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Hanselädchen Grieth ein Erfolg

Genossenschaften : Das Lädchen fürs Dorf und seine Gäste

Nach zwei Jahren ist klar: Die Griether haben ihr kleines Lebensmittelgeschäft samt Café in ihre Herzen geschlossen. Auch Auswärtige schätzen den Service des genossenschaftlich organisierten Ladens.

An diesem Tag macht der Sommer eine Pause. Es ist eher kühl, ab und zu fallen ein paar Regentropfen, und dennoch herrscht am Griether Marktplatz einiges Leben. Zum Ziel haben alle, die sich dort bewegen, das Griether Hanselädchen – oder sie kommen gerade dorther. Zwei kleine Mädchen mit Eis am Stiel, eine Frau mit einem gefüllten Einkaufskorb, ein älteres Paar nimmt Kurs auf die Eingangstür. Daneben sitzen an einem kleinen Tischchen zwei Frauen vor ihrem Kaffee – Raucher müssen auch bei bescheidenem Wetter mit dem Platz vor dem Haus vorlieb nehmen. Grieths neuer Ortsmittelpunkt ist das Hanselädchen – ein genossenschaftlich organisiertes Lebensmittelgeschäft, das sich innerhalb von zwei Jahren zum unverzichtbaren Bestandteil des Dorflebens gemausert hat.

Dass es funktionieren würde, war keine Selbstverständlichkeit. Einige andere gut gemeinte Dorfläden wurden mit großen Erwartungen eröffnet und mussten wieder eingestellt werden. Weil zu wenig Kunden kamen, zu wenig eingekauft wurde, die Kosten zu hoch waren. Alle diese Probleme hatte Grieths Lädchen anfangs auch – und so ganz „erledigt“ sind sie auch im Kalkarer Ortsteil wohl nie. Aber derzeit läuft’s richtig gut, und alle Beteiligten dürfen darauf hoffen, dass es so bleibt. Grundlage des Erfolgs ist das Genossenschaftsmodell: Viele kleine Einlagen haben das benötigte Kapital zusammengebracht, ein ehrenamtlicher Vorstand führt die Geschäfte, ein Team weiterer freiwilliger engagiert sich vielfach, ein Aufsichtsrat behält im Blick, ob alles in Ordnung ist. Angestellte sorgen Tag für Tag für die Kundschaft – im Verkauf und im Service.

In Grieth war’s vor Jahren wie in so vielen Orten: Keine Schule, kein Arzt, kein Laden. Während sich junge Leute und Familien noch einigermaßen einstellen können auf die weniger schönen Seiten des Landlebens, waren viele Ältere zunehmend verzweifelt. Bevor der Bürgerbus eingeführt wurde, waren sie auf Botenfahrten durch Nachbarn oder Verwandte angewiesen. Die Idee, einen Dorfladen zu installieren, fand deshalb einigen Zuspruch. Für 250 Euro einen Geschäftsanteil zu erwerben – dazu konnten sich die Griether und einige andere Unterstützer allerdings erst nach und nach durchringen. Und wie so oft waren mehr Investitionen in das betagte Ladenlokal nötig, als man zuerst dachte. Vorstand Birgit Mosler berichtete der RP unter anderem von zu ersetzenden Kühltruhen – Vieles war aus Kostengründen ja gebraucht erstanden worden.

Dass von Beginn an eine Menge richtig gemacht wurde, hängt sicherlich auch mit der beinahe wissenschaftlichen Begleitung zusammen: Das deutsch-niederländische Hochschulprojekt „KRAKE/Starke Dörfer“ bezog auch die Idee des Hanselädchens in sein Programm ein. Bürger brachten sich ein, Euregio, Land und EU unterstützten das Ganze. Birgit Mosler, selbst Grietherin, war damals die Projektkoordinatorin und sagt: „Ein sozialer Treffpunkt fördert die Kommunikation unter den Griether Bürgerinnen und Bürgern. Wir sind unglaublich stolz auf das, was wir als Bürgerinnen und Bürger gemeinsam auf die Beine gestellt haben.“ Jeden Tag außer dienstags ist das Hanselädchen nun Anlaufpunkt für Einheimische und für Grieths Gäste. Was gerade im Sommer einige sind, denn das Fischerörtchen ist bei Ausflüglern beliebt. Viele kommen mit der Fähre herüber, sehr viele sind mit dem Rad unterwegs. Und brauchen zwischendurch unbedingt eine Stärkung.

Kaffee und Kuchen, Getränke und Eis sind zu haben. Wenn es kühler wird, kommen auch die selbst gemachten Suppen oder anderen kleinen Speisen zum kleinen Preis bestens an. Nicht zuletzt, wer eine Stadtführung bucht, genießt am Ende wahrscheinlich noch eine deftige Mahlzeit. Im oberen Stockwerk sitzen die Besucher wie in Omas Wohnzimmer, blicken auf den Marktplatz und sehen hinten heraus sogar den Rhein.

Zu kaufen gibt es Grundnahrungsmittel, frische Backwaren, Fleisch und Wurst, Tiefgekühltes, Obst und Gemüse nur so viel, dass es auch verkauft werden kann. Eis, Süßes und Getränke gehen immer, gerade Auswärtige freuen sich über regionale Spezialitäten. Die Tischchen im Café-Bereich unten sind fast immer besetzt. An ihnen lässt sich so schön plaudern. Klar, dass die junge Frau an der Kasse fast jeden mit Namen kennt und gerne hilft, wenn etwas nicht gefunden wird. Grieths Hanselädchen, eine ganz lebenspraktische Genossenschaft, hat das Dorf näher zusammen gebracht.