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Goch-Kevelaer-Weeze und Rhein-Maas: Sparkassen planen Fusion

Goch-Kevelaer-Weeze und Rhein-Maas : Sparkassen im Kreis Kleve prüfen Fusion

In einer gemeinsamen Erklärung haben Sparkasse Rhein-Maas und die Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze bekannt gegeben, dass sie Gespräche über einen Zusammenschluss aufnehmen. Die Sondierung soll im Herbst enden.

Die beiden großen Sparkassen der Region loten einen Zusammenschluss aus. Wie die Vorstände der Sparkasse Rhein-Maas und der Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze am Freitagabend in einer gemeinsamen Presseerklärung überraschend bekannt gaben, werden sie Sondierungsgespräche über eine mögliche Fusion aufnehmen. Die Verwaltungsräte der beiden Sparkassen hätten dazu bereits grünes Licht gegeben.

Im Rahmen der Sondierungsgespräche werde untersucht, ob die Sparkassen den Herausforderungen, denen sich besonders regionale Kreditinstitute in den nächsten Jahren stellen müssen, besser gemeinsam begegnen können, heißt es in der Mitteilung. Die beiden Vorstandsvorsitzenden Michael Wolters und Thomas Müller sehen folgenden „klaren Willen“ ihrer Vorstände und Verwaltungsräte: „Die Sparkassenkunden sowie die Bürger und Unternehmen der Region sollen vorrangig von einer möglichen Fusion profitieren. Beide Sparkassen arbeiten erfolgreich am Markt und wollen rechtzeitig und vorausschauend Spielräume schaffen, damit auch mittelfristig ein leistungsstarkes Angebot in der Region angeboten werden kann“, heißt es der Erklärung der Vorstände.

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Grund für die Überlegungen sei die „politisch gewollte Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank“, die vor allem Regionalbanken vor Herausforderungen stelle. „Hinzu kommen der zunehmende Wettbewerb um Firmen- und Privatkunden, Anforderungen an die technische Infrastruktur sowie die weiter fortschreitende Digitalisierung und der demographische Wandel“, so die Sparkassen-Vorstände. Angesichts dieser Herausforderungen seien Investitionen notwendig. Diese sind nach Ansicht der beiden Sparkassen-Vorstände offenbar besser gemeinsam zu stemmen.

Angesichts vieler weiterer derzeit diskutierter aufsichtsrechtlicher Anforderungen sollen daher nach Auffassung der Vorstände frühzeitig auch strategische Überlegungen geprüft werden. „Wir sehen klassische Synergieffekte. Die wollen wir nun heben“, sagte auf Anfrage unserer Redaktion Wilfried Röth, der stellvertretende Vorsitzende der Sparkasse Rhein-Maas. Der Zeitpunkt für Sondierungsgespräche zu einer Fusion sei jetzt günstig, da beide Sparkassen bislang keine nennenswerten Belastungen durch die Corona-Pandemie im Kundengeschäft erfahren hätten.

Die Sparkasse Rhein-Maas ist in Bedburg-Hau, Emmerich, Kalkar, Kleve, Kranenburg, Rees, Straelen und Uedem mit Geschäftsstellen vertreten. Ihre Bilanzsumme beträgt 2,3 Milliarden Euro. Die Verbandsparkasse Goch-Kevelaer-Weeze ist in Goch, Kevelaer und Weeze tätig. Ihre Bilanzsumme beträgt 701 Millionen Euro. Ob man davon ausgehen darf, dass, falls es zur Fusion kommt, der Hauptsitz der neuen Mega-Sparkasse am heute dreimal größeren Standort Kleve liegen wird, lässt Röth derzeit offen. „Wir befinden uns ganz am Anfang der Sondierungen. Die Frage über Standorte wird aber in diesen Gesprächen eine Rolle spielen.“ Die Sondierungsgespräche werden wohl drei bis vier Monate dauern, schätzt der Sparkassen-Vorstand. Erst dann, im Herbst, werde man wissen, ob sich konkrete Fusionsgespräche anschließen.

Ob es am Ende tatsächlich zur Fusion der beiden Sparkassen kommt, sei derzeit noch nicht abzusehen. „Wir wollten aber von Anfang an mit offenen Karten spielen, deswegen haben wir uns entschlossen, jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt Röth, auch im Namen seines Vorsitzenden Michael Wolters.

Die letzte große Fusion von Sparkassen in der Region ist noch keine fünf Jahre her. Am 30. August 2016 fusionierten die Sparkassen Emmerich-Rees, Kleve und Straelen zur neue Sparkasse Rhein-Maas. An 33 Standorten wurden zu diesem Zeitpunkt rund 240.000 Kundenkonten mit einem Volumen von knapp vier Milliarden Euro betreut.

Seitdem gibt es eine weiße Fläche im Westen des Kreis-Gebiets, denn die Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze-Uedem schloss sich dem neuen Gruppenverband nicht an. Schon damals orakelte Rudi van Zoggel, der damalige Vorstandsvorsitzende der neuen Sparkasse Rhein-Maas, dass sich das innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre ändern könne. „Die Kollegen sind uns willkommen, unsere Türen stehen für Gespräche offen.“ Jetzt, keine fünf Jahre später, ist es soweit: Die Gespräche beginnen. Doch auch wenn diese erfolgreich verlaufen und es am Ende tatsächlich zur Fusion kommt, könnte man immer noch nicht ganz von einer Kreissparkasse sprechen: Geldern gehört bekanntlich zur Sparkasse Krefeld.