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Kleve: Herzinfarkt: Wenn jede Minute zählt

Kleve : Herzinfarkt: Wenn jede Minute zählt

Die Menschen im Kreis Kleve erleiden überdurchschnittlich häufig einen Infarkt. Im Rahmen der "Herzwoche" des St.-Antonius-Hospitals Kleve informieren Ärzte Interessierte über Vorbeugung und Therapiemaßnahmen.

Die Menschen im Kreis Kleve essen zu viel und zu fettreich, bewegen sich zu wenig und rauchen zu viel. Die Folge: "Die Erkrankungsrate am akuten Herzinfarkt liegt im Kreis Kleve um mindestens 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt", zitiert Prof. Dr. Stefan Schuster, Chefarzt am St.-Antonius-Hospital Kleve, eine aktuelle Studie. Gemeinsam mit zwei Kollegen will er im Rahmen der "Herzwoche" am Mittwoch, 21. November, in der Klever Stadthalle Interessierte aus dem Kreis Kleve über Vorsorge, Diagnostik und Behandlung des Herzinfarktes informieren.

"Die Niederrhein ist stur. Sowohl akute Notfälle als auch eindeutige Alarmzeichen werden häufig zu lange ignoriert. Die Menschen melden sich erst, wenn es bereits zu spät ist", sagt Prof. Schuster. So warte der Herzinfarktpatient im Kreis Kleve im Schnitt sechs Stunden, bis er den Notarzt unter der Telefonnummer 112 ruft. Das sei viel zu spät, da der Herzinfarkt ausschließlich in der ersten Stunde geheilt werden könne. Danach sterbe das Herzmuskelgewebe ab, so der Chefarzt. "Nach zwölf Stunden ist in der Regel nicht mehr viel zu retten", betont Schuster.

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Allerdings sei die Versorgung der Patienten im Kreis Kleve auch nicht optimal. "Es gibt drei Kardiologen von denen jeder für 100 000 Menschen zuständig ist. Bundesweit kommt ein Kardiologe auf 29 000 Einwohner", sagt Schuster. Er rät Patienten, die einen akuten Herzinfarkt erleiden, dringend davon ab, in die Notaufnahme der Krankenhäuser zu kommen. "Die Bereitschaftsärzte sind oft mit anderen Patienten beschäftigt. Das kann bis zu drei Stunden dauern, bis der Herzinfarkt-Patient an der Reihe ist. Das ist einfach zu lange", betont der Herzspezialist.

"Schlimm dran" seien jene Patienten, die über ein benachbartes Krankenhaus beispielsweise in Goch oder Kalkar in die Kathederklinik in Kleve weitergeleitet werden. "Da beträgt die Zeit vom Scherzbeginn bis zum Eintreffen im Krankenhaus zehn Stunden", sagt Schuster. In einer in Kleve durchgeführten Studie an 550 Herzinfarktpatienten konnten die Ärzte nachweisen, dass diese Patienten eine Sterberate von 8,5 Prozent haben. Bei den Patienten, die sofort in die Kardiologie eingeliefert wurden, betrug die Sterberate hingegen 5,7 Prozent. Er könne nur jedem Patienten raten, bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort die Notrufnummer 112 zu wählen und einen Notarzt zu rufen.

Eine gute Nachricht hat Chefarzt Schuster aber auch: Die Sterbeziffer am akuten Herzinfarkt liegt im Kreis Kleve 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Immerhin.

(RP)