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Gerhard Hopmann geht in Pension - in Kleve hat er hat alle Morde aufgeklärt

Ermittler geht in Pension : Alle Morde im Kleverland aufgeklärt

Gerhard Hoppmann ermittelte 30 Jahre lang bei der Mordkommission, nun ist Schluss. Der Ermittler geht in Pension, nachdem er 46 Jahre lang zwischen Krefeld und Kleve Verbrecher suchte.

Es habe in Kleve Kollegen gegeben, die hätten ihn „Mister 100 Prozent“ genannt, sagt Gerhard Hoppmann. Und das nicht ohne Grund. Der 62-Jährige leitete 30 Jahre lang bei der Mordkommission Krefeld – und hinterlässt im Kreis Kleve nicht einen einzigen ungelösten Mordfall. „Das ist für mich persönliche eine große Befriedigung“, sagt Gerhard Hoppmann. 46 Jahre lang suchte er zwischen Krefeld und Kleve Verbrecher. Ende November scheidet er aus dem Dienst aus.

Mit 250 Morden und 13.000 Todesermittlungen habe es Gerhard Hoppmann zu tun gehabt. Er ermittelte gegen Sexualstraftäter, Totschläger und Mörder. Eine Karriere im Spannungsfeld zwischen Leben und Tod. „Ich müsste Bücher schreiben, um nur einen Teil der Tötungsdelikte wiederzugeben, die herausragend waren“, sagt Hoppmann.

Der passionierte Marathon-Läufer begann bei der Behörde in Krefeld zu einer Zeit, als Fahndungsbilder noch mit Zügen zu anderen Dienststellen übermittelt wurden, mit Polaroid-Kameras fotografiert und Verbrecher im Opel Kadett gejagt wurden. „Morde wurden damals fast nie durch Spuren geklärt“, sagt Hoppmann. Erst in den späten Neunzigerjahren revolutionierte die DNA-Technik die kriminalistische Arbeit. „Das war ein Quantensprung in der Entwicklung der Beweismittel“, sagt Gerhard Hoppmann.

Ein Fall ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: 1986 klärte Gerhard Hoppmann mit seinem Team einen Mord in Goch auf. Damals war ein älterer Mann mit einem Bundeswehrklappspaten erschlagen worden. Schnell rückte ein 19-jähriger Soldat, ein Freund des Getöteten, in den Fokus der Ermittler. Hoppmann brachte ihn schnell zum Geständnis. Der junge Erwachsene habe seinen Freund wegen ein wenig Kleingeld ermordet, erklärte der Mann den Polizisten damals. Später tötete sich der Verhaftete hinter Gittern selbst.

„Jede Mordsache ist auf ihre Art besonders. Man behält daher fast alle in Erinnerung, teilweise auch sehr genau“, sagt Hoppmann, der sich als Pensionär einen Traum erfüllen will: eine Bergwanderung auf dem 5895 Meter hohen Kilimandscharo.

Bemerkenswert häufig habe Hoppmann es mit sogenannten Neonatiziden zu tun gehabt, der Tötung von Säuglingen. Diese Fälle beschäftigten den Kreis Klever so sehr, dass er wissenschaftliche Arbeiten dazu in Auftrag gab. Umso bitterer sei es, dass es bei dem einzigen Fall, den er nicht knacken konnte, um einen toten Säugling ging. 2014 wurde im Krefelder Südpark in einer Plastiktüte die Leiche eines Babys entdeckt. Bis heute ist unklar, wer die Mutter des tot aufgefundenen Kindes ist.

Erleichtert sei Hoppmann gewesen, als Anfang Oktober auch der sogenannte „Sandkuhlen-Mord“ von Rheurdt-Schaephuysen aufgeklärt wurde. Die Polizei hatte einen Verdächtigen verhaftet, der 1996 einen Mann aus Würselen ermordet haben soll. Die Identität des Toten, der am Abhang einer Kiesgrube bei Rheurdt gefunden worden war, konnte erst nach 23 Jahren durch Hinweise nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ geklärt werden.

Es handelte sich um den 1953 geborenen Busfahrer Wilfried Kalitz. „Dieser Ermittlungserfolg ist nach all den Jahren eine persönliche Genugtuung für mich“, sagt der Kriminalkommissar. Schon jetzt sei klar: Gerhard Hoppmann wird als Pensionär nach Aachen fahren, wenn dem Tatverdächtigen der Prozess gemacht wird.

Immer wieder hatte es der Ermittler auch mit Ehrenmorden im Kreis Kleve zu tun. Der erste hatte Hoppmann 1986 auf den Plan gerufen. Damals waren zwei kurdische Kinder ermordet worden. Später wurde er gerufen, nachdem ein Mann seine Ehefrau vor den Augen seiner Kinder erstochen hatte. Der Sohn versuchte wenige Jahre später, den Vater auf der Schwanenburg zu erschießen.

Die Schwestern tauchten damals auf Geheiß von Gerhard Hoppmann unter. „Es ist wichtig, dass wir uns um die Opfer kümmern, die nie im Fokus der Öffentlichkeit stehen und leider auch nicht in unserem“, sagt Hoppmann. Sein Menschenbild habe sich in den beinahe fünf Jahrzehnten Dienstzeit nicht verändert. „Ich bin nicht misstrauischer geworden und gehe unverändert offen auf Menschen zu. Man muss sich ja auch vor Augen führen, dass die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland Opfer eines Verbrechens zu werden, vergleichsweise gering ist“, sagt Hoppmann.

Und dennoch: Es habe 2017 einen Fall gegeben, der bei dem erfahrenen Ermittler für entsetztes Kopfschütteln gesorgt habe. Damals wurde ein 77-jähriger Emmericher brutal ermordet. Der Täter war ein 25-jähriger Arbeitslose aus Kleve. Das Motiv? Mordlust. „Er sagte uns damals, dass er nur einmal ausprobieren wollte, wie es ist, zu töten. Da stockte auch mir der Atem“, sagt Gerhard Hoppmann. Trotzdem: der Fall war geklärt.