Kleve: Gedenkfeier hinter Gittern

Kleve: Gedenkfeier hinter Gittern

Lästige Person, Freitod im Lüftungsschacht, Guantanamo im Vergleich mit Kleve – bei der Veranstaltung in der Justizanstalt Kleve anlässlich der Opfer des Nationalsozialismus wurde das Schicksal der Gefangenen thematisiert.

Lästige Person, Freitod im Lüftungsschacht, Guantanamo im Vergleich mit Kleve — bei der Veranstaltung in der Justizanstalt Kleve anlässlich der Opfer des Nationalsozialismus wurde das Schicksal der Gefangenen thematisiert.

Wilhelm Vrede war eine "lästige Person". Der geborene Duisburger, der in Kleve bei einem Weinhändler arbeitete, pflegte regen Kontakt zum niederländischen Generalkonsul. Für die Geheime Staatspolizei (Gestapo) Grund genug, den damals 66 Jahre alten Mann am 3. November 1941 festzunehmen und in die Klever Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Krohnestraße zu bringen.

Es galt ihn "auszuschalten", denn "Vrede unterstütze den Feindstaat", er sei "unbelehrbar", so die Begründung. Und so brachte man ihn am 7. Februar 1942 in das Konzentrationslager (KZ) in Sachsenhausen nördlich von Berlin. Nach einer Woche angekommen, erlag er dort am 13. März 1942 den Qualen.

Gefängnis war maßlos überbelegt

Wie Wilhelm Vrede aus Kleve erging es vielen Häftlingen zur Zeit des Nationalismus in Deutschland. Wie viele genau — das ist nicht bekannt. Fest steht aber: Das Klever Gefängnis war maßlos überbelegt. "Die Justizvollzugsanstalt hat ein Fassungsvermögen von circa 235 Plätze. Damals waren aber weit mehr als 500 Inhaftierte vor Ort", berichtete Karl Schwers, Leiter der JVA Kleve. Zusammen mit Bürgermeister Theo Brauer (CDU) richtete er die Gedenkfeier der Stadt Kleve aus Anlass der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum ersten Mal im Gefängnis Kleve aus.

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Mit Erfolg. Nicht nur viele Besucher waren zur Krohnestraße gekommen, um sich dort zu erinnern. Auch die Insassen machten mit. Sie führten unter anderem das Theaterstück "Im Namen der Unmenschlichkeit" auf und lasen aus einem Augenzeugenbericht vor. Thematisiert wurde darin der Gocher Franz Schneider, der vor den Augen der Häftlinge im Innenhof des Gefängnisses hingerichtet wurde. Die offizielle Begründung: "Freitod im Lüftungsschacht."

Skulptur am Eingang

"Hier wurde der Rechtsstaat massiv missachtet", sagte auch Brauer. Der erste Bürger der Stadt Kleve zog damit Parallelen zur heutigen Zeit. "Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama, war die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba. Zurecht. Denn wie zu Zeiten des Nationalsozialismus bekamen die Inhaftierten auch dort keinen ordentlichen Prozess." Guantanamo sei der aktuelle, rechtstaatliche Irrweg, die Justizvollzugsanstalt Kleve der historische.

Damit das nicht in Vergessenheit gerät, hat der Klever Künstler Peter Busch in Zusammenarbeit mit der Gefängnisschlosserei eine Skulptur entworfen. Aufgestellt wurde das Kunstobjekt, das sich mit dem Thema "Freiheit" beschäftigt, am Eingang des Gebäudes im Anschluss an die Gedenkfeier.

(RP)
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