Kleve/Rhede: Häuser aus der Vergangenheit für Kleve?

Kleve/Rhede: Häuser aus der Vergangenheit für Kleve?

Für Rhede hat sich der dortige Rat für eine historistische Bebauung entschieden. Schon vor Monaten hatte der Klever Architekt Hülsmann seinen Vorschlag mit den Stadthäusern gebracht, der auch für den ganzen Platz gelten kann.

Das Bachviertel in Rhede liegt mitten in dem westfälischen Ort, misst 7000 Quadratmeter und soll bebaut werden. So, wie der Minoritenplatz in Kleve. In einem offenen Brief an Presse und Verwaltung schlägt der Klever Felix van de Sandt vor, sich dieses Beispiel unweit der Herzogstadt mit Blick auf die geplante Überbauung eines Teils der Minoritenplatzes genau anzusehen. Vielleicht gar als Beispiel zu nehmen. Denn während das Düsseldorfer Büro RKW für Sontowski eine moderne Architektur wählte, haben sich die niederländischen Friso Woudstra Architekten für einen Stil á la 19. Jahrhundert entschieden, der das Bach-Viertel prägen soll. Das wundert nicht, weil Woudstra-Architekten sich auf historisierendes Bauen spezialisiert haben. Das gefiel dem Rat in Rhede und Woudstra bekam den Zuschlag.

Bauen mit Motiven aus der Vergangenheit ist nicht allein ein Klever Thema: Bundesweit diskutiert man derzeit, ob man historisch bauen darf oder ob man eine zeitgemäße Architektursprache finden muss. Angestoßen wurde die Diskussion in Deutschland in jüngster Zeit (zum Beispiel im "Jahrbuch für Architektur" des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt) weniger durch verspielte Stufengiebelhäuschen, wie sie Woudstra für Rhede entwarf. Hier stehen Häuser wie das Spoy-Palais in Kleve oder ganze Viertel im klassizistischen Stil in Düsseldorf oder anderen Großstädten zur Debatte oder wie auf dem Potsdamer Platz in Berlin das Ritz-Carlton im amerikanischen Art Deco von Hilmer, Sattler und Albrecht (Albrecht half bei der Neugestaltung von Schloss Moyland). Für den Klassizismus am Opschlag, das Spoy-Palais, holte sich Bauherr Verhuven das renommierte Großbüro HPP aus Düsseldorf, das dort ein schickes Ensemble zauberte. Woudstra wählte für Rhede eine pittorekse Architektur, die an alte holländische Städtchen erinnert und mit giebelständigen Häuschen wieder an alte Zeiten anknüpfen möchte. Pläne mit giebelständigen Häusern gab es auch für einen Wiederaufbau in Kleve kurz nach dem Krieg. Da, wo man es umsetzte, sieht's heute gut aus: wie die Marien-Apothe gegenüber vom Kaufhof, wie am Kunsthaus Elbers, um nur zwei Beispiele zu nennen.

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"Nachdem monatelang ohne Ergebnis über (...) den Minoritenplatz diskutiert wurde, besteht durch die Wahl einer anderen Architektur die Chance (...) ansprechend zu gestalten", wirbt van de Sandt in seinem offenen Brief für Pläne, wie Woudstra sie für Rhede vorlegte. Denn das von der Stadt Rhede gewählte Städtebauprojekt sei ein gutes Beispiel für Kleve, schreibt van de Sandt. Ähnlich kleinteilig darf man sich den Stadthäuser-Vorschlag des Klever architekten Hülsmann vorstellen – nur dass die sinnvollerweise modern gedacht sind und jedes von einem anderen architekten entworfen werden sollte. Van de Sandt fordert in seinem Brief das Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Minoritenplatz zu stoppen. Auch dürfe keine Barriere die Sicht auf das Wasser des Spoykanals versperren, schreibt van de Sandt. Wobei auch Woudstra Häuser parallel zum Wasser setzt. Tatsächlich ist die Sicht aufs Wasser in allen Plänen in Kleve festgeschrieben: die breite Achse von Haus Koekkoek entlang der Wallgrabenzone zum Kanal bleibt frei – hier stört nichts die Sicht. Das ist das Ergebnis des städtebaulichen Workshops Anfang 2000.

(RP)
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