10.000 Euro Preisgeld Hochschule Rhein-Waal zeichnet herausragende Wissenschaftler aus

Kleve · An der Hochschule Rhein-Waal wurden die jeweils mit 10.000 Euro dotierten Preise für Forschung- und Transfer verliehen. Wer die Preisträger sind – und was hinter ihren Projekten steckt.

Forschungspreisträger Conor Watson mit Hochschulpräsident Oliver Locker-Grütjen und Peter Kisters, Vizepräsident für Forschung, Innovation und Transfer (von links).

Forschungspreisträger Conor Watson mit Hochschulpräsident Oliver Locker-Grütjen und Peter Kisters, Vizepräsident für Forschung, Innovation und Transfer (von links).

Foto: HSRW

Wissenschaftlicher Diskurs, Ehrungen für das Engagement in der Forschung, aber auch informeller Austausch und Netzwerken – beim Forschungs- und Transfertag auf dem Klever Campus der Hochschule Rhein-Waal wurden herausragende Aktivitäten der letzten zwei Jahre vorgestellt. Am Abend hielt Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen die Festrede bei der diesjährigen akademischen Jahresfeier und wandte sich der Zukunft der Land- und Forstwirtschaft in Nordrhein-Westfalen zu. An der Veranstaltung, die das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellte, nahmen nahezu 300 Hochschulangehörige, Freunde und Förderer sowie regionale Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft teil. Höhepunkt waren die Verleihungen des Forschungspreises an Conor Watson und des Transferpreises an Roland Schmetz. Beide Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert und zweckgebunden. Das Preisgeld soll den Wissenschaftlern als Investition für weitere Forschungsaktivitäten in ihren Bereichen dienen.

Den Forschungspreis erhielt Conor Watson, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Gartenbau, Agrar- und Umweltwissenschaften an der Fakultät Life Sciences. Er wurde für seine Forschung zur Insektenzucht als Teil der Kreislaufwirtschaft ausgezeichnet. Die Nachfrage nach erschwinglichem, hochwertigem Eiweiß wird in den nächsten Jahren steigen, wenn eine wachsende Weltbevölkerung von bald etwa zehn Milliarden Menschen ernährt werden muss. Durch den Klimawandel können Fleischverzehr und Viehzucht wie im bisherigen Maße nicht die Antwort darauf sein. Watsons Arbeit konzentriert sich darauf, Herausforderungen durch die Wiederverwertung von Lebensmittelabfällen mithilfe von Insektenlarven zu lösen: Die Produktion von Insektenlarven durch die Verwendung ihres Nebenprodukts Frass (eine aus Exkrementen, abgeworfenen Skeletten und unverdautem Substrat) kann als billiger organischer Dünger zu einer abfallfreien Industrie werden. Dieser Ansatz ermöglicht nicht nur die Reduzierung von Abfall, sondern liefert auch hochwertiges Protein mit geringeren Umweltauswirkungen im Vergleich zur konventionellen Viehzucht, erhöht die Proteinkonzentration im Boden und kann von Pflanzen aufgenommen werden, die den menschlichen Körper bei der Nahrungsaufnahme wiederum mit einem höheren Eiweißgehalt versorgen. Die Forschungsergebnisse von Watson tragen dazu bei, eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern und den ökologischen Fußabdruck der intensiven Landwirtschaft zu verringern.

 Transferpreisträger Roland Schmetz mit seiner Auszeichnung.

Transferpreisträger Roland Schmetz mit seiner Auszeichnung.

Foto: HSRW

Der Transferpreis ging an Roland Schmetz, Professor für Antriebstechnik, insbesondere Leistungselektronik, an der Fakultät Technologie und Bionik. Er wurde für seinen Vorschlag zur Elektrifizierung der Bahnanbindung und Umstellung des Niederrhein-Münsterland-Netzes auf batterie-elektrische Züge ausgezeichnet. Sein Vorschlag zeigt das Potenzial, den öffentlichen Nahverkehr nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten. Durch die Elektrifizierung und den Einsatz batterie-elektrischer Triebzüge können Energie und Kohlendioxidemissionen eingespart werden.

