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Kleve: Hitler auf der Klever Stadthallenbühne

Kleve : Hitler auf der Klever Stadthallenbühne

Sturm Friederike hat ihn noch verhindert, jetzt kommt er am 29. Mai im Stück "Er ist wieder da".

Er wacht an einem völlig unschuldigen Sommertag 2011 mitten in Berlin auf und erkennt nichts wieder. Er macht sich auf den Weg, etwas Vertrautes zu finden und verwirrt sich immer mehr. Dass ihn junge Leute nicht erkennen, irritiert ihn stark, als er sich nach dem Weg zur Reichskanzlei erkundigt, wird er lachend gefragt, ob er von Stefan Raab oder vom Kerkeling kommt. Schließlich geht er in einen Kiosk, um das Datum herauszufinden. Ihm wird schwarz vor Augen. Er verlangt nach einem Spiegel, ihm wird eine Zeitschrift gereicht. Er wird gefragt, wo er auftritt, ob er ein Programm hat, ob er noch andere Rollen kann.

Alle halten ihn für einen Schauspieler, der seine Rolle mit unglaublicher Konsequenz durchzieht. Er wird vom Fernsehen entdeckt, sein Auftritt in einer Comedy-Show wird ein Youtube-Hit, er wird zu einem Medienereignis, einem Star.

Während er damit beschäftigt ist, sein radikales Programm seinem Volk zu vermitteln, hält selbiges ihn für einen Comedian, der die Dinge endlich mal beim Namen nennt. Doch, er ist wieder da, er, ist Adolf Hitler.

"Er ist wieder da" - der Buch- und Kinoerfolg von Timur Vermes über Hitler im Hier und Jetzt ist inzwischen auch auf der Bühne angekommen. Das Landestheater Detmold hat das Stück inszenieret, das durchweg beste Kritiken bekam. Gelang es doch auf der Bühne auch, Längen zu straffen und das ganze noch satirischer auf die Bühne zu bringen. Ein Spiegel, der schon im Januar auf die Klever Bühne kommen sollte, aber wegen des Sturm Friederike abgesagt werden musste. Jetzt steht das Stück am Dienstag, 29. Mai, 20 Uhr auf dem Theater-Programm der Stadt Kleve.

Hitler steht dann also auf der Bühne der Klever Stadthalle in einer Inszenierung des Westfälischen Landestheaters unter der Regie von Guido Thurk spielt ihn mit Bravour. Wer möchte, könnte in ihm nur den Nazi-Hampelmann sehen, der seit Charly Chaplin komödiantisches Gemeingut ist. Doch diese Inszenierung möchte noch tiefer gehen. In schnarrenden Tiraden läuft Guido Thurk zu großer Form auf, kanzelt die Pfeifen von der NPD ab, bietet einer Reporterin Paroli, seine Führerfaust saust auf und ab.

"Das hat Biss, die Pointen sitzen, das Timing stimmt", schrieb die Zeitung Ruhr-Nachrichten nach der Premiere. Manchmal entwickele das Stück sogar mehr Schärfe als das Buch. Wenn dann Vermes' Hitler kaum verklausuliert von deutscher Kollektivschuld spricht, bleibt einem wirklich das Lachen im Halse stecken. Es sei, so die Kritik, "Deutscher Traum und deutsches Trauma im Spiegel einer brillanten Groteske".

(RP)