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Kalkar-Grieth: Grieth soll keine Schlafstadt werden

Kalkar-Grieth : Grieth soll keine Schlafstadt werden

Gesellschaftliche Probleme wie demografischer Wandel oder fehlende Infrastruktur machen auch vor dem Landleben nicht Halt. Die Hochschule Rhein-Waal möchte mit ihrem Projekt "Smart Villages" den Dörfern Leben einhauchen.

Das kleine Fischerdorf Grieth wirkt an diesem Nachmittag verlassen. In den engen Gassen, vorbei an den pittoresken Häusern trifft man kaum eine Menschenseele. Am Rhein gelegen erhebt sich ein Schiffsmast und schaukelt langsam im Wind. Es ist ein Bild, das die gut 850 Bewohner von Grieth nur allzu gut kennen. "Gesellschaftliche Probleme machen auch vor dem Landleben nicht Halt", sagt Klaus Hegemann, Professor für Ethik und Ökonomie an der Hochschule Rhein-Waal.

Am Wochenende ist die kleine Hafenstadt Grieth Tourismusziel für Fahrradfahrer und begeisterte Wanderer; doch besonders unter der Woche sind die engen Gassen und der Marktplatz am neu errichteten Altersheim menschenleer. "Grieth ist mit seiner Struktur und seinen Problemen typisch für den nördlichen Niederrhein und besitzt Modellcharakter", sagt auch Rolf Becker, ebenfalls Dozent an der Rhein-Waal.

Damit Grieth nicht eines Tages zur Schlafstadt wird, haben Rolf Becker und Klaus Hegemann zusammen mit einigen Studenten des Studiengangs "International Business and Social Sciences" (IBSS) das Projekt "Smart Villages" ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, fachübergreifende Projekte zu entwickeln, "die wichtige Beiträge zur Zukunftsfähigkeit des Landlebens leisten", wie es im offiziellen Bericht heißt.

Das Team der Hochschule möchte Grieth also wieder mehr Leben einhauchen. Im Zuge eines kleinen Dorffestes weihten die Studenten und ihre Professoren am Montag auch direkt das neue Projektbüro am Griether Markt ein: grüner Teppichboden, eine Couch, eine Pinnwand und ein Glastisch — mehr ist noch drin, soll aber kommen. Das Büro ist nun Anlaufstelle für alle Griether, die Fragen und Anregungen zu dem Projekt haben.

Wie Grieth in Zukunft lebhafter werden soll, zeigten die Studentinnen Kathrin Kahlert und Jenny Cyffka den neugierigen Bürgern mit einer Präsentation. Mit vier weiteren Kommilitonen wollen sie beispielsweise eine Seniorengenossenschaft gründen oder auch einen kleinen Dorfladen, der die Aufgabe des fehlenden Supermarktes übernehmen soll. Bei all den Projekten gilt: "Wir wollen wissen, was überhaupt sinnvoll ist", sagt Klaus Hegemann und fügt hinzu: "Wir von der Hochschule wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir wissen, was hier wichtig ist."

Nur von den Bewohnern könne man erfahren, was in Grieth auch Zuspruch findet. Es nütze keinem, wenn ein Projekt auf die Beine gestellt würde, dass niemand wolle. Das Vorhaben lebt und fällt also mit den Griether Bürgern. Deshalb liegen im neuen Projektbüro auch Fragebögen aus, in denen die Griether ihre Anliegen für den Ort darlegen können.

Für ihr Engagement erhielt die Hochschule Rhein-Waal vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft, und Forschung des Landes NRW 240 000 Euro. Das Projekt "Smart Villages" läuft bis Ende 2014. Bis dahin sollen konkrete Lösungsansätze vorliegen und bereit für die Umsetzung sein; damit in dem kleinen Fischerdorf wieder mehr Leben einkehrt.

(RP)