maschinenbau-Studium begann, waren zwölf Mädchen aus aller Herren Länder unter den Erstsemestern. Als Ndugire vor dem Abschluss des Bachelor-Studiums stand, waren es noch zwei. „Das sollte aber so nicht sein“, sagte sich die Kenianerin. Phyllis Ndugire rief die „Big Sisters“ ins Leben: „Wir ,großen Schwestern’ helfen den neuen Studentinnen. Wir unterstützen uns alle gegenseitig“, erklärt sie. Zunächst waren es sechs, jetzt sind’s bereits 56 junge Damen aus allen Semestern, die sich der jungen Studentinnen annehmen, ihnen bei den Hürden des Studiums helfen, bei Sprachproblemen, bei sozialen Problemen. Nach dem Bachelor hat Phyllis Ndugire inzwischen auch ihr Master-Studium erfolgreich abgeschlossen. „Dass so viele während des Studiums aufhören, ist inzwischen Vergangenheit“, sagt die Kenianerin rückblickend.

„Jeder achtet auf den anderen. Wir sind eine große Familie in Kleve“, sagt Aya Reza. Die Ägypterin kam nach ihrem Ingenieurstudium in Alexandria zum Masterstudium nach Kleve. Nicht wegen der Sprache („Masterstudiengänge werden an vielen Hochschulen in Englisch angeboten“, sagt sie), sondern wegen der Projekte, an denen hier gearbeitet wird. Die Ingenieurin hat nach dem Masterabschluss in Kleve mit einer Promotion begonnen (die die Hochschule Rhein-Waal in Zusammenarbeit mit der Radboud-Universität in Nimwegen ermöglicht) und ist Mitarbeiterin beim „Mensch-Maschine-Projekt“. Dass Frauen nicht gegen- sondern miteinander arbeiten, dass sie sich gegenseitig helfen, erklären die Studentinnen auch den Schülerinnen aus dem Kreis Kleve, die jetzt bei der MINT-Girls Summer School für das Studium der Ingenieur- und Naturwissenschaft gewonnen werden sollen. Die MINT-Girls wurden vor einigen Jahren von Phyllis Ndugire ins Leben gerufen. Mit Erfolg, wie das Feedback zeigt. In der MINT-Summer School wollen die Frauen von Technik und Bionik ihre Begeisterung fürs Ingenieurwesen, für Mathe, Chemie und Bio weitergeben. „Damit gewinnen wir Mädchen, die nach der Summer School tatsächlich Ingenieurin, die Naturwissenschaftlerin werden wollen. Auch dieses Jahr sind wieder Schülerinnen dabei, die das jetzt machen wollen“, sagt Carla Dias. Die Portugiesin studiert Industrial Engineering und organisiert dieses Jahr die MINT Girls Summer School. Sie ist außerdem zuständig für den Club der Studentinnen in der Fakultät.

Die Schülerinnen bauen derweil ein kleines U-Boot. Sie können das, was vorher theoretisch diskutiert wurde, bauen, anfassen und bewegen. „Wir zeigen ihnen, dass Mathe, wenn man erst einmal Schritt für Schritt dahinter gestiegen ist, eben gar nicht schwer ist“, sagt Paola Wouappi, Maschinenbau-Studentin und Tutorin bei der Summer School. Die Studentin aus Kamerun betont, dass technische Dinge mit all dem zu tun haben, was man im Leben so benutzt. Das beginne schon beim Kugelschreiber, sagt sie. „Wir wollen auch zeigen, dass man das lernen kann, dass man nicht gleich superklug an die Uni kommen muss“, sagt Wouappi.

„Wir vermitteln den Mädchen, dass, wenn sie sich trauen, sie das schaffen“, ergänzt Ndugire. Deshalb sei das Gespräch von Student zu Schüler wichtig. „Und wir zeigen ihnen, dass wir uns alle für Technik begeistern, für die Zukunftsmöglichkeiten, die darin stecken“, sagt Wouappi. Denn: „Frauen müssen nicht automatisch Lehrerin oder Kauffrau werden“, sagt Nathaly Allende, Maschinenbaustudentin und Tutorin bei der Summer School.