Grundschule in Kleve führt Rhythmisierten Ganztag ein

Pilotprojekt : Wenn Schule und Freizeit verschmelzen

Die Grundschule an den Linden in Kleve setzt ein Pilotprojekt um: Im Rhythmisierten Ganztag bleiben die Kinder von 8.15 bis 15 Uhr im Klassenverband. Unterricht sowie Sport-, Kunst und Musikangebote wechseln sich ab.

Sechs Jahre Vorlaufzeit hat es gebraucht, bis die Stadt Kleve diesen Plan in die Tat umsetzen konnte: An der Grundschule An den Linden ist jetzt der so genannte Rhythmisierte Ganztag eingeführt worden. Was sich für den Laien erstmal unverständlich anhört, ist ein Vorzeigeprojekt, das am gesamten Niederrhein seinesgleichen sucht.

Das Konzept zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Kinder durchgehend von 8.15 Uhr bis 15 Uhr im Klassenverband bleiben. In dieser Zeit wechseln sich Unterricht und Entspannungsphasen ab. Für die Kinder bedeute das enorme Vorteile, erläutert Schulleiter Jens Willmeroth: „So können wir eine Schule anbieten, die auf die Neugierde und das individuelle Tempo der Kinder ausgerichtet ist.“ Lehrer, Erzieher und Ergänzungskräfte seien nun viel enger verzahnt, sie arbeiten Hand in Hand. Im normalen Ganztag ist es meist so, dass Unterricht am Vormittag und Betreuungsangbote am Nachmittag streng voneinander getrennt sind. „Die Folge ist, dass nachmittags niemand weiß, was morgens im Unterricht passiert ist“, sagt Willmeroth.

Im Rhythmisierten Ganztag hingegen sind die Übergänge fließend. Im Fachunterricht vermittelt der Lehrer die Lerninhalte. Unterstützung erhält er durch eine pädagogische Fachkraft. Dann gibt es Lernzeiten. In Kleingruppen werden die Lerninhalte vertieft und die Kinder können an ihrem Wochenplan arbeiten oder Projekte durchführen. Außerdem können die Schüler dann ihre Hausaufgaben erledigen. „Die Lernzeit knüpft direkt an den Unterricht an, das ist eine ganz enge Bindung“, sagt Willmeroth.

Unterricht und Lernen werden durch Bewegungsangebote ergänzt. Dafür können die Kindern in einen so genannten Bewegungsraum wechseln, der eingerahmt wird von zwei Klassenräumen. Dort ist Zeit zum Spielen und Toben. „Im Rahmen der Rhythmisierung ist die freie Zeiteinteilung, die die Kinder selbst planen können, ein wichtiger Bestandteil. Sie hat großen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder“, erläutert Willmeroth.

Ein weiter fester Bestandteil des Konzepts ist das gemeinsame Mittagessen. Zusätzlich gibt es zahlreiche Spiel- und Sport-, Kunst- und Kreativangebote. Das kann ein Yoga-Kurs sein, gemeinsames Musizieren oder etwa Tischtennis. Dafür arbeitet die Grundschule An den Linden mit mehreren Kooperationspartnern wie der Kreismusikschule dem FC Kleve oder die DJK Kleve zusammen. „Gleichzeitig sind wir in die Stadtteil-Arbeit einbezogen. Wir arbeiten mit dem Jugendzentrum Kalle zusammen, nutzen den Robinsonspielplatz, die katholische Bücherei ist in unserer Schule untergebracht“, sagt Willmeroth.

Die Erfahrungen, die die Pädagogen mit dem neuen System seit Anfang des Schuljahres gemacht haben, sind durchweg positiv. „Die Schüler lieben das“, sagt Willmeroth. Sie würden für die Betreuungsangebote und die Lernzeiten nicht aus dem Klassenverband gerissen, blieben täglich lang zusammen. „Das soziale Miteinander ist viel besser geworden. Die Schüler erleben mehr zusammen. Es gibt viel weniger Streit“, berichtet Willmeroth.

Auch für die Lehrer sei das Arbeiten im Rhythmisierten Ganztag von Vorteil. 30 Lehrer stehen 30 Betreuungskräften im Ganztag gegenüber. Und auch die Erzieher profitierten. „Sie erhalten eine ganz neue Wertschätzung, sagt Willmeroth. Für ihn handelt es sich um „eine echte Win-Win-Situation“.

Ein Yoga-Kurs gehört zu den zahlreichen Angeboten für die die Schule mit Partnern aus der Region kooperiert. Foto: Marc Cattelaens

Zurzeit nehmen die ersten beiden Schuljahre teil. Der Rektor möchte seine Schule zur reinen Ganztagsschule ausbauen. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, betont JensWillmeroth.