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Bedburg-Hau: "Haus Ausblick" ab 2013 im Borgardtshof

Bedburg-Hau : "Haus Ausblick" ab 2013 im Borgardtshof

Sieben verhaltensauffällige Jugendliche, die derzeit auf einem ehemaligen Bauernhof in Bedburg-Hau-Till von der Kaiserswerther Diakonie betreut werden, ziehen mit sieben weiteren Jungen im Frühjahr nach Pfalzdorf um.

Vor dem Borgardtshof in Pfalzdorf steht ein Schild: "Herzlich Willkommen – Borgardtshof – Seniorenheim". Doch das ist bereits Vergangenheit. Die rund 20 Senioren, die in den Gebäuden gelebt haben, sind ausgezogen. Derzeit begutachten Architekten und Handwerker das ehemalige Altersheim und planen, wie die Räume für ihre neue Nutzung umgestaltet werden können: Schon ab Januar oder Februar 2013 sollen dort sieben "verhaltensauffällige" Jugendliche, die noch im "Haus Ausblick" in Till (Gemeinde Bedburg-Hau) wohnen, zusammen mit sieben weiteren Jugendlichen einziehen und von Mitarbeiter der Kaiserswerther Diakonie, die Träger des Erziehungsheimes ist, intensiv betreut werden.

Im Frühjahr dieses Jahres war bekannt geworden, dass die Diakonie "Haus Ausblick" aufgeben und mit den Jugendlichen, bei denen es sich teilweise um "Mehrfachtäter" handelt, für die das Erziehungsheim gleichsam die letzte Chance zur Integration in die Gesellschaft ist, auf den Borgardtshof übersiedeln wolle. Nachdem sich Proteststürme von Nachbarn des Borgardtshofes gelegt und anfängliche Widerstände im Gocher Rat ausgeräumt worden waren, hat die Diakonie nun Hof und Gelände gekauft. Kaufpreis und Sanierungskosten zusammengenommen investiert die Kaiserswerther Diakonie laut Projektleiterin Kornelia Tiffert etwa zwei Millionen Euro in Pfalzdorf.

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Schon vor dem eigentlichen Beginn der Renovierung haben die Jugendlichen und ihre Betreuer aus dem "Haus Ausblick" das neue Zuhause begutachtet. Sven (Namen der Jugendlichen von Redaktion geändert) ist bereits begeistert: "Ich find's super. Das ist alles viel größer", sagt er. Kevin dagegen äußert sich noch skeptisch: "Zweieinhalb Jahre war ich im Ausblick. Noch kann ich mir nicht vorstellen, hier zu leben. Aber das ist wohl immer so bei einem Umzug."

Die Erzieher, Melanie Gerlings und Heinz Gerd Stayen, sehen im Vergleich zum "Haus Ausblick" jedoch zahlreiche Vorteile. Beim Blick in den großen Garten und auf das Gebäude geraten sie fast ins Schwärmen. "Die Räume sind viel besser geeignet für die Jungs, der Garten ist zauberhaft", meint Melanie Gerlings. Heinz Gerd Stayen sieht die Jugendlichen schon in die großen Bäume klettern, Fußballspielen und Grillen.

Das pädagogische Konzept für das neue Erziehungsheim steht bereits. Nach gut vier Jahren in Till ist es laut Projektleiterin Kornelia Tiffert total überarbeitet worden. Am Borgardtshof sollen 14 "traumatisierte Jugendliche , um die sich niemand gekümmert hat", in zwei Gruppen (sie heißen "Ausblick" und "Aufwind") langfristig und intensiv (ein Jugendlicher – ein Erzieher) betreut werden. Erst in Intensivgruppen, dann in Trainingsgruppen (drei Jugendliche). Den Abschluss soll eine Verselbstständigungsphase bilden, in der die Jungen betreut in kleinen Appartements außerhalb des Hofes wohnen.

Alle neun Mitarbeiter des "Hauses Ausblick" werden auch am Borgardtshof arbeiten. Neue Mitarbeiter für die zweite Gruppe "Aufwind" (etwa zehn) sucht die Diakonie händeringend: Pädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen, Hauswirtschafter.

Weiterhin will die Kaiserswerther Diakonie die Arbeit mit den Jugendlichen nach außen hin laut Kornelia Tiffert "sehr transparent" darstellen. Unter den Nachbarn herrscht jedoch scheinbar immer noch eine "besorgte, angsterfüllte Stimmung", wie Andrea Herbst, die Mutter von zwei Kindern (acht und zahn Jahre alt) ist und etwa 800 Meter Luftlinie vom Borgardtshof entfernt wohnt, berichtet. Ihrer Ansicht nach beinhaltet das Betreuungskonzept erhebliche Sicherheitsmängel, wie Zwischenfälle in Till oder in vergleichbaren Einrichtungen in der Vergangenheit gezeigt hätten. "Wir haben auf die Gefahren hingewiesen, aber offenbar will sie keiner wahrhaben. Wir sind mit unseren Einwänden chancenlos", meint die Pfalzdorferin. Nun bleibe den besorgten Nachbarn nichts übrig, als zu hoffen, dass nichts passiere.

Die Kaiserswerther Diakonie will versuchen, diese "Vorurteile" in der Nachbarschaft abzubauen – unter anderem mit einem Hoffest, das einmal im Jahr gefeiert werden soll. Dazu werden alle Nachbarn und andere Interessierte eingeladen, die sich selbst einen Einblick verschaffen wollen, wer nun auf dem Borgardtshof Zuhause ist. Andrea Herbst weiß noch nicht, ob sie dieser Einladung annehmen wird.

(RP)