Sein Engagement und seine Erfolge machen deutlich, wie Forschung und Transfer Hand in Hand gehen können, um einen konkreten Beitrag zur Nachhaltigkeit im Verkehrssektor zu leisten. „Eine Hochschule generiert Wissen. Eine Hochschule hat aber auch die Verantwortung, dieses Wissen aus der Institution in die Gesellschaft und Wirtschaft herauszutragen. Nur wenn wir diese Aufgabe erfüllen, können wir zu Veränderung in der Region, aber auch global beitragen. Der Transferpreis soll genau diesen Effekt sichtbar machen und honorieren“, sagte Peter Kisters, HSRW-Vizepräsident für Forschung, Innovation und Transfer.

 NRW-Ministerin Silke Gorißen bei der akademischen Jahresfeier.

NRW-Ministerin Silke Gorißen bei der akademischen Jahresfeier.

Foto: HSRW

Um gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit auf Landesebene ging es auch in der Rede von Silke Gorißen, NRW-Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die aktuellen ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen in Landwirtschaft und Klimaschutz stellte sie in einen historischen Kontext und ging darauf ein, dass der Nachhaltigkeitsgedanke schon seit Jahrhunderten in der Landwirtschaft fest verankert sei, um die Versorgung der Menschen mit Nahrung zu sichern.

Auch heute sei eine nachhaltige und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft wichtig – besonders im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit von Landwirtschaftsbetrieben. Hierbei dürfe laut Gorißen die Landwirtschaft nicht alleine gelassen werden. Allein in Nordrhein-Westfalen seien über 30.000 Betriebe mit einem jährlichen Produktionswert von mehr als sieben Milliarden Euro aktiv. Damit gehöre die Branche zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen und größten Arbeitgebern Nordrhein-Westfalens.

Die Landwirtschaft sorge mit ihrer Arbeit auf den Höfen zu Beginn der Lebensmittelkette dafür, dass die Menschen ausreichend mit Nahrung, sicher und in bester Qualität versorgt werden. Deshalb setze sich das Ministerium für mehr Planungssicherheit für die Landwirtschaft ein und für stabile Rahmenbedingungen, um den bäuerlichen Betrieben in Nordrhein-Westfalen eine gute Zukunftsperspektive zu geben.

Auch in dem Vortrag von Brigitte Spieß, Leiterin des Instituts für Nachhaltige Transformation und Professorin an der International School of Management in Berlin, zur Eröffnung des Forschungs- und Transfertages ging es um die Machbarkeit eines nachhaltigen Wandels im Angesicht von multiplen Krisen und sozialer Gerechtigkeit: Dies sei nur möglich auf sozial gerechte Art und Weise zum Wohle aller Menschen – und gleichzeitig mit ökonomischem Erfolg. Was auf den ersten Blick wie eine Utopie klinge, nehme alle in die Pflicht: Es gelte, Kreativität und Mut zu finden, um diese Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen. „Das ist eine Verantwortung, die wir nicht delegieren können“, so Spieß.

HSRW-Präsident Oliver Locker-Grütjen pflichtet beiden Vortragenden bei: Er sieht jeden einzelnen in der Verantwortung, aber die Hochschulen für angewandte Wissenschaften in einer besonderen Schlüsselposition: „Stillstand ist Rückschritt. Wir müssen uns nach vorne bewegen, um in eine erfolgreiche Zukunft zu gelangen. Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, Antidemokratisierungstendenzen, der Klimawandel und nicht zuletzt die ganzheitliche Transformationsnotwendigkeit – wir befinden uns in einem tiefgehenden Wandel“, sagte er. Die hohe Kunst bestehe darin, aus diesem Wandel erfolgreich hervorzugehen. Genau für diese Fähigkeit, mit Innovation und Gestaltungswillen auf sich verändernde Bedingungen zu reagieren, stehen Hochschulen für angewandte Wissenschaften wie die HSRW.