Kleve Hitzewarnung für Altenheime in Kleve

Kleve · Die seit Tagen anhaltende Hitze mit mehr als 30 Grad Celsius belastet viele körperlich – vor allem die Bewohner von Seniorenheimen. Viele Träger haben entsprechende Notfall-Pläne, um die hohen Temperaturen erträglich zu machen.

 Ein Ausflug im Schatten einer Allee, dazu gekühlte Getränke – so können diese Bewohner von "Burg Ranzow, begleitet von einigen Pflegerinnen, die Hitze einigermaßen ertragen.

Ein Ausflug im Schatten einer Allee, dazu gekühlte Getränke – so können diese Bewohner von "Burg Ranzow, begleitet von einigen Pflegerinnen, die Hitze einigermaßen ertragen.

Foto: Gottfried Evers

Die seit Tagen anhaltende Hitze mit mehr als 30 Grad Celsius belastet viele körperlich — vor allem die Bewohner von Seniorenheimen. Viele Träger haben entsprechende Notfall-Pläne, um die hohen Temperaturen erträglich zu machen.

Besonders hektisch geht es in diesen Tagen in der Leitstelle der Klever Feuerwehr zu. Immer wieder werden Rettungsdienst und Notarzt alarmiert, weil Menschen wegen der Hitze Kreislaufprobleme haben. "Die Zahl der Fälle, in denen der Rettungswagen ausrücken muss, weil jemand wegen der extremen Temperaturen zusammenklappt, ist derzeit sehr hoch", bestätigt ein Sprecher der Feuerwehr.

Eine Hitzewarnung hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Freiburg am Dienstag am zweiten Tag in Folge für den Klever Raum herausgegeben. Derartige Alarmierungen versenden die Meteorologen seit 2004. Nachdem im Jahr zuvor während einer Hitzewelle wegen der hohen Temperaturen etwa 3500 Menschen in Deutschland gestorben waren, hatte man das Alarmierungssystem entwickelt und erst als Pilotprojekt in Hessen getestet. Seit 2006 werden die Hitzewarnungen auch nach NRW geschickt, an das Landeszentrum Gesundheit in Bielefeld. Dieses leitet die Warnungen an örtliche Gesundheitsämter weiter. Der Kreis Kleve erhält die Nachrichten nach Angaben eines Sprechers nicht.

Die Warnungen werden in einer ersten Stufe (ab gefühlten 32 Grad Celsius) und einer zweiten Stufe (ab gefühlten 38 Grad Celsius) ausgesprochen. Mehrere Bundesländer haben zudem Handlungsanweisungen erarbeitet, die nach einer Hitzewarnung von Altenheimen beachtet werden müssen. In NRW ist dieses System nicht verbindlich. Altenheime können den Dienst der Meteorologen kostenlos anfordern. Laut einer Sprecherin des DWD nutzen in NRW bislang nur 144 soziale Einrichtungen wie Seniorenheime oder Caritas-Verbände diesen Service.

Die Betreiber der Klever Altenheime wissen teilweise gar nicht von der Existenz des Hitzewarn-Services. Mancher hält den Dienst auch nicht für unbedingt notwendig. "Wir merken ja selber, wenn es für die Senioren zu heiß wird, und haben dann Konzepte, wie wir es den Bewohnern leichter machen können, mit der Hitze zurecht zu kommen", sagt Christoph Krebber, Pflegedienstleiter in der "Seniorenresidenz zum Tiergarten". In dem privat geführten Heim kann beispielsweise mit Hilfe der Fußbodenheizung die Raumtemperatur um drei Grad Celsius abgesenkt werden. Zudem achten die Mitarbeiter darauf, dass sich die 56 Bewohner möglichst in den kühleren Räumen und nicht hinter den großen Glasfassaden aufhalten.

Im Seniorenhaus "Burg Ranzow" haben die Träger (Cellitinnen) einen eigenen Qualitätsstandard entwickelt, der bei längeren Hitzeperioden beachtet wird. Dazu gehört dicke Bettdecken durch dünne Laken zu ersetzen, Ventilatoren aufzustellen, Fenster zu verdunkeln und im Außenbereich des Seniorenhauses für zusätzlichen Schatten zu sorgen. "Auch die Ernährung passen wir an", sagt Pflegedienstleiterin Hanna Klosek. So werden vermehrt Obstsalate und andere wasserreiche Speisen den 60 Bewohnern serviert. Selbstverständlich ständen für die Senioren auch genügend gekühlte Getränke bereit. "Genug zu trinken, ist grundsätzlich für ältere Menschen sehr wichtig. Das wird auch genau protokolliert", versichert die Pflegedienstleiterin. Ähnliche Maßnahmen werden im Altenpflegeheim Herz-Jesu-Kloster ergriffen. Bettlägerigen Bewohnern wird dort — ebenso wie in anderen Heimen — regelmäßig mit Hilfe nasser Waschlappen Abkühlung verschafft.

Zwar leiden ältere Menschen besonders unter Hitze, aber der Sprecher der Klever Feuerwehr betont, dass bei der hohen Zahl der Hitze-Einsätze der Notarzt nicht nur zu älteren Patienten gerufen wird. "Auch jüngere Menschen kollabieren bei dem Wetter. Oft kommt zur Hitzebelastung noch eine unvernünftig hohe körperliche Belastung oder zu starker Alkoholkonsum."

Auch für Mittwoch sagt der DWD für den Klever Raum Temperaturen von gefühlten 34 Grad Celsius voraus — die Hitzewarnung gilt weiter.

(RP)
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