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Kleve: Herzog, Tod und Teufel

Kleve : Herzog, Tod und Teufel

Beim Verlag für Regionalgeschichte ist ein mächtiger Band über Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und seine Zeit erschienen.

Geradezu ungestüm war er angetreten, seine Herrschaft auszubauen. Er hatte Geldern zum Territorium hinzugefügt, seine Schwester Anna mit dem englischen König (beinahe) vermählt und seine schöne Schwester Sibylle (von Lukas Cranach porträtiert) mit dem Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen. Er hatte vom Papst die Erlaubnis, in Duisburg eine Universität zu gründen - was er nicht mehr schaffte und was dann später vom Statthalter des großen Kurfürsten, seinem brandenburgischen Nachfolger in Teilen des Territoriums, umgesetzt wurde. Nicht umsonst beschrieb ihn Egbert Hopp 1655 in einem in Kleve erschienenen Nachruf als Wilhelm der Reiche, als Liebhaber der Gelehrten, als Wahrer von Recht und Ordnung ("Policey, Iustiz und Regierungh", so Hopp).

Ein Jahr vor seinem Tod in einem Gemälde von Johann Malthain. Foto: matthias Grass

1540 zeichnete Hans Wandereisen den Klever Herzog noch wie Dürers "Ritter, Tod und Teufel" hoch zu Ross und von Landsknechten mit Hellebarden umgeben. Francois Clouet in Rötel und vor allem der bekannte Aldegrever-Stich (beide um 1540) zeigen uns einen selbstbewussten jungen Mann mit starkem Blick nach vorn. Später dann das Bild, das man vor allem aus der Klever Ahnenreihe der Herzöge kennt: ein verhärmter, bleichgesichtiger Mann mit tiefliegenden Augen und Hakennase im schwarzen Gewand.

Foto: matthias Grass

"Herrschaft, Hof und Humanismus. Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und seine Zeit" titelt das jetzt im Verlag für Regionalgeschichte als Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie Band 11 erschienene dicke Buch über den letzten großen Klever Herzog. Der Landesherr hielt sich allerdings am liebsten in der neuen Stadt auf und machte sie, Düsseldorf, wohl zu dem, was sie heute noch ist - zur Landeshauptstadt. Herzog Wilhelm V. von Kleve-Jülich-Berg, auch der Reiche genannt, baute die Stadt aus und das alte Stadtschloss nach einem Brand wieder auf. Er investierte viel in seine Residenzen, vor allem in die Zitadelle und die sie umgebende Stadt Jülich, die nach einem verheerenden Brand 1547 wieder auf- und vor allem ausgebaut wurde. Einiges floss nach Kleve: An der Schwanenburg wurde die Infrastruktur der Verwaltung verbessert und Maximilian Pasqualini errichte 1558 einen eigenen Bau für die Kanzlei. Die persönlichen Privatgemächer der Herzöge waren in der Ecke östlich des Schwanenturms eingetragen. Graf Franz von Thurn, der im Auftrag König Ferdinands I. dessen Tochter Maria am Unteren Niederrhein begleitete, urteilte, dass Kleve eine schöne festliche Residenz sei, die "meiner gnädigen Frau" gefallen würde. Wilhelms Lieblings-Baustil: italienische Hochrenaissance, sein Architekt und Baumeister: Pasqualini. "Der Schlossbau in der Zitadelle Jülich, der kaiserlichen Repräsentationsansprüchen genügte, findet seine Entsprechung in mächtigen Festungsanlagen, die sich wehrtechnisch auf der Höhe der Zeit befanden", schreiben Guido von Büren, Ralf-Peter Fuchs und Georg Mölich in der Einleitung zur neuen Biografie.

Von Gottes Gnaden: Der Herzog von Landsknechten umgeben auf einem Holzstich von Hans Wandereisen, gedruckt bei Hans Adam in Nürnberg. Um 1540. Foto: matthias Grass

Düsseldorf bildete sich vor allem seit 1568 als Herrschaftsschwerpunkt heraus. Der 1516 geborene Herrscher war gesundheitlich angeschlagen und die in Kleve nahen Niederlande lagen bereits im Krieg mit Spanien. Wilhelms ausgewählter Nachfolger, sein Sohn Karl Friedrich starb auf einer Pilgerfahrt nach Rom. Auch diese Reise ist in dem Band über Leben und Werk Wilhelms beschrieben und mit ausführlichem Kartenmaterial anschaulich dargestellt. 1566 hatte Wilhelm seinen ersten Schlaganfall erlitten, 1575 starb Erbprinz Karl Friedrich auf seiner "Kavalierstour", wie Rita Voltmer in dem Band die Pilgertour treffend beschreibt. Damit stand sein dezidiert katholisch erzogener Sohn Johan Wilhelm als Nachfolger an. Johann Wilhelm sollte die ausgleichend-abwartende Religionspolitik seines Vaters in Richtung eines Reformkatholizismus lenken, so Voltmer. Dabei hatte Wilhelm der Reiche dem Rat der Stadt Wesel auf der Höhe seiner Macht 1540 freigestellt, das Abendmahl in beiderlei Gestalt (als Brot und Wein) auszuteilen. Es war das Ende der fast 53 Jahre, in denen Wilhelm das Zepter über das Herzogtum in der Hand hielt. Ein Herzog, der in späten Jahren - und das zeigen auch die Bildnisse - mehr und mehr der Melancholie verfiel. 1592 starb der Herzog. Mit Wilhelms geisteskranken Sohn Johan Wilhelm ging die Dynastie der Herzöge von Kleve-Jülich-Berg und Ravensburg zu Ende.

Der Band arbeitet all das auf, zeichnet den Lebensweg nach, die humanistische Bildung des Herzogs vor allem durch Heresbach, das Leben am Hofe und beschreibt nicht zuletzt die berühmten jülich-klevischen Hochzeiten mit all ihrem Pomp. Der Band ist das Ergebnis eines Symposiums in der Wasserburg Rindern 2016 zum 500. Geburtstag des Herzogs, das auch vom Klevischen Verein unterstützt wurde.

Anschaulich wird das Ganze durch reichlich Bildmaterial vor allem aus den Archiven in Jülich und Düsseldorf und nicht zuletzt aus Kleve und Wesel. Das Buch bietet eine runde regionale Geschichte des Herzogtums in den letzten 53 Jahren seiner Größe mit all den umgebenden Zeitläuften.

Herrschaft, Hof und Humanismus. Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und seine zeit. Schriften der Niederrhein-Akademie 11. 2018. ISBN 978-3-7395-1101-6. 608 Seiten, über 100 Abbildungen. 34 Euro

(mgr)