Kleve: Hochschule untersucht Beuys-Bilder

Kleve : Hochschule untersucht Beuys-Bilder

Die Zukunftswerkstatt von Volksbank Kleverland und Rheinische Post brachte sie zusammen: Hochschule, Moyland und Spectro machten ein Projekt daraus: Ole Valler schrieb Bachelorarbeit über die Braunkreuzfarbe von Joseph Beuys.

Beuys braune Farbe ist bekannt — aber wie der Weltkünstler sie gemischt hat, woraus sie besteht, wusste man nicht. Bis jetzt. Denn in einem gemeinsamen Projekt haben die Hochschule Rhein-Waal, das Klever Unternehmen Spectro und Museum Schloss Moyland Kunstwerke von Beuys untersucht. Ole Valler, der an der Hochschule Rhein-Waal Bio Science and Health studierte, schrieb schließlich seine Bachelor-Arbeit über das Projekt. Er fand heraus, dass Beuys' Braunkreuzfarbe aus einem Rostschutzmittel besteht, dass der Künstler Eisen, Zink und Chrom zugemischt hat und dass die rot-braune Farbe, die an getrocknetes Blut erinnert, auf den Multiples eine andere ist, als auf den großen Werken.

"Wir haben jetzt einen Fingerabdruck der Braunkreuzfarbe, die Beuys benutzt hat. Das hat einen hohen analytischen Wert: Die angewandte Röntgenfluoreszenzanalyse garantiert eine berührungsfreie Untersuchung der Kunstwerke, das entsprechende Analysegerät misst in einem Abstand von einem Millimeter mit elektromagnetischer Strahlung die Elemente der verwandten Farbe und liefert exakte Datensätze über deren Zusammensetzung", sagt Prof. Peter Scholz, Vizepräsident für Forschung der Hochschule Rhein Waal. Scholz hat das Projekt an der Hochschule betreut. Die Hochschule zeige damit wieder auf, wie sie interdisziplinär in Kooperation mit regionalen Wirtschaftsunternehmen arbeitet.

Für seine Untersuchungen hat Valler auch die kunsthistorischen Hintergründe der Arbeit von Beuys recherchiert und mit Zeitzeugen gesprochen. Das Hauptaugenmerk lag aber schließlich auf der Analyse der Farbe. Dazu stellte die Klever Firma Spectro ein Handspectrometer zur Verfügung. Das Handspectrometer sieht aus, wie eine Laserpistole zur Geschwindigkeitsmessung. Doch diese "Pistole" schießt Röntgenstrahlen auf die zu untersuchenden Materialen ab, aus deren "Echo" man die Zusammensetzung dieses Materials analysieren kann, erklärten Spectro-Prokurist Michael Privik und Volker Hückelkamp, Physiker bei Spectro. Das Gerät sei so gesichert, dass die Strahlung für den Untersuchenden nicht gefährlich werden kann. Damit Valler bei seinen Untersuchungen nicht näher als einen Millimeter an die Kunstwerke herankommt, wird für diese Messung ein "Museums-Adapter" eingesetzt. Denn Spectro hat die Nische erkannt, die sich für diese Geräte auch im musealen Bereich auftut. Das Gros der Spectrometer wird zur Metallanalyse eingesetzt.

Valler konnte mit dieser Untersuchungsmethode auch nachweisen, wo und wie an den verschiedenen Werken restauriert wurde. Die Methode kann auch Schutz vor Fälschung bieten: Die Braunkreuzfarbe ist jetzt durch die Bachelor-Arbeit von Ole Vallen, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Chemie in unserer Zeit" veröffentlicht werden, katalogisiert. Valler bleibt der Hochschule Rhein-Waal treu: Er studiert dort in den Masterstudiengang Bionik. Angestoßen wurde das Projekt vor zwei Jahren auf einer Zukunftswerkstatt von Volksbank Kleverland und RP, als unter anderen Moylands künstlerische Direktorin Bettina Paust, Scholz und Spectro-Geschäftsführer Manfred Bergsch zum Thema "Kleve als Wissenschaftsstandort" diskutierten.

(RP)
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