Kleve: Gericht: Mutmaßliche Geldfälscher sagen aus

Kleve : Gericht: Mutmaßliche Geldfälscher sagen aus

Prozessauftakt am Landgericht Kleve: Vier mutmaßliche Geldfälscher müssen sich ab Montag, 27. Juni, verantworten. Im Folgenden lesen Sie das Protokoll des ersten Tages.

+++ 10.17 Uhr: Der Vorsitzende Richter Jürgen Ruby eröffnet den Prozess gegen die vier Italiener im Alter von 29 bis 39 Jahre und klärt die Personalien.

+++ 10:26 Uhr: Oberstaatsanwalt Guido Schulz verliest die Anklage. Das Quartett ist wegen gewerbs- und bandenmäßigen Geldfälschens beziehungsweise Falschgeldhandels angeklagt.

Spätestens Anfang August 2010 sei der Beschluss gefasst worden, Falschgeld aus Italien zu holen und in Deutschland gewerbsmäßig zu veräußern.

Drei der vier Angeklagten seien in einem gemieteten BMW am 18. Oktober nach Italien gefahren, der Vierte, der Wirt des Restaurants Il Nido in Kleve, auch als "Zum Aussichtsturm" bekannt, stellte seine ec-Karte zur Abdeckung der Reisekosten zur Verfügung.

Auf der Rückfahrt geriet das Trio in Deutschland in eine Polizeikontrolle. Die Ermittler entdeckten 20-, 50- und 100-Euro-Blüten in einem Nennwert von 111.140 Euro. Das Geld sollte zu 35 Prozent des Nennwertes verkauft werden, so der Staatsanwalt.

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+++ 10:31 Uhr: Pasquale P., der Wirt des Restaurant, teilt über seinen Anwalt Dr. Peter Lukassen (Goch) mit, dass er sich nur zur Person und nicht zur Sache äußern werde.

+++ 10:32 Uhr: Tino C. und Saverio M. wollen aussagen. Antonino G., Angeklagter Nr. 4, will gar nichts sagen.

+++ 10:35 Uhr: Rechtsanwalt André Birkner, der Verteidiger von Saverio M., schlägt ein Gespräch vor. Richter Ruby: "Gedealt wird hier eigentlich nicht." Es geht also weiter.

+++ 10:36 Uhr: Jetzt meldet sich Peter Lukassen. Er findet es problematisch, dass die Polizei zur Aufklärung der Straftat V-Leute eingesetzt hat, die aber nun nicht vernommen werden. "Ich erwäge eine Klage vor dem Verwaltungsgericht", so Lukassen. Das würde den Prozess verzögern — oder gar sprengen… Ruby: "Ich sehe keine Möglichkeit, darauf hinzuwirken, dass diese Zeugen hier erscheinen."

+++ 10:42 Uhr: Pasquale P. (37), der Wirt, schildert seinen Lebenslauf. 1989 nach Deutschland gekommen, 20 Jahre in Kamp-Lintfort in einer Pizzeria gearbeitet, dann mit einem Kredit über 18.000 Euro in Kleve das "Il Nido" eröffnet. "Am Anfang lief es schlecht, dann konnte ich von den Einnahmen leben." Heute sei der Laden in Insolvenz, ihm gehöre nichts mehr.

+++ 10:49 Uhr: Strafrechtlich sei er noch nicht in Erscheinung getreten. "Doch, da war doch was, mit Betrug, 30 Tagessätze", so Ruby. Pasquale: "Ach, das war ein Missverständnis!" Es ging um eine Autorechnung.

+++ 10:51 Uhr: Saverio M. (39), der Koch des "Il Nido" sagt aus: "Ich habe 15 Jahre gearbeitet, nie hat es Probleme gegeben, und jetzt das!" Er hat zwei Kinder, die bei der Mutter leben. Finanziell stand ihm das Wasser bis zum Hals, als Koch habe er 200, 250 Euro im Monat verdient.

+++ 11:00 Uhr: Staatsanwalt Schulz greift ein, nachdem Pasquale ihm seine finanzielle Situation wohl etwas zu verniedlichend dargestellt hatte. Plötzlich ist von Schulden in Höhe von 126.000 Euro bei der Volksbank Kleverland und bei der Sparkasse Duisburg die Rede. "Kredite wegen Autos", entgegnet Lukassen. "Alles überschaubar."

+++ 11:05 Uhr: Erste Pause.

+++ 11:29 Uhr: Fortsetzung. Der dritte Angeklagte, Tino C. (29), lässt seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. Inhalt: Ja, ich bin nach Italien gefahren, um Falschgeld zu holen und in Deutschland in Verkehr zu bringen. Ja, ich bin kurz hinter der Grenze verhaftet worden, sodass es nicht mehr dazu gekommen ist. Kein Wort zu Mittätern, Auftraggebern oder Hintermännern. So kennt man das aus Italien: Nur zugeben, was ohnehin nicht abzustreiten ist.

+++ 11:33 Uhr: Ende des ersten Verhandlungstages. Fortsetzung am 6. Juli.

(jul)
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