Bedburg-Hau: Heiner Bastian kartet nach

Bedburg-Hau: Heiner Bastian kartet nach

analyse Die Schlammschlacht um Museum Schloss Moyland geht in die nächste Runde

Der Lieblingssatz von Politikern heißt: Wir haben immer schon gesagt . . . Jetzt holt Bedburg-Haus Grünen-Chef Wilfried Krüger das meistzitierte Wahlkampf-Deutsch aus der Mottenkiste: Die Grünen haben immer schon gesagt, dass Moyland ein Skandal sei, heißt es in der jüngsten Pressemitteilung der Partei aus Bedburg-Hau. Es ist ein Echo auf den Bericht von Heiner Bastian in der "Welt am Sonntag", in dem er die Schließung des Museums forderte (die RP berichtete). Krüger zitiert dabei sein "Guckloch" von 1996, als die Grünen fragten, ob Moyland ein Flop werde. Man habe, so Krüger, eben schon früh die Frage nach der Qualität des Museums gestellt. Jetzt trage Düsseldorf das Moyländer Konzept nicht mehr mit. Krüger: "Selbst die CDU-Landesregierung will das bisherige Konzept nicht mehr finanzieren".

Beim Blick in die Vergangenheit vergisst Krüger wie auch Bastian allerdings die aktuelle Entwicklung des Museums unter neuer Leitung von Dr. Bettina Paust. Das Moyländer Konzept, das Krüger anprangert, die "Zustände in Moyland", die Bastian in epischer Breite in der Welt am Sonntag schilderte, sind bald Schnee von gestern. Bereits im Mai hat die Direktorin ausführlich ihr neues Konzept für Moyland vorgestellt. Und genau das trägt das Land mit – wissend, dass es ein tragfähiges Konzept für die Zukunft ist. Ein Konzept, hinter dem auch die Stifter stehen. Bürgermeister Peter Driessen brachte es auf den Punkt: "Es wäre fair, Paust richtig starten zu lassen. Alles andere ist Kaputtmacherei!"

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Aber auch Bastian, Beuys-Vertrauter, der auch Freund der Familie van der Grinten gewesen sein soll, wie es heißt, zieht nach. In einem offenen Brief reagiert er auf die Berichterstattung in der RP von Dienstag. Darin wirft er Paust vor, sie habe wie jeder andere Anwesende die unhaltbaren Zustände mitgetragen, verantwortet oder zumindest geduldet. Sie habe zugesehen, wie die "eher fragilen Werke von Joseph Beuys durch die (...) unverantwortliche dumme Dauerpräsentation (...) Schaden genommen hat", schreibt er. Dabei habe doch Beuys gelehrt, Missstände anzuprangern und zu beseitigen. Letztlich wirft er ihr "eklatantes Wegsehen" vor. Tatsächlich war Paust seit 2002 Leiterin des Beuys-Archivs und nicht in das operative Museums-Geschäft eingebunden. Bastian war dagegen als anerkannter Beuys-Freund und -Fachmann in einer viel komfortableren Lage, die Missstände anprangern zu können, die hinlänglich bekannt waren. Gerade er hätte die nötige Öffentlichkeit gefunden.

Es ist schon kurios, dass jetzt, wo Paust das gelungen ist, woran alle ihre Vorgänger scheiterten, nämlich die Starre im Schloss zu lösen und einen gangbaren Weg für Moyland einzuschlagen, plötzlich allen einfällt, dass sie das immer schon gesagt haben. Oder wie es Bastian wohl gerne gesehen hätte, dass andere was gesagt hätten, wenn er selber schon lieber nichts gesagt hat . . .

(RP)
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