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Gewalt an Frauen: „Die Zahlen beweisen, dass es mehr wird“

Gewalt an Frauen : „Die Zahlen beweisen, dass es mehr wird“

Im Zuge der landesweiten Aktionswoche „Gegen Gewalt an Frauen“ informierten Gleichstellungsbeauftragte der Kreis Klever Kommunen in Kranenburg.

Gewalt gegen Frauen öffentlich machen, darüber sprechen, Hilfe anbieten, die Gesellschaft für das Thema sensibilisieren – dies sind einige der Anliegen am Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, der seit 1981 jedes Jahr am 25. November stattfindet. Gewalttätige Übergriffe gegenüber Frauen machen auch vor dem ländlichen Raum nicht Halt, betonen die Gleichstellungsbeauftragten der Kreis Klever Kommunen, und informierten zu diesem Thema vor dem Rathaus in Kranenburg.

Die Veranstaltung war Teil der landesweiten Aktionswoche „Gegen Gewalt an Frauen“. Auch in Straelen, Weeze, Kleve, Kevelaer und Kalkar gab es Infostände oder ähnliche Informationsangebote. Wie das zuständige Bundesministerium in diesen Tagen mitteilt, sind die Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen seit 2019 um fast fünf Prozent gestiegen. „Ja, es ist mehr geworden, die Zahlen beweisen das“, so Frederike Küsters, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goch. Sie sagte aber auch, dass durch viele Initiativen das Thema angesprochen und Hilfsangebote geschaffen würden, so dass mehr Fälle ins Licht der Öffentlichkeit gelangten.

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Die Landrätin des Kreises Kleve, Silke Gorißen, war nach Kranenburg gekommen und bedankte sich bei den Gleichstellungsbeauftragten für die Aktion. „Das Thema muss die Öffentlichkeit erreichen, das Schweigen muss gebrochen werden“, sagte sie. Sie verwies auch auf die Täter, die ja nicht ohne Ursachen in ihrer Lebensgeschichte gewalttätig würden. Auch hier müsse geforscht und nachgefragt werden. Sie sagte zu, den Themenkomplex auch nach der Aktionswoche mit den Bürgermeistern und Organisatorinnen zu erörtern und für künftige Aktionen, wenn nötig, nachzubessern.

Ferdi Böhmer, Bürgermeister von Kranenburg, betonte ebenso die Wichtigkeit, das Thema Gewalt gegen Frauen „aus der Verschwiegenheit und Geheimniskrämerei“ herauszuholen. Wer behaupte, es passiere nicht, weil es unter Strafe stehe, läge falsch. Er sagte: „Wir brauchen die Öffentlichkeit, auch um den Opfern zu helfen und um ihnen Mut zu machen, zu sprechen.“ Sabine Derieth, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Kranenburg, war zum ersten Mal Mitorganisatorin. Sie berichtete, sie sei zwar noch nicht direkt von Betroffenen angesprochen worden, habe aber über das Jugendheim von Fällen gehört. Ihre Kollegin Nicola Roth von der Gemeinde Weeze ist schon länger dabei und kann den Zulauf an den Telefon-Hotlines bestätigen. An den verschiedenen Infoständen war sie vor Ort. „Da kommen schon mal Frauen, oftmals ältere, und erzählen, wie es früher war. Die Flyer und Hilfenummern werden mitgenommen, wohl auch um sie weiterzugeben“, erzählte Roth.

Zur Aktionswoche gehörte eine Telefonaktion, bei der Expertinnen und Experten vom Opferschutz mehrerer Hilfseinrichtungen der Region telefonisch zur Verfügung standen. Darunter auch Holger Brauer, Fachdienstleiter der Beratungsstellen für Kinder, Jugend und Familie des Caritasverbands Kleve. Er bestätigte, dass oftmals am Telefon von Gewalterfahrung berichtet werde. Sexualisierte Gewalt und die verschiedenen Arten der Täter seien auf jeden Fall auch in der Zukunft Schwerpunktthemen in der Beratungsarbeit der Caritas.

Die Aktionswoche war eingebettet in die Kommunikationsinitiative der „Runden Tische“ des Kreises Kleve unter dem Motto „Dein Zuhause“, die Anfang November begann und bis zum Jahresende dauern wird. Koordinatorin ist hier Elisabeth Meyer, die gleichzeitig Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Emmerich ist.

Info „Runde Tische“ sind Netzwerke zur Vorbeugung gegen und Hilfe bei Fällen von häuslicher Gewalt. Im Kreis Kleve stehen hier über 140 Kooperationspartner bereit. Es gibt einen neuen Instagram-Account @zuhause-gewalt. Die Nummer des bundesweiten Hilfetelefons:  08000 116 016