1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Hörspiel-Premiere in Kleve: Die böse Phantasie zweier Freunde

Kopfkino im Klever Tichelpark : Hörspiel-Premiere in Kleve: Die böse Phantasie zweier Freunde

Daniel Schuster und Sebastian Schminke haben einander im betreuten Wohnen kennengelernt. Sie verstehen sich blind, zudem teilen sie die Passion Hörspiel. Nun haben die Klever selbst ein Solches produziert. Es geht um das Böse.

Daniel Schuster und Sebastian Schminke ergänzen einander perfekt. Der eine vervollständigt die Sätze des anderen, immer wieder lächeln sie einander im Pressegespräch zu. Schuster weiß, was Schminke sagen will – und umgekehrt. Diese Freundschaft war die Grundlage für ein bemerkenswertes künstlerisches Projekt, das am Sonntag, 2. Februar, 12 Uhr, Premiere im Klever Tichel-Park-Kino feiert. Gemeinsam haben Schuster und Schminke ein Hörspiel aufgenommen. Der Titel der Inszenierung: „Der Kampf gegen das Böse“. „Gemeinsam mit meinem Cousin haben wir in unserer Jugend immer Gruselgeschichten erschaffen. Außerdem waren wir die größten Fans von `Die drei Fragezeichen´“, sagt Schuster, der aufgrund einer Autismus-Entwicklungsstörung im betreuten Wohnen lebt. Dort lernte er auch Sebastian Schminke kennen.

Das Hörspielprojekt lief bereits vor einigen Jahren an. Schuster habe seinen Cousin gebeten, Horrorgeschichten von einst aufzuschreiben. Es war der Startschuss für einen Dreiteiler. „Die ersten vier Szenen stammen von meinem Cousin, den Rest des ersten Teils habe ich geschrieben“, sagt Schuster. Mit diesem feierte der 43-Jährige bereits im Jahr 2015 Premiere im „Theater im Fluss“. „Das Hörspiel haben wir damals mit einfachsten Mitteln in unserer Kostümkammer im Theater aufgenommen. Da war viel improvisiert“, sagt Theater- und Kulturpädagoge Harald Kleinecke. Auch für ihn sei das Experiment Neuland gewesen, im Genre „Horror“ fühle er sich bis heute nicht allzu wohl. Und dennoch: Die Leidenschaft des Duos Schuster und Schminke habe er gerne unterstützt. Initiator Schuster verfolgte das Projekt nach der Uraufführung im Theater weiter, schrieb am zweiten Teil seines Stücks, für den dritten Teil stieg Schminke mit ein.

Dann kam den treuen Kinogängern im vergangenen Jahr eine Idee: „Der Kampf gegen das Böse“ müsse ins Kino, müsse in den Tichel-Park. „Es stand das Vorhaben im Raum, einen Film zu drehen. Nach einer ersten Kostenkalkulation hatte sich das aber schnell zerschlagen“, sagt Kino-Chef Reinhard Behrens. Von der Idee eines Hörspiels im Kino sei er allerdings gleich angetan gewesen. „Ich habe die drei CDs auf einer langen Autofahrt von München nach Kleve gehört und war gleich gefesselt“, sagt er. Die Aufnahmen seien äußerst professionell geworden. „Ich bin mir sicher, dass die Bilder, die sonst auf der Leinwand zu sehen sind, nun im Kopf der Zuhörer entstehen“, sagt Behrens. Aufgenommen wurde das dreiteilige Hörspiel in den Studios des Meyerhofs in Kleve. Für die technische Umsetzung zeichnet Marco van Heys verantwortlich. Er sagt: „Daniel und Sebastian haben einen unglaublichen Ehrgeiz an den Tag gelegt, sie waren wahnsinnig akribisch“, sagt er. So unterstützte van Heys das Experiment „Hörspielwerkstatt“ etwa mit dem passenden Raumklang und Stimmverfremdung. Auch für Kleinecke war die Aufnahme eine neue Erfahrung: „Ich bin es vom Theater gewohnt, dass Schauspieler mehrere Rollen besetzen können. Bei einem Hörspiel geht das natürlich nicht, da darf jede Stimme nur einmal auftauchen.“

Im Studio habe man eine kleine Bühne eingerichtet, um das Hörspiel im Theater-Stil einzusprechen. Mitgewirkt haben knapp 30 unterschiedliche Figuren.

Der Plot des Hörspiels: Ein junger Mann rutscht in eine schwere Lebenskrise, verliert seine Frau, die Arbeit und verkauft seine Seele zusehends an den Alkohol. „Er fühlt sich, als sei er nichts mehr wert“, sagt der 36-jährige Schmitz. Dann aber öffnet sich ihm in Folge eines schmerzhaften Sturzes eine neue Welt, in der eine alte Frau ihn dazu auffordert, die Welt vor dem Bösen zu retten. Der Protagonist nimmt die Herausforderung an und setzt alles daran, das Gute auf dem irdischen Planeten zu beschützen.

„Entstanden ist ein besonderes Werk, das viele Zuhörer verdient hat“, sagt Reinhard Behrens. Allerdings auch ein blutrünstiges Werk voller schauriger Szenen. Doch das Böse scheint Schmitz und Schminke regelrecht anzuziehen. Auf die Frage, wie gerne sie zusammen Horrorfilme schauen, lachen beide schelmisch. „Die können für uns eigentlich nicht blutig genug sein“, sagt Schminke.