Honeybee Industries ist eine Schülergenossenschaft

Serie: Raiffeisen-Jahr 2018: Die bienenfleißige Schülergenossenschaft

In der Serie der Volksbanken an der Niers und Kleverland sowie der Rheinischen Post dreht sich heute alles um Bienen. Die Honeybee Industries in Straelen gibt es seit 2015. Es wird Honig produziert und Naturpflege betrieben.

Es gibt sicher nicht viele Zehntklässler, die von sich sagen können, dass sie Aufsichtsratsvorsitzender sind. Maximilian Hackstetter schon. Er ist Schüler des Städtischen Gymnasiums Straelen und zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt worden. Zu seinen Mitarbeitern, denen also, ohne die nichts läuft, gehören Insekten, besser gesagt: Bienen. „The Honeybee Industries eSG“ heißt die Genossenschaft, die aus der Idee um Lehrer Björn Tischler entstanden ist.

Anna-Lena Sieben, 17 Jahre und Gründungsmitglied, erinnert sich an den Anfang. „Wir wollten nicht nur Theorie, sondern auch die Praxis erleben“, sagt die Schülerin. So stand das Thema Bienen damals in der achten Klasse nicht nur auf dem Lehrplan, mit ihrem Lehrer hatten sie auch einen erfahrenen Imker an ihrer Seite. Für die Gründung einer Schülerfirma, die sich um den Erhalt der Bienen dreht, bestand schnell großes Interesse. „Die Gründung, das war schon eine ernste Angelegenheit, damals bei Landgard in der Versteigerung“, sagt Anna-Lena Sieben beeindruckt von der Größe der Versteigerung. Gegründet wurde Honeybee Industries als Genossenschaft, mit Landgard als starkem Partner.

Florian Doering von der Landgard ist Ausbildungskoordinator und steht den jungen Leuten bei Fragen zur Seite, wenn es etwa darum geht, wie zu einer Generalversammlung eingeladen wird, wie eine Tagesordnung geschrieben werden muss, welche Fristen einzuhalten sind und wer denn durch so eine Generalversammlung führt. Das funktioniert alles genauso, wie bei den „großen Genossenschaften“. „Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten“, sagt Anna-Lena Sieben wie es ist, Teil einer Genossenschaft zu sein. „Ich finde, man lernt Verantwortungsbewusstsein und das bereitet gut fürs Leben vor.“ Die Schüler lernen die Strukturen einer Genossenschaft kennen.

Die 15-jährige Hannah Brüx ist Vorstandsvorsitzende. „Ich kommuniziere mit unserer Lehrerin Frau Janßen, wenn Dinge angeschafft werden müssen“, beschreibt sie eine ihrer Aufgaben. Anne-Maike Janßen führt die Idee von ihrem Vorgänger Björn Tischler weiter. „Sie kann uns mit ihrem Fachwissen unter die Arme greifen“, erklärt Hannah Brüx. Auch als Vorstandsvorsitzende packt Hannah selbst mit an. Das ist auch das Wesen der Genossenschaft: Viele schaffen einfach mehr. „Wenn bei uns was Großes ansteht, wie die Honigernte, helfen alle mit“, sagt Hannah. Und die fiel in diesem Jahr sehr großzügig aus. Über 280 Gläser sind bei der zweiten Ernte in diesem Jahr herausgekommen. „Das sind mehr als die gesamte Ernte im vergangenen Jahr“, sagen die Genossenschaftler freudig. Da waren es bei zwei Ernten zusammen „nur“ 268 Gläser. Eine Gruppe kümmert sich dann um das Marketing des wertvollen Naturprodukts, viele andere um die Bienenpflege. „Wir kontrollieren, ob es den Bienen gut geht, ob keine Varroamilben da sind, die den Bienen schaden können oder etwa die Königin weg ist“, zählt Maximilian Hackstetter wichtige Aufgaben auf.

Angst vor den summenden Insekten hat von ihnen übrigens niemand. Und wenn, wäre das auch nicht weiter schlimm. „Man muss nicht mit zu den Bienen, es gibt so viele andere Aufgaben“, sagt Anna-Lena Sieben. Weil sie nun Oberstufenschülerin ist und sich auf das Abitur vorbereitet, zieht sie sich aus der Arbeit zurück, wie viele andere Gründungsmitglieder auch, die sich nun auf das Abi vorbereiten. „Wir unterstützen immer noch, aber nun übernimmt die nächste Generation“, sagt sie. Dazu gehören zum Beispiel Franziska Aengenendt und Lena Born aus der achten Klasse. Das Interesse an der Mitarbeit ist so groß, dass zum ersten Mal auch schon Fünftklässler in die Arbeit der Genossenschaft und mit den Bienen hineinschnuppern dürfen, erklärt Lehrerin Anne-Maike Janßen.

Jede Woche mittwochs treffen sich alle für zwei Stunden, um alles zu bereden und dann anzupacken. Der Aufsichtsratsvorsitzende Maximilian Hackstetter verrät noch seine ganz persönliche Motivation, warum er mitmacht. „Wir brauchen halt die Bienen. Da ist es gut, sich für sie zu engagieren. Und was ich hier lerne, kann ich später auch privat umsetzen.“ Das erinnert an die Worte, die dem großen Wissenschaftler Albert Einstein zugeschrieben werden. „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Die jungen Imker und Genossenschaftsmitglieder arbeiten dafür, dass es nicht so weit kommt.

„The Honeybee Industries eSG“ ist übrigens schon preisgekrönt. 2017 gab es den IHK-Schulpreis für das Unternehmen. „Ich bin riesig stolz auf euch. In einem so vollen Stundenplan die Arbeit mit den Bienen und für Honeybee Industries unterzubringen, das ist nicht leicht. Ich finde es toll, wie ihr euch für die Natur, die Bienen und die Schule engagiert“, lobte Schulleiterin Heike Hoßbach.

Mehr von RP ONLINE