Hochschule Rhein-Waal: Präsident Oliver Locker-Grütjen nimmt Arbeit auf

Hochschule Rhein Waal : Der Präsident als „Ermöglicher“

Der neue Präsident der Hochschule Rhein-Waal, Oliver Locker-Grütjen, setzt auf die Wertschätzung der motivierten Mannschaft und Ausgründungen. Die HSRW soll sich als forschende Hochschule etablieren.

Die Hochschule Rhein-Waal soll sich als forschende Hochschule weiter etablieren und soll über ihre Forschungsergebnisse noch bekannter werden. Ausgründungen sollen das Erforschte in die Tat umsetzen, die Innovationen hinaus tragen und in der Region verankern. Im Idealfall sollen sich diese Ausgründungen von Kamp-Lintfort bis Kleve als ein „Silikon-Waal(y)“ präsentieren.

Der neue Präsident der Hochschule Rhein-Waal, Oliver Locker-Grütjen, der von der Uni Duisburg-Essen nach Kleve gekommen ist, stellte seine Pläne für die Zukunft der Hochschule vor. Er sehe sich in der Rolle des „Ermöglichers“, wie ihn vor kurzem das Magazin für Wissenschaft und Management „DUZ“ titulierte. Locker-Grütjen sieht sich im Team mit Kanzler Michael Strotkemper und drei Vizepräsidenten. Die Vizepräsidenten werden auf der Hochschulwahlversammlung am 2. Juli, 17 Uhr, in Kleve gewählt. Drei Kernthemen bilden die von ihm neu geschnittenen Vizepräsidien ab: „Studium und Lehre“, „Forschung, Innovation und Wissenstransfer“ sowie „Internationales und Diversität“. Er rechne fest damit, sagt er selbstbewusst, dass er die Hochschule weiter in die Erfolgsspur setze und sich in sechs Jahren zur Wiederwahl stellen werde.

Vier Tage ist der neue Präsident im Amt, die Umzugskisten stehen noch in seinem Büro. Auf dem Tisch ein Mac-Computer mit flacher Tastatur, die Tageszeitungen, Figuren aus Sambia, wo er für seine Diplomarbeit unterwegs war, und nicht zuletzt Bilder von seiner Frau und den drei Kindern („Zwei Mädchen und ein Junge“, sagt er). Aus einem der Umzugskartons holt er, ganz Akademiker, seinen ständigen Begleiter heraus, der auch in Duisburg schon dabei war: Ein schwerer Foliant. Laurentius Beyerlinks Enzyklopädie aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert, die vom Theater, von den Dingen des menschlichen Lebens erzählt. Sieben Bände hat das gute Stück und alle sieben werden ein Regal neben seinem Schreibtisch zieren. Alte Bücher seien sein Hobby, sagt er. In den kommenden Jahren wird das Theater der HSRW im Mittelpunkt stehen. Der 48-Jährige möchte für den Bereich „Lehre und Forschung“ eine bessere Eingangsphase für die Studierenden erreichen. Ebenso soll die Abschlussphase des Studiums besser vorbereitet werden.

Man wolle daran arbeiten, dass mehr, auch ausländische, Studierende, in der Region gehalten werden. Deutlich verbessert werden soll der Wissenstransfer in die Region, der schon früh angegangen werden soll. Euregional möchte er die HSRW mehr mit den Hochschulen und Universitäten jenseits der Grenze vernetzen und strebt binationale Studiengänge an. Man werde die Niederländer kaum in großen Gruppen für ein Studium in Deutschland begeistern können, aber man könne nicht wenige durch feine Masterstudiengänge locken.

Dem Land will er beweisen, dass die HSRW zu den forschungsstarken Hochschulen zählt und deshalb entsprechend gefördert wird. „Wir haben in allen Fakultäten forschungsstarke Kollegen“, sagt er auf Nachfrage. Als Beispiele nannte er für Kleve die Forschungen von Prof. William Megill, für Kamp-Lintfort das FabLab. Beide seien schon jetzt weit über die Region hinaus bekannt. Zudem werde die Hochschule beweisen, dass sie diejenige in der Region ist, die für neuen Schub durch Ausgründungen sorgt. „Da können wir punkten“, sagt er. Man werde ein Konzept für Ausgründungen ausarbeiten, die den zuständigen Wirtschafts- und Innovationsminister überzeugen werden. Er setze da auch auf die ausländischen Studierenden, die man ermutigen müsse, in der Region ihre Ausgründungen zu machen.

Auf die vorausgegangenen Querelen an der Hochschule angesprochen, sagte Locker-Grütjen, dass er nach vorne schaue. Er setze auf die Wertschätzung aller Mitarbeiter, die vielleicht in Teilen zu kurz gekommen sei, auf die Arbeit in einem hochmotivierten Team. „Die Motivation, diese Hochschule weiter nach vorne bringen zu wollen, ist bei allen Mitarbeiren, den Profs, den Studierenden und der Verwaltung spürbar. Man muss sich immer vergegenwärtigen, dass die HSRW von allen Mitgliedern der Hochschule getragen wird“, sagt er.

In Zeiten nationaler Abschottung sei es gut, dass die Hochschule sich als Ort der Offenheit und Vielfalt präsentiere

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