Hochschule Rhein-Waal Campus Cleve zeichnet Klever Hilfe für die Ukraine aus

Kleve · Die Hochschule Rhein-Waal unterstützt ihre Partner-Hochschulen in der Ukraine. Die Klever wollen dazu beitragen, dass die Wissenschaft dort eine Zukunft hat. Sie erfahren auch von tragischen Schicksalen.

 Campus-Cleve-Vorsitzender Robert Beinio, die Preisträger Philipp Schorn, Tatiana Zimenkova, Joachim Fensterle, Gregor van der Beek sowie Campus-Geschäftsführerin Brigitte Jansen und Irina Tönnißen (v.l.).

Campus-Cleve-Vorsitzender Robert Beinio, die Preisträger Philipp Schorn, Tatiana Zimenkova, Joachim Fensterle, Gregor van der Beek sowie Campus-Geschäftsführerin Brigitte Jansen und Irina Tönnißen (v.l.).

Foto: Markus van Offern

Die Universitäten sind schwer getroffen oder zerstört, statt Seminararbeiten bedecken herausgebrochene Wandstücke und Mörtelstaub die Schreibtische, die Bücher sind aus den Regalen gekippt, die Labore zerstört. So zeigen es Bilder aus der einstigen Studentenhauptstadt der Ukraine, Charkiw.

Doch die Wissenschaft liegt nicht am Boden, Lehre und Forschung gehen weiter. Auch Dank der Hilfe aus Deutschland. Unmittelbar nach Kriegsbeginn nahm die Hochschule Rhein-Waal (HSRW) Kontakt zu ihren Partnerhochschulen in Charkiw auf. Für die HSRW wurde Charkiw zum Projekt, ihren wissenschaftlichen Partnern in dem von Russland mit Krieg überzogenen Land zu unterstützen. Projektleiterin wurde HSRW-Vizepräsidentin Tatiana Zimenkova. „Das Projekt hat seine Ziele – Kontinuität der Lehre an den beiden Partnerhochschulen, weitere Entwicklung der digitalen Angebote, Einbindung und Unterstützung der Lehrenden aus der Ukraine sowie Schaffung der Perspektiven für die Zukunft – erreicht“, sagt Prof. Oliver Locker-Grütjen, Präsident der Hochschule Rhein-Waal. Die HSRW stellte Studienplätze zur Verfügung, es gibt Laborkapazitäten und die Lehre wird in die Luftschutzbunker getragen.

Jetzt hat der Förderverein Campus Cleve vier Professoren der Hochschule mit dem Social Media Award 2023 für diese Arbeit, für ihre Sorge und ihre mitmenschliche Hilfe für die Kollegen aus Charkiw ausgezeichnet: Die Vizepräsidentin für Internationalität, Prof. Tatiana Zimenkova, die Professoren Philipp Schorn, Joachim Fensterle und Gergor van der Beeck sind die Preisträger.

Sie haben zunächst einfach zupackende Hilfe geleistet: Joachim Fensterle beispielsweise fuhr nach Dortmund, wo man sich am Bahnhof traf. dabei waren die Flüchtenden mit dem Bus eine Stunde früher in Dortmund als er, sein Zug hatte nämlich eine Stunde Verspätung. Und man musste mit dem Taxi dann nach Kleve zurück, weil ein weiterer Zug ausgefallen war, erinnert sich der Professor für Biotechnologie und Bio-Engineering bei der Übergabe des Preises im Hörsaal 5. Schorn erklärte, wie man sich mit dem deutschen Behördenrecht auseinandersetzte und wie man bald überzeugt war: „Unsere Hochschule wird an diesem Projekt mitwachsen“.

Lehrende und Studierende wurden eingebunden – sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine. „In unserem Fall konnte die HSRW mit den beiden Partnerhochschulen Perspektiven zusammen entwickeln: Für die inhaltlichen Bereiche der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie soll nun eine Unterstützung der Charkiv Polytechnic Institute in ihrer Expertise in Forschung und Lehre im Bereich ‚Wiederaufbau‘ stattfinden. Konkret heißt es, dass die Studierenden der Charkiv Polytechnic Institute nun die Möglichkeit erhalten sollen, mit Unterstützung der HSRW ihre Fokussierung und Future Skills in ihren Lernbereich auf den Wiederaufbau und post-war-conditions zu konzentrieren“, erklärt Locker-Grütjen.

Für die Fakultät Life Sciences der HSRW und die Partnerhochschule Biotechnological University gehe es primär darum, die Weiterentwicklung in hybriden und digitalen Lernformaten im Bereich der Praktika und die nachhaltige Bildung im naturwissenschaftlichen Bereich vor Ort in der Ukraine zu ermöglichen. Durch die Einstellung einer Wissenschaftlerin aus dem Charkiw Polytechnic Institute, Natalya Shiriaieva war ein intensiver Kontakt zu den beiden Hochschulen gesichert, so der Präsident.

Die Zukunft ist greifbar. Doch noch tobt der Krieg mit ganzer Brutalität: „Eine unserer Studentinnen ist bei einem Bombenangriff getötet worden“, sagt der Präsident. Der Krieg kam so gefühlt noch näher an die Hochschule in Kleve.