1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Häuser am Schweinemarkt sollen weg

Kleve : Häuser am Schweinemarkt sollen weg

Die GeWoGe-Kleve plant, die Häuser-Blocks um den Platz sowie die Häuser Regenbogen 7 und 9 abzureißen. Danach müsste das kleine Stadtviertel hinter Koekkoeks-Turm "Belvedere" neu aufgebaut werden.

Steht man zu Minervas Füßen oben auf dem Atelierturm "Belvedere" des Malers Barend Cornelis Koekkoek, geht der Blick über schöne, spitze Satteldächer mit kleinteiligen Gauben hinweg in Richtung Burg. In Zeilen stehen die nach dem Krieg hochgezogenen Wohnhäuser dort, boten seit den 1950er Jahren Menschen Wohnen und Heim. Es ist 50-er-Jahre-Look, der hier oben die Stadt seit ihrer Zerstörung prägt.

Heute sind die schlanken Häuserzeilen der Klever GeWoGe-Wohnungsgesellschaft mit ihrer kleinteiligen Fassade, den in Sprossen aufgeteilten Fenstern fast selbst schon Geschichte. Schlicht und doch heimisch, obendrauf das spitze Satteldach, reihen sie sich am Schweinemarkt und an der Straße Regenbogen, tragen stolz ein dickes Naturstein-Portal um die Eingänge. Es ist typische Wieder-Aufbau Städteplanung, als Häuser-"Zeilen" Licht und Luft in die Stadt lassen sollten und man die bombenzerstörten Städte nicht in Parzellen und Karrees aufbauen wollte.

Die Häuser sind in die Jahre gekommen, müssten saniert werden. Gerüchte sagen: Das wird alles abgerissen. Damit würde das Viertel am Schweinemarkt mitten in der City erneuert werden müssen. Eine höchst sensible, historische Umgebung: Die alten Zeilen grenzen unmittelbar an Koekkoeks "Belvedere" aus Anfang 1840. Das Maler-Atelier wurde auf einem Eckturm der Stadtbefestigung aufgebaut. "Wir denken über eine Sanierung nach, die Häuser sind quasi leergezogen", bestätigte gestern GeWoGe-Geschäftsführer Michael Dorißen auf Anfrage.

Er bestätigte auch, dass eine Sanierung den sicheren Abriss bedeute, da man die Häuser wirtschaftlich nicht mehr nach heutigen Standards sanieren könne. "Hinsichtlich der Planungen befinden wir uns noch in der Anfangsphase. Die Erstellung eines Höhendiagramms wurde beauftragt und bildet die Grundlage für das Fertigen erster Entwürfe. Die Planung wird dann zuerst in unseren Gremien beraten und weiter entwickelt", erklärt Dorißen. Betroffen sind die Häuserblocks am Schweinemarkt, in denen derzeit auch die Verwaltung der GeWoGe untergebracht ist, sowie die Häuser Regenbogen 7 und 9. Man sei sich bewusst, dass dies nicht nur eine sehr gute Wohnlage sei, sondern auch sensibler Bereich in der Stadt. Man werde mit der Neugestaltung sensibel umgehen und über eine entsprechende Planung diskutieren, verspricht Dorißen: "Die Politik und die Stadtverwaltung sind über die Gremien eingebunden", so der GeWoGe-Geschäftsführer. Auf jeden Fall werde man Rücksicht auf die historische Bebauung der Nachbarschaft nehmen.

Die Stadt Kleve hat als Mehrheitseigner der GeWoGe-Wohnungsgesellschaft auch ein gewichtiges Wort mitzureden. Kleves Kämmerer Willibrord Haas ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der GeWoGe, die derzeit rund 700 frei finanzierte und öffentlich geförderte Wohneinheiten ihr Eigen nennt.

Das reicht von preislich günstigem Wohnen verbunden mit modernen Wohnkonzepten, altengerechter Ausstattung, von der Singlewohnung bis hin zum exklusiven Einfamilienhaus im Raum Kleve sowie Bedburg-Hau. "Bei uns findet jede Zielgruppe ihren passenden Wohnraum - und danach richten wir unsere Vorhaben auch aus", verspricht die GeWoGe.

Stadt und Politik werden darüber diskutieren müssen, ob man die 50er-Jahre-Zeilen-Bebauung wieder aufnimmt oder eine Blockbebauung wählt, die den Häusern entlang der Schulstraße ein Gegenüber gibt. Sie wird diskutieren müssen, wie man wieder feinfühlig an den Bau des Koekkoek-Ateliers anschließt. "Wir werden ein solch sensibles Thema gewiss im Ausschuss für Kultur- und Stadtgestaltung diskutieren", sagte gestern der Vorsitzende des Ausschusses, Jörg Cosar. Schließlich müsse es mehr als eine nur verträgliche Lösung für Kleve geben.

(mgr)