Hochschule Rhein-Waal: Doch kein Rücktritt von Naderer

Heide Naderer : Rücktritt vom Rücktritt

Die Personalquerelen an der Hochschule Rhein-Waal haben eine Wende genommen: Heide Naderer hat ihr Rücktrittsangebot offiziell zurückgezogen. Nun ist Vizepräsident Hauck zurückgetreten. Präsidium soll umgebaut werden.

Könnte ein Seismograph messen, was sich derzeit in der Führungsriege der Hochschule Rhein-Waal abspielt, er käme wohl nicht mehr zur Ruhe. Denn was sich nun, drei Monate nach dem Rücktrittsangebot von Präsidentin Heide Naderer, zuträgt, ist nicht mehr als Nachbeben zu bezeichnen. Es ist eine vollkommen neue Erschütterung, eine Wende in den Personalquerelen, die so wohl nur wenige haben kommen sehen.

Die Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal, Heide Naderer, hat am Dienstag die Hochschule und deren Gremien darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie das im Frühjahr gemachte Rücktrittsangebot mit sofortiger Wirkung zurückzieht. Wie die Hochschule schriftlich mitteilte, begründet Naderer diesen Schritt mit den Diskussionen der vergangenen Wochen. Darin sei eine große Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklungen der Hochschule zum Ausdruck gekommen. Außerdem sei „an vielen Stellen innerhalb der Hochschule der Wunsch nach personeller Kontinuität an der Spitze geäußert worden.“ Das wohlgemerkt, obwohl sie ihren Rückzug vor drei Monaten noch damit begründet hat, keine Basis mehr für eine sachliche Auseinandersetzung zu sehen. „Das macht mir die Arbeit fast unmöglich“, sagte sie damals. Zugleich hatte die Präsidentin im April erklärt, dass sie weder die Gruppe, die sie kritisiere, noch die Gründe kenne. Es sei eben alles anonym gewesen. Es gehe wohl, so Naderer damals auf Nachfrage aus dem Gremium, um Forschungsgelder, Stellenbesetzungen, Untätigkeiten des Präsidiums. Zumindest letzteres soll nun grundlegend umgebaut werden.

Denn wie mit der schriftlichen Erklärung vom Dienstagmorgen gleichzeitig bekannt wurde, ist Georg Hauck in der vergangenen Woche von seinem Amt als Vizepräsident für Personal- und Organisationsentwicklung zurückgetreten. Das nimmt Naderer nun zum Anlass „eine Neuaufstellung des Präsidiums in Angriff zu nehmen.“ Ziel sei es, „die Vielfalt der Kompetenzen und Meinungen an der Hochschule in dem Gremium adäquat abzubilden“, wie es heißt. Dies sei in der derzeitigen Zusammensetzung so nicht möglich gewesen.

Ein Blick aufs fünfköpfige Präsidium zeigt, welche Stellen Naderer umbauen möchte: Zur zentralen Leitung der Hochschule zählt neben der Präsidentin selbst und dem nun zurückgetretenen Hauck auch der frisch auf acht Jahre gewählte Kanzler Michael Strotkämper. Bleiben also noch zwei Stellen: der Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer, Jens Gebauer, und die Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Weiterbildung, Marion Halfmann. Wie sehr es an der HSRW brodelt, zeigt auch, dass in Hochschulkreisen kolportiert wird, Teile des Präsidiums hätten erst durch eine E-Mail an die Hochschul-Mitarbeiter von den Plänen Naderers zum Umbau eben jenes Präsidiums erfahren.

In der offiziellen Erklärung indes spricht die Präsidentin von großem Rückhalt. „Als Präsidentin der Hochschule habe ich in den vergangenen Wochen reichlich Ermutigung erfahren, die weitere Hochschulentwicklung gemeinsam mit allen Hochschulangehörigen anzugehen. An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich für die erfahrene Bestärkung in meiner weiteren Amtsführung bedanken“, heißt es dort. Den Rücktritt von Vizepräsident Hauck bedauere sie demnach sehr. „Da ich in den vergangenen Jahren vertrauensvoll mit ihm zusammenarbeiten konnte und ihn auch persönlich sehr schätze.“

Die Stellungnahme endet mit einer Einladung der Präsidentin zur gemeinsamen weiteren Gestaltung der Zukunft, insbesondere an diejenigen, „die sich augenblicklich noch nicht angemessen einbezogen fühlen.“ Naderer: „Ich bin davon überzeugt, dass die Hochschule die in den vergangenen Wochen identifizierten Aufgaben auf konstruktivem Wege und gemeinsam lösen muss. Daher freue ich mich, an diesem Prozess zusammen mit allen Gremien der Hochschule verantwortlich mitwirken zu können.“

Zu diesen Gremien gehört auch der Hochschulrat, dem die Aufsicht über die Geschäftsführung des Präsidiums obliegt. Dieser hatte am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion mitgeteilt, dass es noch keine Lösung im Umgang mit dem Rücktrittsangebot der Präsidentin gebe. Verhandlungen über eine neue Stelle innerhalb der Hochschule seien nicht erfolgreich gewesen. So oder so hatte sich der Rat schon entschieden, seine nächste Sitzung vorzuziehen. Dabei dürfte es auch nach der Wende von Dienstag bleiben.

Heide Naderer war im November 2014 knapp mit zehn zu neun Stimmen vom Senat der Hochschule zur Nachfolgering von Marie-Louise Klotz gewählt worden. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre. Damit hätte sie noch gute zweieinhalb Jahre bis zur nächsten Wahl, wenn es nicht erneut eine Wende gibt.

Wie einen Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt.

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