Niederrhein: Heinz Bello: Für Kritik erschossen

Niederrhein: Heinz Bello: Für Kritik erschossen

Am 5. September würde Heinz Bello 90. Der wegen Wehrkraftzersetzung 1944 hingerichtete Weseler gilt als christlicher Blutzeuge. Das Kreisdekanat hat seinen Sitz nach ihm benannt, die Stadt ehrt ihn mit einer Straße.

Stauffenberg, Canaris, Beck, die Geschwister Scholl: Große Widerstandskämpfer geben vielen Straßen im Weseler Stadtteil Lackhausen ihren Namen. Darunter ist auch Heinz Bello aus Wesel zu finden, der am 5. September 90 Jahre alt würde. An den Mann, dessen Gebeine neben denen von Karl Leisner und Gerhard Storm in der Krypta des Xantener Doms ruhen, wird auch auf andere Weise erinnert. Das katholische Kreisdekanat Wesel hat vor fünf Jahren seinem Sitz an der Sandstraße 24 den Namen Heinz-Bello-Haus gegeben. Weihbischof Heinrich Janssen sagte damals, dass besonders Jugendliche aus dem Schicksal lernen könnten.

Schimpfrede denunziert

Heinz Bello wurde in Breslau geboren, wuchs aber im Weseler Schillviertel auf. Er war befreundet mit Ernst-Alfred Jauch (Vater von Günther Jauch), absolvierte mit diesem 1939 das Abitur am Staatlichen Humanistischen Gymnasium Wesel und war mit ihm aktives Mitglied im Bund Neudeutschland und später dienstverpflichtet im Reichsarbeitsdienst.

Nach Kriegseinsätzen in Russland war der dekorierte Soldat zum Medizinstudium nach Münster kommandiert worden. Hier hatte er am 20. Juli 1943 Luftschutzdienst im Borromaeum und Ludgerianum zu leisten. Deshalb hatte der ambitionierte Geiger einen Musizierabend abgesagt. Als er zum Dienst kam, sah er, dass er von den Plänen wieder gestrichen war und ärgerte sich laut. "Dafür hat man nun seien Musizierabend abgesagt! Die Laternenpfähle Münsters reichen nicht aus, die Nazis und Kommissköpfe daran aufzuhängen." Und mit Blick auf ein Kruzifix weiter: "Solange dieser Herrgott lebt, wird er schon dafür sorgen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen!"

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Zeugen der Szene waren Fahnenjunker-Feldwebel Karl Josef Eversmann (25) und Unteroffizier Hans Bernreiter (36). Letzterer hielt sich nicht an das Abkommen, Schweigen zu wahren, und denunzierte Bello acht Monate später bei einem Stabsarzt. Im April 1944 kam es zu einer Hauptverhandlung vor dem Zentralgericht des Heeres in Berlin wegen Wehrkraftzersetzung. Ohne Entlastungszeugen. Vater Justin Bello wurde des Saales verwiesen, der Sohn zum Tode verurteilt. Gnadengesuche blieben erfolglos. Kirchentreue und Nähe zur Zentrumspartei sollen den Hass der Nazis eher noch gesteigert haben. Am 29. Juni 1944 um sechs Uhr morgens wurde Bello mitgeteilt, dass er um acht Uhr hingerichtet werde. Er schrieb an Eltern und Geschwister: "Ich habe mich ganz in seinen heiligen Willen ergeben und gebe mein Leben für ein besseres christlicheres Deutschland!"

Der 24-Jährige starb um 8.12 Uhr

Dem katholischen Standortpfarrer sagte er: "Meine letzten Worte sollen sein: Alles zur größeren Ehre Gottes!" Ohne Binde und Fesseln wartete Bello betend auf die Salve des Erschießungskommandos. Der 24-Jährige starb um 8.12 Uhr. Seitdem verehren ihn Christen am Niederrhein und im Münsterland als einen der Blutzeugen des Nationalsozialismus.

Bello wurde in Berlin auf dem St. Hedwigs-Friedhof beerdigt. Erst 1960 war es möglich, die Gebeine nach Wesel zu überführen. 1966 wurden sie exhumiert und nach Xanten überführt. Am 3. September 1966 wurde die Krypta des Domes als Gedenkstätte für neuzeitliche Märtyrer eingeweiht. Dort wird neben Bello, Leisner und Storm an viele mehr erinnert.

(RP)
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