Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Angriff auf Beamte : Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Innerhalb weniger Wochen sind fünf Beamte der Klever Polizei nach Einsätzen dienstunfähig geworden. Die Täter haben häufig synthetische Drogen genommen. Anlässe für die Gewaltausbrüche sind oft Lappalien.

An diesen Einsatz erinnern sich die Beamten der Wache Kleve noch heute mit Schrecken. Mitte Februar schlugen in Kalkar Gäste einer Party einen anderen Besucher krankenhausreif. Die Täter stahlen ihm seine Geldbörse und sein Handy. Dann trat einer aus der Gruppe noch auf den am Boden liegenden Mann ein. Die Polizei fuhr zu der Feier. Doch bei der Aufnahme der Personalien bedrohten Gäste die Polizei und attackierten die Beamten, die Pfefferspray einsetzten. Mehrere Personen griffen die Polizistin und ihre Kollegen dennoch weiter an. Der 43-jährige Beamte wurde durch eine geworfene Sektflasche am Kopf getroffen, die 23-jährige Beamtin und ihr Kollege wurden leicht verletzt.

Dieser Einsatz ist nur einer von vielen, die völlig aus dem Ruder liefen. Die Fälle, bei denen Polizisten der Kreispolizei Kleve im Dienst verletzt wurden, weil sie angegriffen wurden, häufen sich. „Wir blicken voller Sorge auf dieses Thema“, sagt Polizeisprecher Achim Jaspers. Die Kreispolizei führt genau Statistik darüber, wie viele Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sich jährlich ereignen. „Vor 2015 war die Anzahl dieser Straftaten noch nicht so hoch, ab dann verzeichnen wir eine Häufung“, sagt Jaspers. Im Jahr 2015 gab es 69 Fälle, 2016 waren es 51 und 2017 verzeichnete die Polizei 74 Fälle. In diesem Jahr gab es bereits 45 Widerstände, rechnet man diese Zahl bis aufs Jahresende hoch, kommt man auf 76.

Bezieht man die Einsätze mit ein, bei denen Polizisten bedroht oder beleidigt wurden, ergibt sich ein noch schlimmeres Bild. Deren Anzahl stieg von 48 im Jahr 2014 auf 89 im vergangenen Jahr an. In diesem Jahr gab es bereits 59 solcher Fälle, ginge es bis Ende des Jahres so weiter, käme man auf 102 Fälle.

„Die Aggressivität gegenüber Polizisten nimmt immer weiter zu“, sagt Jaspers. Die Rückmeldungen der Einsatzkräfte zeigen: Häufig haben die Täter Alkohol oder Drogen konsumiert, oft auch beides zusammen. „Gerade dieser Alkohol-Drogen-Mix ist extrem gefährlich“, betont Jaspers. Während früher häufig so genannte „weiche Drogen“ konsumiert wurden, seien es inzwischen meist synthetische Drogen, die im Blut der Straftäter gefunden werden. „Natürlich gab es auch vor 20 oder vor 30 Jahren Widerstände gegen Vollstreckungsbeamte. Es wurde auch schon mal jemand verletzt. Aber die Ausmaße sind heute ganz anders“, sagt der Pressesprecher. Durch die Drogen würden die Täter für Schmerz unempfindlicher und zugleich sehr aggressiv. Die Täter seien häufig völlig hemmungslos. „Insbesondere Messer werden immer häufiger gegen Polizisten eingesetzt. Auch das Beißen wird zum großen Problem“, sagt Jaspers.

Das jüngste Beispiel dafür ist gerade einmal eine Woche alt: Ein mit einem Messer bewaffneter Randalierer und Ruhestörer hat zwei Beamte der Klever Polizei verletzt. Beide sind dienstunfähig. Die Polizisten waren zum Sportplatz von Siegfried Materborn gerufen worden. Zeugen hatten mitgeteilt, dass der Mann ein Messer habe und laut schreie. Nachdem ihm Handfesseln angelegt waren, trat der Mann plötzlich um sich und biss einem Polizisten in den Finger. Erst nach dem Einsatz von Pfefferspray konnte der 55-jährige Polizist seinen Finger lösen, erlitt aber eine massive Verletzung. „Der Kollege musste damit rechnen, dass er seinen Finger verlieren würde. Es ist reines Glück, dass das nicht passiert ist“, sagt Jaspers. Bei dem Versuch, seinem Kollegen zu helfen, wurde auch ein 27-jähriger Polizist an der Hand verletzt.

Die Anlässe der Gewaltausbrüche sind oft Lappalien. „Das steht in gar keinem Verhältnis“, sagt Jaspers. Obwohl seine Kollegen gut geschult seien, hätten sie oft keine Chance zu erkennen, was bei den Einsätzen auf sie zukommt. „Die Täter erscheinen manchmal ruhig. Dann schlagen sie völlig überraschend zu“, sagt Jaspers. Erst am Montag hat sich so ein Fall zugetragen. Ein 33-Jähriger, der vorher eine Bekannte mit einem Messer bedroht hatte und wohl unter dem Drogeneinfluss stand, verletzte einen Polizisten so schwer, dass dieser nicht mehr dienstfähig war. Die Folgen einer solchen Tat seien für die Betroffenen oft auch psychisch sehr belastend, sagt Jaspers. Trotzdem sei es wichtig, dass die Polizisten bei Einsätzen besonnen bleiben und nicht ihrerseits unnötig Gewalt anwenden. „Wir wollen Partner der Bürger sein!“

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