Heimatliebe „Die Menschen sind stolz auf den Niederrhein“

Serie | Kreis Kleve · Wie ist das Image des Niederrheins? Bei den Menschen im Kreis Kleve – aber auch bei Außenstehenden? Ein Blick auf Tourismus und Wirtschaft.

 Das Fahrrad gehört am Niederrhein dazu – nicht nur bei Besuchern, sondern auch bei den Einheimischen.

Das Fahrrad gehört am Niederrhein dazu – nicht nur bei Besuchern, sondern auch bei den Einheimischen.

Foto: Stadt/Stadt Kevelaer

Im Frühjahr haben wir zur großen Heimatliebe-Umfrage in unserem Verbreitungsgebiet aufgerufen, rund 15.000 Leserinnen und Leser haben sich beteiligt. Nun stellen wir über die kommenden Wochen die Ergebnisse zu den verschiedensten Themenbereichen vor.

Deutlich wird: Bei der Lebensqualität braucht sich der Kreis Kleve nicht zu verstecken. Im Durchschnitt gaben die Befragten die Note 2,2. Etwas kritischer sehen sie das Image bei Außenstehenden (2,6). Wie wird der Niederrhein wahrgenommen – in der Innenansicht wie von außen? Dafür haben wir eine Fachfrau gefragt: Martina Baumgärtner von Tourismus Niederrhein begeistert Menschen von Beruf wegen von unserer Region. Sie kennt die Stärken, mit denen der Niederrhein werben kann.

„Als ich vor 20 Jahren angefangen habe, haben sich noch viele Menschen hier am Niederrhein gewundert, was Besucher hier wollen“, sagt Baumgärtner. Frei nach dem Motto: Wer macht denn hier bitteschön Urlaub? „Damals war die Identifikation mit der Region noch nicht so gegeben wie heute. Das hat sich aber sehr ins Positive gewandelt“, sagt Baumgärtner. „Die Menschen sind zurecht stolz auf ihre Region. Sie sind stolz auf den Niederrhein und freuen sich, dass Auswärtige das genauso sehen“, sagt die Fachfrau.

Dabei entdecken sie und ihr Team selbst noch Neues, wenn sie durch die Region fahren. Die Kernkompetenzen seien ganz klar Radfahren und Wandern. Dazu komme eine abwechslungsreiche Landschaft mit viel Grün und Wasser. „Es gibt eine Vielzahl an Erlebnissen entlang der Radwege: Kultur, Geschichte und pittoreske Innenstädte, die einer Region ihre Persönlichkeit geben“, sagt Baumgärtner.

2,4 Millionen Übernachtungen hat es im vergangenen Jahr am Niederrhein gegeben, Ferienwohnungen sind da noch nicht mitgezählt. Knapp fünf Millionen Besucher dürften es insgesamt gewesen sein, schätzt Baumgärtner. Man habe dabei die Aufenthaltsdauer von zwei auf drei Tage erhöht. „Wir sind eine Kurzreiseregion“, sagt Baumgärtner. „Und die Nachfrage nach Urlaub in der Nähe wächst.“ Es kommen junge Menschen mit und ohne Kinder, Familien auch gerne im Camper. Es kommen aber auch ältere Menschen, die die Region mit dem Pedelec erkunden.

So blicken Freizeitbesucher auf den Niederrhein. Aber wie sieht es in der Wirtschaft aus? Von Kranenburg im Nordwesten bis Rheurdt im Südosten erstreckt sich der Kreis Kleve. 319.000 Einwohner leben in den 16 Städten und Gemeinden auf einer Fläche von insgesamt 1232 Quadratkilometern. Vor genau 100 Jahren eröffnete die IHK eine Zweigstelle in Kleve. Im Jubiläumsjahr befindet sich die Region auf Wachstumskurs.

Gab es 2010 noch 77.862 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Kreis Kleve, waren es 2023 bereits 107.391. Die Region ist gut angebunden: durch das Autobahnnetz, den Rhein-Waal-Terminal in Emmerich und den Airport Weeze. Wenn da nicht die Schienenverbindung wäre: Die Betuwe-Linie hat im Verlauf der Jahre schon unzählige Landräte und Bürgermeister beschäftigt. Und der Niersexpress hat es in den vergangenen Jahren mit seiner Unzuverlässigkeit trotz Millionen-Investition sogar bis in die bundespolitische Diskussion geschafft.

Und trotzdem: Die hiesige Industrie hat im vergangenen Jahr 4,4 Milliarden Euro umgesetzt. Große Unternehmen, aber auch die kleinen und mittleren Betriebe. Was alle eint, von Hochschule Rhein-Waal mit ihrem Campus in Kleve bis zu den ausbildenden Firmen: Sie alle wollen Menschen in die Region locken und ihnen hier eine Perspektive bieten – damit auch der Niederrhein eine Perspektive hat.