Kleve: Heimspiel beim Unternehmerpreis

Kleve : Heimspiel beim Unternehmerpreis

Der einstige "Superminister" Wolfgang Clement brach bei der neunten Verleihung des Wirtschafts-Oscars in der Klever Stadthalle eine Lanze fürs "Gewinnstreben" und Artisten internationalen Ranges sorgten für staunende Begeisterung.

Wenn die männlichen Vertreter der hiesigen Unternehmerschaft in den kommenden Wochen damit beginnen, regelmäßig ihre Füße unter die heimische Designercouch zu klemmen und Situps zu machen, könnte das mit dem frenetischen Applaus ihrer Lebensgefährtinnen für das muskelbepackte Akrobaten-Duo am Donnerstagabend zusammen hängen. Der "Besuch vom Olymp", wie ihn Moderator Ludger Kazmierczak (WDR), angekündigt hatte, zeigte "im aufreizenden Schlüppi" nämlich das, was die anwesenden Unternehmer wirtschaftlich zustande bringen: Höchstleistungen. Als Lohn erhielten die Artisten bewundernde Blicke, die ausgezeichneten Unternehmer den Wirtschafts-Oscar.

Beim neunten Klever Unternehmerpreis, der laut Kazmierczak inzwischen zu einem "regionalen Preis geworden" ist, wie die Vergabe an Geschäftsführer unter anderem in Rees und Emmerich zeigte (wir berichteten), sorgte ein hochkarätiges Showprogramm und ein prominenter Gastredner für Kurzweil. Veranstalter war wie immer das Wirtschaftsforum Kleverland.

Den Auftakt machte wie immer ein lokaler Vertreter, in diesem Fall die dreißigjähriges Bestehen feiernde Big Band des Konrad Adenauer Gymnasiums. Sie wurde angekündigt als Ikone des außerschulischen Angebots und spielte unter der Leitung von Martha Seuken auch dementsprechend. Mit fetzigen Klängen wurde das Publikum auf die Rede des ehemaligen Berliner "Superministers" Wolfgang Clement eingestimmt.

Aktuell ist Clement, um den es seit seinem SPD-Austritt vor fünf Jahren ruhiger geworden ist, Vorsitzender der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und war damit der richtige Redner für das Publikum in der voll besetzten Stadthalle. Den wirtschaftsnahen Clement vor Unternehmern reden zu lassen war dann auch wie der Auftritt des Papstes beim Weltkirchentag: Ein Heimspiel.

So referierte Clement über die deutsche "Neigung zur Nörgelei" und die drei Säulen des wirtschaftlichen Erfolgs in diesem Land: den Mittelstand mit seinen "hidden champions" (gemeint sind damit solche Unternehmen, die an jenem Abend ausgezeichnet wurden), die "duale Berufsausbildung" und den "industriellen Sockel".

Den meisten Applaus erntete Clement naturgemäß, als er sich gegen "steigende Bevormundungsversuche durch die Regierung" in Rage redete, die soziale Marktwirtschaft als "Wettbewerbswirtschaft" definierte und "Gewinnstreben" bei "maximalen Freiheiten" forderte. So manchem Unternehmer dürfte diese Rede, die gut eine halbe Stunde länger als geplant dauerte, noch zu kurz gewesen sein. Schließlich war im Vorjahr der einstige Bischof Wolfgang Huber zu Gast und hatte in seiner Rede über Ethik davon gesprochen, dass "der Mammon nicht vergötzt" werden dürfe.

Hoch hinaus ging's im Anschluss für Noah Chorny aus New York, der an einer meterhohen Stange der Schwerkraft trotzte. Auch dieser Artist wusste mit Muskelkraft zu beeindrucken und rundete das spektakuläre Showprogramm ab.

(miba)