Kreis Kleve: "Hatespeech" - der Hass im Internet

Kreis Kleve : "Hatespeech" - der Hass im Internet

Die relative Anonymität des World Wide Web sorgt dafür, dass Menschen Masken fallen lassen, verbal so richtig entgleisen. So kommt es zu Hatespeech. Was kann man dagegen tun? Ein Workshop will dabei helfen.

Zwölf Leute sitzen im Seminar im Kreis und diskutieren eigene Hatespeech-Erfahrungen. "Ich glaube, manches war noch nicht einmal als Beleidigung gemeint, sondern einige nehmen sich Sachen einfach viel zu sehr zu Herzen", meinte eine ältere Frau. Persönliche Anfeindungen aufgrund ihres Aussehens, ihrer Tätigkeit: Es wird klar, dass die Seminar-Teilnehmer entweder selbst oder im Freundeskreis schon mit verschiedenen Formen der Hassrede konfrontiert worden sind. Jetzt sind sie in dieser Fortbildung, um den um den Ratschlägen des "Medienwolfs" Heiko Wolf zu lauschen.

Der Medienpädagoge Heiko Wolf hielt das Seminar im Katholischen Pfarrheim St. Dionysus in Nieukerk. Die Teilnahme war kostenlos, und Interessierte aus ganz Nordrhein-Westfalen waren gekommen.

Heiko Wolf erklärte, dass sich Hass im Internet vor allem gegen Frauen, geflüchtete Menschen, Menschen mit Behinderungen oder Homosexuelle richtet: "Dies ist ein Resultat aus alten Rollenbildern, die sich aktuell weiter verändern", sagte er. Er nannte verschiedene Beispiele, die rechtlich als "Beleidigung" oder als "Volksverhetzung" gewertet werden, wobei die Grenzen oftmals fließend sind.

Die psychologischen Hintergründe für Hetzreden sind Vorurteile, Aggressionen und Autoritarismus. Wobei Vorurteile durchaus eine Funktion für die Menschen haben, wie Wolf verdeutlichte. "Sie stabilisieren die Psyche des Einzelnen, indem sie der Orientierung in unübersichtlichen Situationen dienen und Verhaltenssicherheit ermöglichen." Nur sollte man es damit nicht zu weit treiben.

Um selber gegen Hatespeech aktiv zu werden, gab Wolf verschiedene Tipps: "Man sollte Betroffenen beistehen, positive Nachrichten teilen, sich gründlich informieren und mit Fakten dagegen reden. Wenn das nicht hilft, so kann man die betreffende Person bei sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter immer noch melden, blockieren oder sie einfach mit Ironie konfrontieren."

Das Beste sei, einen problematischen Text nicht nur direkt zu Facebook, sondern auch zu Organisationen wie Jugendschutz.net weiterzuleiten. "Wenn man sich nicht sicher ist, sollte man es am besten vorsichtshalber melden", riet der Medienpädagoge.

Und er wandte sich gegen "Witze", die verletzen. "Auch etwas ironisch oder als Scherz zu meinen, macht eine Aussage nicht besser und sollte genauso behandelt werden, als sei sie ernst gemeint", meinte Wolf. "Rassistische Witze sind nicht lustig. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass wir heute in einer sehr vielseitigen Welt leben." Im Seminar gab es ein Training zum "kreativen Kontern", eine Anleitung für das eigene Schaffen von positiven Bildbotschaften, Reflexionen über den Begriff der Gewalt. Besonders letzteres zeigte eindeutig, dass viele Situationen ganz unterschiedlich interpretierbar sind.

Abschließendes Fazit der Teilnehmer: Es war ein volles Programm. "Ich wusste wenig über Hatespeech und habe das Gefühl, dass ich jetzt immer noch wenig weiß", stellte eine Besucherin fest. "Wir haben so viele Themen behandelt, und ich habe den roten Faden gesucht." Sie sei von der Fülle der Informationen etwas erschlagen worden. Auch eine andere Teilnehmerin zeigte sich von der Vielfalt beeindruckt: "Weil das ganze Thema so breitgefächert war, hätten wir auch gerne noch einen weiteren Tag dranhängen können."

Medienpädagoge Heiko Wolf entließ seine Gäste mit der Botschaft: "Hatespeech ist ein komplexes Thema, bei dem man immer wachsam und aktiv sein muss, damit sich die Welt in eine gute Richtung entwickelt."

Das Angebot lief in Kooperation von Youngcaritas Gelderland, Bistum Münster, Bund der Deutschen Katholischen Jugend und Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg im Bezirk Niederrhein-Nord.

(RP)
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